Clemens von der Kradstaffel

Clemens Gleich - 19.02.2011

Als neuer, selbst­er­nann­ter Bot­schaf­ter der Pozi­lei Stutt­gart und Inter­na­tio­nal habe ich es mir nicht neh­men las­sen, die neue BMW K 1600 GT und GTL auf ihre Eig­nung als neue Provida-Plattform abzu­klop­fen. Das hat ganz gut geklappt. All­täg­li­cher Test, die Jungs vom Revier wer­den stolz auf mich sein. Rou­tine. Weni­ger vor­be­rei­tet war ich auf die Test­um­ge­bung: Süd­afrika. Die­ses Land ist so inten­siv, dass es sofort unter die Haut geht. Es riecht nach war­mem Staub, es riecht so wie „Afrika“ mit allen sei­nen Kon­no­ta­tio­nen klingt. Es leben dort lau­ter freund­li­che und sehr stolze Men­schen, jetzt mal egal, ob das Zulu oder Buren sind, und sie leben dort vie­ler­orts in inter­es­san­ten Zei­ten im alt­chi­ne­si­schen Sinne. Zuerst wollte ich mir als Anden­ken an das Land am Flug­ha­fen ein paar Dia­man­ten kau­fen, weil die dort rum­lie­gen wie Hus­ten­bon­bons, bin dann aber doch an Alec Rus­sels Buch „After Man­dela“ über das Land hän­gen­ge­blie­ben. Ich möchte eine aus­drück­li­che War­nung vor die­sem Buch aus­spre­chen. Es ist rei­nes Poli­tik­jour­na­lis­mus­ge­seier, wie man es schlim­mer nicht im Feuille­ton fin­det. Die haar­sträu­ben­den, kras­sen, hoch­in­ter­es­san­ten Geschich­ten außer­halb der Poli­tik, die Geschich­ten, die wirk­li­che Men­schen betref­fen, feh­len prak­tisch kom­plett, weil sich der Typ ein­fach neben der Par­tei ein­quar­tiert hat, damit er kür­zere Kriech­wege in deren Arsch hat. Was mich zurück­bringt zu mei­nem eige­nen Arschkriechprojekt:

Ich teste für meine Freunde und Hel­fer die K 1600 als poten­zi­elle Provida

Kleinvieh macht Mist: der CR-Z twittert

Clemens Gleich - 11.02.2011

Das kleinste Vieh macht immer am meis­ten Mist, wie jeder weiß, der schon­mal den News-Teil eines Maga­zins bestü­cken musste. Der fol­gende Arti­kel war vor mei­nem Urlaub im Novem­ber 2010 für Heise Autos gedacht. Der Redak­teur dort hatte noch Fra­gen, wollte mich aber nicht mehr stö­ren, also fiel es unter den Tisch. Von dort habe ich es heute auf­ge­ho­ben und ein eher uner­war­te­tes Gespräch mit dem Her­stel­ler der Sen­so­ren­lö­sung geführt. Aber jetzt hat sie es doch end­lich geschafft, meine kleine Erklärung:

wie ein Auto twit­tern kann

Interessante Zeiten

Clemens Gleich - 09.02.2011

Eine alte chi­ne­si­sche Ver­wün­schung lau­tet: „Mögest du in inter­es­san­ten Zei­ten leben.“ Wir leben in inter­es­san­ten Zei­ten, glück­li­cher­weise jedoch nicht ganz so inter­es­sant wie die im alten China, als man Glück hatte, wenn einem die Rübe abge­schnit­ten wurde, weil man sonst auf sehr inter­es­sante Weise lange am Leben erhal­ten wurde. Nein, heute ist es gerade so inter­es­sant, dass es span­nend ist. Man kann zum Bei­spiel eine Fabrik auf sei­nem Schreib­tisch bauen:

3D-Drucker-Kits für klei­nes Geld

Gegenkultur jetzt: Die Achse der Guten

Clemens Gleich in Kategorie(n) , , - 07.02.2011

Die­ser Tage bin ich mal wie­der ein Jahr älter gewor­den. Das ist kein Grund zum Fei­ern, das schafft jeder, sogar Kurt Beck ist lei­der wie­der ein Jahr älter gewor­den. Es ist aller­dings ein guter Mei­len­stein, um zu reflek­tie­ren, weil man ja an Syl­ves­ter meis­tens zu alko­hol­ge­schä­digt, zu fami­li­en­ge­schä­digt ist. 2010 war für mich ein gutes Jahr, ein Grund, mich selbst schick zum Essen ein­zu­la­den. Das Motto „arbeite nicht mit Idio­ten zusam­men“ bleibt auch 2011 die wich­tigste Maxime für pro­fes­sio­nel­les Arbei­ten. Nach der ers­ten Fla­sche Wein, beim Grappa, bei einer Neu­in­ter­pre­ta­tion des klas­si­schen Bour­bon High­ball, die ich test­fah­ren durfte, bei bezau­bern­der Beglei­tung fiel mir außer­dem ein, dass kaum jemand meine eigent­li­chen Ziele kennt (bis auf das mit den rus­si­schen Atom­ab­schuss­ram­pen, das kennt ja jeder): Mein Ziel für die nächste Zeit ist es, die gewich­tigste öffent­li­che Gegen­stimme zu den gan­zen poli­tisch kor­rek­ten Mies­ma­chern nicht nur der Motor­kul­tur zu werden.

