Moto Guzzi: Selling Dreams to Remember…

Clemens Gleich - 30.05.2011

Ich mag Har­ley in Deutsch­land. Also nicht die Maschi­nen, mit denen kann ich nix anfan­gen, son­dern ich mag die GmbH. Ich mag es außer­dem, wie Harley-Davidson, ähnlich wie Apple, Emo­tio­nen ver­kauft, an denen nur aus phy­si­ka­li­schen Geset­zen her­aus noch Pro­dukte hän­gen. Und ich wünschte, Moto Guzzi würde end­lich den­sel­ben Weg ein­schla­gen. Denn sie fei­ern die­ses Jahr ihr 90-jähriges Beste­hen. Ein Jubi­läum — viel­leicht ihr letztes.

90 Jahre Moto Guzzi

Motorradfahren: das abscheuliche Hobby

Clemens Gleich in Kategorie(n) , - 24.05.2011

Heute hat Kol­lege Maik Schwarz einen Link geschickt, der mich ent­setzt hat. Den setze ich hier mal ans Ende. Er führt zu einer Bild­stre­cke bei Motor­rad Online zum „Biker­tag“ in Malms­heim. Schon das erste Foto macht ein­deu­tig klar, worum es geht: Eine Rotte von warn­wes­ten­be­kut­te­ten Schlei­chern fährt der Poli­zei hin­ter­her. Nein, nicht vor ihr weg, son­dern ihr hin­ter­her. Ohne Auf­for­de­rung, son­dern zum Spaß: „Es hat wahn­sin­nig Spaß gemacht“, gibt eine lobo­to­mierte Teil­neh­me­rin einer ebenso hoh­len Tages­zei­tung zu Pro­to­koll — wahn­sin­nig Spaß, in einer lan­gen Schlange unter der Rei­se­lei­tung von Beam­ten im (siche­ren!) Kriech­gang Holz­kreuze abzu­fah­ren, an denen arme Hunde gestor­ben sind, die sich jetzt nicht mehr gegen diese Schän­dung ihres Anden­kens weh­ren kön­nen. Denn was hier wirk­lich mit offen­kun­di­gem, per­ver­sen Gusto zu Grabe getra­gen wird, ist die Lebens­lust, der Spaß am ulkig sinn­freien Moto­rik­hobby Motor­rad­fah­ren. Für jeden von außer­halb Inter­es­sier­ten muss das bei sol­cher PR aus­se­hen wie das abscheu­lichste Hobby der Welt.

Es hat schon immer die gemüt­li­che Frak­tion gege­ben, die Jungs, die es lie­ben, wenn ihre Har­ley Sports­ter oder Tri­umph Bon­ne­ville unter ihnen in einem lang­sa­men Puls blub­bert, wäh­rend die Land­schaft und die LKW an ihnen vor­bei­zie­hen. Sie waren sel­ten zu irgend­je­mand außer den LKW-Fahrern unso­zial. Mitt­ler­weile gibt es jedoch einen beängs­ti­gend groß­flä­chi­gen, aggres­si­ven Fana­tis­mus, mit dem eine Sicher­heits­re­li­gion aus­ge­lebt wird, deren Ursprünge ob der intrin­si­schen Gefahr des Krad­fah­rens mir voll­kom­men schlei­er­haft sind. Wenn ich maxi­male Sicher­heit will, na, dann fahre ich halt nicht Motor­rad. Maik hat für die fiese Zei­ge­fin­ger­frak­tion eben am Tele­fon den per­fekt pas­sen­den Begriff „Neon-Nazis“ geprägt. Er hat außer­dem vor­ge­schla­gen, „Biker“ in die Liste der off­zi­el­len Belei­di­gun­gen auf­zu­neh­men, auf der sel­ben Klas­si­fi­zie­rungs­stufe wie „Jour­na­list“. Das ver­su­che ich schon seit Jah­ren, die erfri­schend nor­ma­len Motor­rad­fah­rer müs­sen da aller­dings bei uns ste­hen und „Biker“ ebenso ver­wen­den, denn sie sind die letz­ten, die zu belei­di­gen sind. Sie sind viel­mehr der Grund für Fast­bike, für MO und für mich. Wir sind der Gegen­ent­wurf. Toby und ich haben jetzt in Irland in Joey’s Bar eine Pint auf unse­ren Freund Joey Dun­lop ein­ge­nom­men und sind dann unter jau­len­dem Voll­gas über die Sprung­hü­gel um Antrim geflo­gen, die Kof­fer der Kawa­saki Z 1000 SX flat­ternd wie zurück­ge­blie­bene, fette Stum­mel­flü­gel. Einen Toast auf euch alle, die mit­ge­fah­ren wären. Der Rest, die „Biker“ also, dürf­ten sich für diese höchst sichere, police-approved Foto­stre­cke inter­es­sie­ren. Es gibt statt Tit­ten, Stunts, Bier und Bur­nouts ABS-Demonstrationen, Sicher­heitsklei­dung, Elek­tro­sch­wuch­ti­let­ten sowie die schöns­ten Nuan­cen von Warn­west­en­gelb und Polizeigrünblau:

