Schreibmaschinen: Microsoft Surface Pro (MJ 2017)

Microsoft hat mit den Surface-Geräten Probleme gehabt, die Etablierte im Markt „schöne Schlepptops“ kaum nachvollziehen konnten, weil sie bei ihnen schon so lange her sind. Das merkten auch die Kunden. Ich habe noch kein gerades Surface Book gesehen. Im Gegenteil konnte man schon in den wenigen Pixeln des Vorstellungs-Videos des Surface Book 2 sehen, dass ihr Vorführer krumm war. Die Passform generell schwankt. Die Zuverlässigkeit lässt zu wünschen übrig. Das ist schade, weil ich das Ding sehr mochte. Nachdem jeder Umtausch jedoch nur andere Fehler brachte, nicht aber ein funktionierendes Gerät, verlangte ich mein Geld zurück. Der Fehler, den alle meine Geräte zeigten, war ein sehr nerviges, temperaturabhängiges Bildschirmflackern ganz oben. Über Kleinigkeiten hätte ich hinwegsehen können.

Dann war ich auf dem Microsoft-Event, auf dem das neue Surface Pro vorgestellt wurde, und die Surface Books mit Performance Base nach Deutschland kamen. Alle Surface Books des Events waren krumm. Mein alter Kollege Volker Zota hatte mir jedoch vorgeschlagen, das Surface Pro auszuprobieren, das man mit dem Type Cover auch auf dem Schoß tippen könne. Das tat ich. Viel „Hm, das sollte eigentlich nicht passieren“ von Seiten der Microsoft-Mitarbeiter. Kompletter Freeze. Tastatur fiel immer wieder aus. Stift verlor die Kopplung. Machte mich alles nicht hoffnungsvoller. Ich nahm mir vor, das Surface-Zeug erst einmal zu vergessen, bis es besser funktioniert.

Später las ich dann die Consumer Reports, die den Surface-Produkten Raten von 25 Prozent Fehlern im ersten Jahr attestierten. Dazu muss man sagen, dass die meisten Menschen wenig merken. Wenn mich stört, wie krumm und schief die Passungen am Surface Book sind, dann sehen andere Nutzer gar nichts, das sie stört. Also rechnete ich mit mindestens der Hälfte der Geräte in fehlerhaft. Das heißt aber auch: Es gibt eine 50-prozentige Chance, ein funktionierendes Gerät zu finden. Das ist besser als alles, was damals zum Kindle Voyage möglich war.

Also bestellte ich eins aus einer Weihnachts-Aktion von Mediamarkt mit Type Cover und Maus. Ich ließ es ein bisschen einlaufen, da fiel mir eine kaputte Bildschirmstelle auf. Diesmal schickte ich es jedoch nicht an den Surface-Service zurück, der dir nämlich einfach ein Gerät mit einem anderen Fehler eines anderen Unglücklichen als Antwort schickt, sondern ich tauschte über Mediamarkt um, die mir ein neues Gerät schickten. Und dieses Gerät funktionierte, ich konnte es selber kaum fassen. Ich benutze es jetzt schon das ganze Jahr und habe mir den Stift dazu geholt, den ich hauptsächlich für Notizen gebrauche. Da ich die kleine Version mit i5 habe, stört kein Lüfter, der ja auch ausfallen kann.

In meinem Haupteinsatzgebiet als Reiseschreibmaschine punktet die gute Tastatur. Sie ist zwar nicht so gut wie die des Surface Book (best Mobiltastatur ever), dafür ist das Surface Pro mit Cover viel schmaler, verstaut sich also besser im Rucksack auf Reisen. Wie alle Surface-Geräte krümmt sich auch mein Surface Pro. Da aber die gerade Kante der Tastatur-Base fehlt, die dir das unter die Nase reibt, fällt es nur auf, wenn man von der Seite fluchtend guckt. Das ist okay für mich so. Das Beste an allen Surface-Geräten ist der Bildschirm: hochauflösend, 3:2, Touchscreen.

Kürzlich habe ich eine Python-Umgebung aufgesetzt und in einem Hotel künstliche neuronale Netze trainiert. Ich lasse Youtube-Interviews im Hintergrund laufen, die ich über die guten, nach vorne orientierten Lautsprecher höre. Nachdem Atom mir einmal einen Tag Arbeit vernichtete, verwende ich seitdem Visual Studio Code als Editor, mit dem ich sehr zufrieden bin, vor allem wegen seines intelligenten Aufbaus und seinem Handling mehrerer gleichzeitig offener Texte. Kurz: Ich erfreue mich an all den Dingen, die unter Android zäh sind, wie eine Rechtschreibprüfung, die dir bei Tastaturtempo nicht den Akku leerzuzzelt. Apropos Akku: hält auch lange. Wenn ich unterwegs nur ein paar Geschichten runtertippe und vielleicht abends mal Mails hole, lade ich das Ding in drei Tagen manchmal überhaupt nicht auf.