Ich weiß, dass ich kein Main­stream bin, und dass ich, obwohl ich es gern wäre, nicht wirk­lich in der Lage oder schlicht wil­lens bin, mich der­ge­stalt zu fil­tern, dass ich dort schwim­men könnte. Nein, soll der poli­tisch kor­rekte Main­stream wei­ter über CO2 reden, als wäre das wich­tig. Soll er sich über immer noch mehr Gesetze freuen, als wür­den die irgend­was bes­ser machen. Soll er sich in weich­ge­wa­sche­nen, schö­nen Wor­ten über Dinge äußern, über die jeder weiß, dass sie in Wahr­heit scheiße sind. Ich möchte zei­gen, dass es immer eine Alter­na­tive gibt, dass die Welt wild und schön und vol­ler Aben­teuer bleibt — für alle, die das so wol­len. Und ich mache das nicht allein.

An mei­nem Geburts­tag habe ich meine alte Mille ver­kauft. An Mr. Con­stan­tine, weil der sie wie­der fah­ren wird. Mr. Con­stan­tine hat mir den Reit­wa­gen mit­ge­bracht, den mit Herrn Berz­erks klu­gen Äuße­run­gen zum Thema ABS wegen EU. Das sind gute Jungs dort. Am sel­ben Abend habe ich in alten MO-Heften geblät­tert, habe eines davon aus­glei­chend nach Ösis­tan ver­schenkt (Salz­burg). Darin waren Aben­teuer, bei denen ziem­lich viel gebrannt hat: Sprit, Autos, LKW, Her­zen… Außer­dem: Diese Szene, die der­zeit pro­mi­nent im Heft statt­fin­det, gibt es ent­ge­gen der Unken­rufe wirk­lich. Ich kenne sie sogar: Nor­male Jungs, die sich güns­tige Maschi­nen gebraucht kau­fen und sie für sich krea­tiv in Form bie­gen. Nor­male Jungs und gute Jungs. Das alte Geraf­fel ab den Acht­zi­gern war ein­fach gut genug, um Spaß zu haben, und ein Trend, der bil­lig Motor­rad fah­ren fei­ert, ist mir mehr als recht.

Und die Jugend, immer die Jugend! Es kom­men einige Ände­run­gen des EU-Führerscheinrechts, zum Bei­spiel fällt die bescheu­erte 80-km/h-Grenze für 125er weg. Davon erhof­fen sich die Her­stel­ler einige neue Kun­den von unten. Siehe hierzu auch das sehr auf­schluss­rei­che Inter­view von Hon­das Roland Ber­ger gegen­über dem Reit­wa­gen. Die stän­dige Ver­wen­dung von „die Jugend“ macht aller­dings auch klar, was die nächste Gene­ra­tion für uns ist: ein amor­pher Hau­fen Auf­müp­fi­ger, die alles falsch machen, weil alles falsch ist, was anders ist als das, was wir damals alles falsch gemacht haben. Nein, „die Jugend“ gibt es nicht. Es gibt jedoch zum Bei­spiel Toby, der mir bei der KTM 125 Duke hilft. Und es gibt Jesko Raf­fin, der mit Bau­jahr 1996 schon jetzt gera­dezu obs­zön gut Motor­rad fährt. Das sind auch gute Jungs, da in die­ser „Jugend“. Die Fast­bike wird Jesko in der kom­men­den Sai­son im R6-Cup beglei­ten, den er unter den bes­ten Drei been­den will — gescheite Ziele eben. Egal, ob beim Ren­nen das Getriebe seine Räder durch die Gegend spuckt oder der Bub seine Geg­ner ver­sam­melt ein­be­to­niert: Wir erzäh­len die Geschichte, wie sie passiert.

Wie gesagt: Ich bin nicht allein. Ich bin wir. Und wir sind die Guten.

Ich rufe alle Super­hel­den, alle gro­ßen Meis­ter,
alle High­lan­der, alle Krie­ger, alle guten Geis­ter,
alle Super­freaks und Aus­er­wähl­ten zu mir ins Hier.
Ich hab‘ Mil­lio­nen Legio­nen hin­ter mir.