Bil­der vom „Biker­tag“ in Malmsheim

Man beachte hierzu auch Maiks schreck­li­che, weil wahre Kolumne im aktu­el­len MO.

Honda CBR: Es regnet und die Erde bebt.

Clemens Gleich - 17.05.2011

Irgend­wann im März war wun­der­bar war­mes Wet­ter in Stutt­gart. Da bin ich zu Honda nach Sevilla geflo­gen. Dort war es arsch­kalt und es hat gereg­net. Und dann hat in Japan noch die Erde gebebt, im Hotel­fern­se­her lie­fen diese Hor­ror­vi­deos wie Sze­nen aus einem die­ser ver­stö­ren­den japa­ni­schen Trick­filme. Ich hatte mei­nen Yukata und Herrn Haus­manns Kamera dabei, aber es war keine Stim­mung mehr zum Rumal­bern, als die armen Japa­ner vor Ort da schnell zuhause anrie­fen, ob alle heile sind und trotz­dem wei­ter ihren Job mach­ten. Spä­ter irgend­wann dachte ich mir, es bringt doch Honda jetzt auch nix, wenn man sie ein­fach tot­schweigt, im Gegen­teil hat­ten sie sich rich­tig Mühe gege­ben, haben so einen alten Zau­sel mit Bart und Kamera mit Sei­len in einen Honda-Jazz-Kofferraum gebun­den, der da fil­men musste, haben einen ande­ren Zau­sel ohne Bart, aber mit gol­de­ner Rüs­tung zum Foto­gra­fie­ren abge­stellt. Also habe ich jetzt doch mein Bokuto gegrif­fen und in den süßen Kür­bis gehauen:

Phi­lo­so­phi­scher Video-Test der Honda CBR 600 F (2011)

Wenn der Vater mit dem Boxer…

Clemens Gleich in Kategorie(n) , - 10.05.2011

Die letzte Woche bestand nur aus Dead­lines, und der Fach­be­griff „Dead­lines“ bedeu­tet, für Nicht­schrei­ber erklärt: „Mach das bis mor­gen. Oh, und das bidde auch.“ Diese Woche ist im direk­ten Kon­trast sowas wie Ferien, also war ich heute im Schwarz­wald. Zwei Anlässe dazu: Ers­tens hat Toby ange­ru­fen, ob ich Motor­rad fah­ren will. Zwei­tens konnte ich dann meine Bil­dungs­lü­cke BMW R 1200 R schlie­ßen. Wir sind also wie der 600er-Sohn mit dem 1200er-Vadder im Genack durchs Gehölz gecru­ist. Mein Fazit dazu: Der Sitz ist gut. Der Rest ist irgend­wie ent­täu­schend. Ich dachte ja, die Buckel­pis­ten des Schwarz­walds, kon­kret die Rote Lache, das ist die Para­de­dis­zi­plin die­ses Teils. Ich habe erfah­ren: Ist es nicht. Die R schwän­zelt durch die Gegend, als wär ich Haga auf dem run­den­re­kord­schnells­ten Weg in die nächste Not­auf­nahme, obwohl ich als Mäd­chen sehr tou­ris­tisch da durch­tu­ckere. Beim Anbrem­sen und Run­ter­schal­ten schwän­zelt die töd­li­che Kombo aus mas­si­vem Motor­brems­mo­ment plus Kur­bel­wel­len­kipp­mo­ment, dass es ein Graus ist. Beim Raus­be­schleu­ni­gen schwän­zelt es, weil die träge Rad­füh­rung durch die Schlag­lö­cher tram­pelt wie ein blatt­ge­fe­der­ter pol­ni­scher Last­wa­gen voll Tequila (und ich meine hier den Fah­rer). Selbst das lang­same, auf­rechte Über­fah­ren eines abge­senk­ten Bord­steins kracht der­art in der armen Telele­ver­ga­bel, dass man als Umstei­ger von einem nor­ma­len Motor­rad um Luft­druck und Fel­gen fürchtet.