Zum Preis: ich habe 1250 Euro oder so mit Maus und Type Cover bezahlt. Der Stift kostete 109 Euro. Für dieses Geld kriegst du in Taiwan-Plastik sicherlich einen i7 mit gescheiter GPU. Dann verzichtest du aber auf einen guten, hochauflösenden Bildschirm. Man komme mir bitte nicht mit „Full HD“ also 1920 x 1080 Pixeln. Da sind mir die Pixel zu groß aus dieser Entfernung. Du verzichtest auf ein Metallgehäuse (bei Surface aus Magnesium). Du kannst Glück haben mit der Tastatur. Du verzichtest aber generell auf „schön“. Wenn ich den ganzen Tag vor einer Maschine sitze, dann soll sie mich erfreuen. Das tut ein Thinkpad nicht, das ansonsten alles könnte, was der Laptopper braucht.

Kommentare:

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  • Volker meinte am 8. November 2018 um 11:02:

    Kaum zu fassen. Das sind Probleme, die ich naiverweise in die Gründerzeit der tragbaren Computer verortete. Wie man sich doch täuschen kann. Deine Geduld verdient Respekt. Einer Firma, die unter Objektiven Maßstäben zu 50% Ausschuß produziert, würde ich jedenfalls nicht die Stange halten und wären sie auch die Einäugigen unter den Blinden.

    Wo wir gerade über 1250€+109€ für eine Banane (Hihi, Bonmot: „Was ist krumm und reift beim Kunden?“ – „Das Surface Pro und sein Display!“) reden: Thinkpad T480s oder X380 Yoga keine Option? Wieviel vergeudete Lebenszeit ist die Preisdifferenz wert?

    • Clemens Gleich meinte am 8. November 2018 um 11:49:

      Nein, beides keine Optionen. Ich hab mir alles angeschaut, was es damals am Markt gab. Was schick und schön ist, ist trotz des Preises überall von geringer Zuverlässigkeit, vielleicht den geringeren Stückzahlen geschuldet, keine Ahnung. Selbst das Macbook hatte ausgerechnet Probleme mit der Tastatur, die 3 bis 6 Monate hielt bis zum Versagen, und das geht z. B. gar nicht. Dann hält die bei mir sechs Wochen. Wie viel einem was wert ist, muss halt jeder selber entscheiden. An einem Thinkpad ist nix falsch. Aber ich kenne halt auch Leute, die kaufen sich schönes Werkzeug, sei es nun in der Garage oder im Büro.

  • Volker meinte am 8. November 2018 um 12:53:

    Naja, wenn (Dir) Ästhethik vor Funktionalität geht, dann würde ich die ganze Diskussion als reichlich müßig und Lamento auf recht hohem Niveau bezeichnen. War mir nicht bewußt, daß Du leidensfähiger Schönschreiber bist.

    Ich ließ beispielsweise Stahlwille achselzuckend hinter mir, weil mir eine edle 1/4″-Knarre in der Garage nix bringt, die bei moderatem Hobbyeinsatz nach kurzer Zeit für den Preis von einem 28-teiligen Wera 8100 SA 8 KnarrenSATZ (https://www.amazon.de/dp/B00IMF1CCU) instandgesetzt werden muß, weil die Sperrklinken ausgenudelt sind und durchrutschen. Denn sooo unpackbar Scheiße ist Wera ja nun auch nicht.

    An keinem der diversen Thinkpads (OK, das waren noch echte IBMs aus der Pre-Lenovo-Zeit) in meinem Umfeld war jedenfalls die Tastatur das Problem. Peinlich genug, daß ausgerechnet sowas defekt geht. Dann kann ich mir ja gleich ein Wischtablett kaufen, wenn die Tasten-MTBF 3-6 Monate beträgt.

    • Clemens Gleich meinte am 8. November 2018 um 14:28:

      Ästhetik steht nicht vor Funktion, ist mir aber eben auch nicht egal. Dazu kommt, dass viele Dinge, die ich funktional wirklich haben will, eher selten sind. Wenn du einen hochauflösenden (siehe Text), guten Bildschirm willst, fallen schon fast 100 Prozent der Laptops raus. Wenn dann noch Metallgehäuse oder gar Stift dazukommen, gibt es praktisch keine Auswahl mehr. Das hat ja auch Tesla so geholfen: Wer eine elektrische Luxuslimousine will, kann sie bis heute NUR dort kaufen. Woanders gibt es das nicht, Geld egal. Den Besitzern gefallen die hingeworfenen Spaltmaße ja auch ned. Aber es gibt halt nix Anderes.

