Spra­che wan­delt sich mit dem Gebrauch. Des­halb hier eine kleine Enzy­klo­pä­die viel­fach falsch ver­wen­de­ter Begriffe zur erleuch­ten­den Erkennt­nis, wor­über die­ses gedruckte Papier oder die­ses Inter­net da immer reden.

Das, was da steht, ist: die letzt­gül­tige Wahr­heit. Andere Mei­nun­gen sind: falsch. Man kann sie trotz­dem per Kom­men­tar loswerden.

ABS

Die­ses Akro­nym steht tra­di­tio­nell für “Anti-lock Braking System” oder auch deutsch “Anti­blo­ckier­sys­tem”. Bei Zwei­rä­dern hat der Begriff jedoch eine aggres­sive Neu­be­le­gung als eine Art Gott­heit erfah­ren, womit er wie alle reli­giö­sen Begriffe für jede sinn­volle Dis­kus­sion ver­lo­ren ist. Es bleibt, zur Kri­tik auf eine höhere Ebene aus­zu­wei­chen und bei einem schlech­ten ABS zu sagen: “Die Brems­an­lage ist schlecht.” oder gleich: “Die Welt ist schlecht.”

Dönitz (ugs.)

Dönitz war ein Offi­zier des Drit­ten Reichs, des­sen phä­no­me­nale bei Freund wie Feind bekannte Blöd­heit sei­nen Namen bis heute syn­onym zu “Dumpf­bad­del” gemacht haben. Die stu­pende Beschränkt­heit die­ses Proto–Stoi­bers fin­det sich zum Bei­spiel im abwer­ten­den “sich zum Dönitz machen” oder schlicht in der Belei­di­gung “du Dönitz”. Erst zu Beginn des 21sten Jahr­hun­derts konn­ten die Ame­ri­ka­ner Dönitz lang­sam aus dem Wort­schatz ver­drän­gen, aber das schaff­ten sie nur, indem sie schum­melnd einen Pri­ma­ten zum Prä­si­den­ten ernann­ten. Der deut­sche Gegen­papst Cle­mens XV ver­langt in sei­ner Unfehl­bar­keit, Dumme den­noch tra­di­ti­ons­ge­recht wei­ter­hin “Dönitz” zu nennen.

Früher

Die Zeit, in der alles bes­ser schien, weil man sel­ber bes­ser war.

Journalist

Bezeich­net eine Per­son mit über­höh­tem Mit­tei­lungs­be­dürf­nis, die es schafft, aus ihrer Koprola­lie (klei­nes) Kapi­tal zu schla­gen (siehe auch: mich). Jour­na­lis­ten grei­nen gerade durch die Medien, weil ihnen miss­fällt, dass zu Zei­ten des ein­fa­chen Inter­net jeder sei­nen Stuss in die Welt schreien kann statt wie frü­her nur sie.

Journalistengefühl, vages

Das “vage Jour­na­lis­ten­ge­fühl”, auch als “Instinkt” oder “Erfah­rung” bezeich­net, ist eine Super­kraft, die Jour­na­lis­ten als Kol­la­te­ra­lent­schä­di­gung befällt, wenn ein radio­ak­ti­ver Ver­le­ger sie beißt (eine sehr ver­brei­tete Arbeits­platz­ver­let­zung in Redak­tio­nen). Es erlaubt ihnen, befreit von Fak­ten alle für die jewei­lige Geschichte benö­tig­ten Daten ein­fach pas­send aus der Pups­düse zu zie­hen. Manch­mal stim­men sogar welche.

merkeln

Einen Sach­ver­halt vor­tra­gen, den man nicht begreift, in einer Spra­che, die man nicht beherrscht. Benannt nach Bun­des­petze Angela Mer­kel, die mit Mer­keln erfolg­reich ihren Lebens­un­ter­halt im Bereich Comedy bestreitet.

Motorbox

auch: ECU (Engine Con­trol Unit) oder all­ge­mei­ner “Steu­er­ge­rät“. Ein klei­ner Com­pu­ter, der Rege­lauf­ga­ben über­nimmt, die frü­her von ela­bo­ra­ten mecha­ni­schen Sys­te­men erle­digt wur­den, die alle fünf Meter repa­riert wer­den muss­ten, was wie­derum als “repa­riert wer­den konn­ten, am Stra­ßen­rand” in den Mys­ti­zis­mus­ka­non des Moto­rens ein­ging. Die Alt­vor­de­ren (von denen einige ja noch leben) has­sen die Motor­box, weil sie die ers­tens nicht ver­ste­hen und zwei­tens mit Elek­tro­nik keine Chance mehr haben, wegen eines defek­ten Unter­bre­chers stun­den­lan­ges Schauschrau­bing auf dem Stand­strei­fen vor­zu­füh­ren. Siehe auch: frü­her

politische Korrektheit

= kom­mu­ni­ka­to­ri­sche Feig­heit. Weiterlesen …

Qualitätsjournalismus

Unter die­sem Begriff ver­sam­melt sich kom­pri­miert der Pro­blem­kreis: “Ich bin Jour­na­list und will mehr Geld haben.” Weiterlesen …

Rennsportgene, die

Aus­schließ­lich im Plu­ral anzu­tref­fen­der Kunst­be­griff aus dem Mar­ke­ting, das damit eine vir­tu­elle (also meis­tens non­e­xis­tente) Ver­bin­dung der Motor­sport­ak­ti­vi­tä­ten einer Firma mit deren Seri­en­ma­schi­nen her­stel­len will. Jour­na­lis­ten grei­fen die “Renn­sport­gene” gerne auf, wenn sie zu wenig Lust oder zu wenig Ahnung haben, die tat­säch­li­chen Tech­no­lo­gie­trans­fers von der Renn­stre­cke auf die Straße zu erklären.

Standardwortschatz, publizistischer

Jede publi­zis­ti­sche The­men­rich­tung hat ihren eige­nen Stan­dard­wort­schatz, der aus inhalts­lo­sen Hül­sen zum Texte län­gen besteht. Fälsch­li­cher­weise über­neh­men Foren­dis­ku­tan­ten gele­gent­lich die­sen Wort­schatz, weil sie ihn für ihre Sze­ne­spra­che hal­ten. Da der Stan­dard­wort­schatz jedoch per defi­ni­tio­nem keine Infor­ma­tio­nen trägt, ent­hält er nur die künst­li­chen Aroma– und Bal­last­stoffe der Spra­che, die das Hirn unver­än­dert wie­der aus­schei­den sollte. Weiterlesen …

virtuell (franz.)

Phy­sisch non­e­xis­tent, aber der Mög­lich­keit nach vor­han­den. “Vir­tu­ell” beschreibt somit prak­tisch alles, was einem die Leute den Tag über so ans Ohr labern sowie natür­lich den gesam­ten publi­zis­ti­schen Stan­dard­wort­schatz. Das Wort beschreibt über­haupt das Leben an und für sich sehr gut.