Maik hat dazu den Tip gege­ben, mög­lichst nie zu schal­ten oder gar zu brem­sen. Mm. Oder steile Dreh­zahl­am­pli­tu­den mei­den. Man könnte dann eigent­lich gleich Harlay-Schwungmassen ein­bauen. Toby sagt „…aber lang­sam ist man mit der auch nicht.“ Das stimmt. Man kann die Kuh da durch­prü­geln, ihr stän­di­ges Gekra­che im Gebälk igno­rie­ren, im Wis­sen, dass BMWs Fahr­werk das schon irgend­wie macht. Macht es ja. Nur irgend­wie macht es kei­nen Spaß. Im direk­ten Ver­gleich hat­ten wir die Suzuki GSX-R 600 2011 dabei, die trotz hal­ben Hub­raums alles bes­ser macht. Sitz­po­si­tion. Feder­kom­fort. Stra­ßen­lage. Kur­ven­aus­gangs­be­schleu­ni­gung. Sie hat ein kna­ckig hör­ba­res Ver­bren­nungs­ge­räusch, wo die BMW nur das Flüs­tern ihrer Ven­tile aus­presst. Maik ver­weist dazu auf die hohe Klasse der Super­sport­fahr­werke. Ich ver­weise dazu auf Tri­umph Speed Triple oder Kawa­saki Z 1000. Die wer­den doch in den ewi­gen Ver­gleichs­tests immer gegen die BMW gestellt, damit sie ver­lie­ren. Ver­gleichs­tests haben mir ein völ­lig fal­sches Bild der 1200 R ver­mit­telt. Ich bin ent­täuscht. Viel­leicht sollte ich fai­rer­weise ent­täuscht von Ver­gleichs­tests sein — oder einen Gegen­ent­wurf schaf­fen: „Im Ver­gleichs­test mit der GSX-R 600 ver­liert die R 1200 R an der Roten Lache nach Punkten.“

Mojo-Medienpartner

Clemens Gleich in Kategorie(n) - 02.05.2011

Die Fast­bike beglei­tet den Bub (1996er Bau­jahr) Jesko Raf­fin durch seine Sai­son im R6 Cup. Sie könnte theo­re­tisch auch jeden ande­ren beglei­ten. Prak­tisch könnte es nie­mand anders sein. Jesko und seine Jungs — in der Haupt­sa­che sein Tech­ni­ker Michael Fer­ger und sein Herr Papa — machen ein­fach sym­pa­thi­sche PR nicht nur für sich, son­dern für den Renn­sport über­haupt. Und ganz ehr­lich: Wenn das zwei Män­ner und ein 14-Jähriger schaf­fen, dann gibt es für grö­ßere Teams keine Aus­re­den fürs schlech­ter sein (denn das sind erschre­ckend viele). Weil Ralfs Fast­bike ihn beglei­tet, hatte Jesko das Fastbike-Logo auf der Maschine. Weil die Motorpresse-Zeitschrift „PS“ Medi­en­part­ner des R6 Cup ist, musste die­ses Logo vor dem Start run­ter. Zu viel Kon­kur­renz. Das Mojomag-Logo dage­gen bleibt auf der schwarz­wei­ßen R6. Wenn auch das von den spit­zen Fin­ger­nä­geln einer eigens dazu abkom­man­dier­ten Motorpresse-Sekreteuse abge­zo­gen wird, habe ich es geschafft, dann bin ich ein direk­ter Kon­kur­rent des Multimilliarden-(Złoty)-Medi­en­ob­jekts „PS“. Des­halb hier ein biss­chen über Jes­kos rasen­des Wochende (Autor weiß ich auch nicht):

Renn­be­richt Super­stock 600 Schleiz