  • Volker meinte am 8. November 2018 um 20:25:

    OK, beim hochauflösenden Bildschirm gehe ich mit. Keine Ahnung, wie Lenovo mit seinem Krams da aufgestellt ist, vermutlich kann ich aber den Unterschied mit meinen schon leicht altersweitsichtigen Glubschern eh nicht wahrnehmen.

    Metallgehäuse werden deutlich überbewertet, sind oft nur Designmerkmal und funktionell irrelevant bis kontraproduktiv. Da (d. h. in den Wandstärken) kann GFK oft sogar mehr reißen.

    Das erwähnte X380 Yoga hat m. E. n. sogar einen Tatsch- und Wischbildschirm, das ist freilich nicht dasselbe wie ein präziser Stift, schon klar.

    Zum Tesla – ich will es jetzt mal so ausdrücken:

    Mit einiger Sicherheit bin ich der mit Abstand talentierteste und intelligenteste KTM-/Suzuki-Hardenduro-Endvierziger von München-Trudering, der im IT-Umfeld arbeitet und weiß, wo am Lötkolben die heiße Stelle ist (Banksy checkt das wohl eher nicht, der fährt aber mutmaßlich auch keine RMZ450).

    Vielleicht kann man ja auch auf die elektrische Luxuslimousine verzichten. Und vielleicht bin ich doch nicht der schlaueste Mensch auf diesem Planeten.

    • Clemens Gleich meinte am 9. November 2018 um 9:02:

      Natürlich könnte ich auf das Surface verzichten. Aber warum sollte ich?

  • Tobias meinte am 9. November 2018 um 10:24:

    Moin,
    lasse den ganzen Hipster-Kram einfach liegen und kaufe Dir bei Fuji einen Labtop der Leicht-und-Cross Serie. Die Dinger wiegen auch nur ein kg und sind qualitative absolut makellos. Nach Lenovo Erfahrung (zwei Mainboards, drei Tastaturen, drei WWAN Modems und nicht einen Tag wirklich in Ordnung) sind die eine Wohltat. Wenn man dann mal eingesehen hat dass Tabletts nix zum Arbeiten sind ist ein 13′ Laptop nah am mobilen Optimum.
    Grüße
    Tobias

  • Volker meinte am 9. November 2018 um 11:46:

    @Clemens (“Natürlich könnte ich auf das Surface verzichten. Aber warum sollte ich?“): Ich dachte, das hättest Du oben selbst geschrieben.

    – Krumme Gehäuse
    – Zuverlässigkeit läßt zu wünschen übrig
    – Bei jedem Umtausch neue Fehler
    – Nerviges, temperaturabhängiges Bildschirmflackern
    – Kaputte Bildschirmstelle(n)
    – Stift verliert die Kopplung
    – Komplette Freezes

    Aber vermutlich sind das Marginalien im Vergleich zu den Pluspunkten. Dein Artikel liest sich diesbezüglich halt etwas mißverständlich. Mea culpa.

    • Clemens Gleich meinte am 12. November 2018 um 10:54:

      Ich konnte ja alle Punkte der Liste für mich lösen. Müssen wir außerdem wirklich darüber sprechen, wie unterschiedliche Leute Dinge gewichten? Ich mein: Du reparierst Deinen alten Audi immer selbst und fluchst dabei wie ein Droschkenkutscher. Andere leasen sich was und stellen das zur Vertragswerkstatt und es ist ihnen egal, wie viele Zylinder das hat, solange das Radioplastik Premium ist. Da gibts doch kein kategorisch richtig oder falsch, das kommt doch alles auf die persönlichen Gewichtungen an.

  • Volker meinte am 16. November 2018 um 13:29:

    Nein, müssen müssen wir natürlich nicht.

    Deine Kritik hörte sich für mich halt eher an wie „ist seit Ewigkeiten ein unpackbarer Scheiß, ich kaufs aber doch“ und das regte in mir Widerspruch. Ich repariere meinen alten Audi, weil mich erwartungsgemäß Neufahrzeuge (=neue Gebrauchte) mehr kosten und weit stärker nerven würden.

    Und ich wäre nun wirklich der Allerletzte, der irgendwie auf kategorisch richtig oder falsch argumentieren würde. Wegen mir dürfen meine Mitmenschen alles, solange sie mir damit nicht zusehr auf den Zeiger gehen und für sich Dinge beanspruchen, die sie mir nicht zubilligen. Das ist aber nur ein Minimum an Fairneß, oder?

    • Clemens Gleich meinte am 16. November 2018 um 14:21:

      Wenn ich es zusammenfassen müsste: „Es ist genau das, was ich suche, und es gibt eine realistische Chance, das in funktionierend zu bekommen.“ So wars ja dann am Ende, wenn auch mit mehr Aufwand, als ich mir wünschen würde.

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