Friedensverhandlungen mit der Polizei angelaufen

Clemens Gleich in Kategorie(n) , , - 01.02.2011

Sel­ten, aber manch­mal fra­gen mich Men­schen, warum mir die Poli­zei so zuwi­der ist und sel­ten, aber meis­tens sind die Fra­ge­stel­ler selbst betrof­fene Poli­zis­ten. Sie sind die­je­ni­gen, die genauso wie alle unter der Armada von Arsch­lö­chern lei­den, die als eigent­li­che Staats­die­ner fak­tisch zu wenig Cha­rak­ter besit­zen, um eine Uni­form zu tra­gen. Die meis­ten Deut­schen haben nie oder sel­ten mit der Poli­zei zu tun und wun­dern sich viel­leicht, warum man dar­über eine akzen­tu­ierte Emo­tion hat. Bei mir ist es so, dass ich zeit­le­bens oft mit der Poli­zei zu tun hatte. Sie sind für mich immer dann zur Stelle, wenn sie mir die quä­lende Last über­flüs­si­gen Gel­des abneh­men kön­nen, unter der ich, wie wahr­schein­lich alle die­ser Tage, so schwer zu tra­gen habe. Sie sind jedoch nie zur Stelle, wenn sie eh nur stö­ren wür­den — zum Bei­spiel die schüch­ter­nen Migra­ti­ons­hin­ter­gründ­ler, denen es schwer­fällt, sich unter poli­zei­li­cher Beob­ach­tung non­ver­bal elo­quent mit dem Baseball-Schläger zu arti­ku­lie­ren. Und wie sie mei­nen Side­kick Toby nebst klei­ner Schwes­ter zusam­men­ge­knüp­pelt haben: Respekt. Das hätte ich selbst nicht bes­ser gekonnt.

Ich ver­ar­beite man­che sol­cher Epi­so­den zu Kolum­nen, die mir kei­ner glaubt und bei denen dann die ein­gangs beschrie­be­nen Recht­schaf­fe­nen resi­gniert bei mir anklop­fen, warum ich die Poli­zei so beschieße. Meis­tens zie­hen sie dann nach zwei Sät­zen sel­ber vom Leder, wie scheiße so viele ihrer Kol­le­gen sind. Das liegt nach mei­nen Erfah­run­gen ein­fach daran, dass Macht den Cha­rak­ter ver­dirbt, des­halb sind die schlimms­ten Ver­kehrs­kon­trol­len auch meist die mit den jüngs­ten Kon­trol­leu­ren. Dem „Jung­bul­len“, wie er im Fach­jar­gon heißt, fehlt häu­fig die Abge­klärt­heit des alten Hasen, der alles schon gese­hen hat, vor allem sich in sei­ner Uni­form oft genug im Spie­gel. Jeden­falls besteht, wie wir sehen, the­ma­tisch ein erheb­li­ches Kon­flikt­po­ten­zial, wie es ein Innen­mi­nis­ter sagen würde.

Stern­chen­tä­to­wierte Fleisch­bei­lage auf bay­ri­schen Super­bikes: Die Poli­zei arbei­tet an einem bes­se­ren Image. (Bild: Tech-Art-Photographie)

Der letzte haar­sträu­bende Zwi­schen­fall mit der Poli­zei liegt im alten Jahr, wenn auch knapp (Syl­ves­ter). Das neue Jahr ist bis jetzt zwi­schen­fall­frei, und weil es ein gutes Jahr wird, bin ich milde gestimmt; bereit zu neuen Frie­dens­ver­hand­lun­gen. Der Beam­ten­bot­schaf­ter dies­mal heißt Ricky Lowag. Er ist, das muss man neid­frei zuge­ben, ein amt­li­cher Hei­zer. Ich glaube jedoch außer­dem, dass er das Herz am rech­ten Fleck hat, trotz­dem wir uns in aus­nahms­los allen Punk­ten, den (Un)Sinn der Gesetz­ge­bung betref­fend, dia­me­tral ent­ge­gen­ste­hen. Er betreibt im Inter­net Kom­mu­ni­ka­tion, Auf­klä­rung, Annä­he­rung und Gott weiß, wie bit­ter nötig das ist. Er macht das pri­vat, in sei­ner Frei­zeit, ohne das Geld oder den bil­li­gen­den Man­tel sei­nes Bröt­chen­ge­bers. Er macht das außer­dem in der typisch unbe­hol­fe­nen Art, wie alle Poli­zis­ten mit der Öffent­lich­keit kom­mu­ni­zie­ren. Ich bitte jedoch darum, dar­über hin­weg­zu­se­hen und zu lesen, wer er ist: auch ein Mensch näm­lich, und ein Kra­dist obendrein. Was er will, ist eigent­lich das­selbe, was diese Renn­stre­cken­be­keh­rer wol­len: Voll­gas­ra­sen auf die Renn­stre­cke brin­gen, Hand­lungs­re­ser­ven auf die Land­straße, und die Poli­zei wie­der zu etwas mit Anse­hen ver­gleich­ba­rem. Da ist jetzt in der Inten­tion nix Schlim­mes dran, obwohl es für das Fea­tu­ren von Motor­rad­ra­ser­sen­dun­gen auf den ÖR-Kanälen natür­lich stramme Abzüge in der B-Note geben muss.

Schlie­ßen wir also einen Waf­fen­still­stand, begin­nen wir den Hei­lungs­pro­zess! Unlängst habe ich näm­lich auch mal wie­der die Poli­zei in einer kniff­li­gen Situa­tion geru­fen und sie sind zum ers­ten Mal nicht geflüch­tet, son­dern gekom­men! Bald werde ich viel­leicht selbst Flug­blät­ter gegen Sex, Dro­gen und Neger­mu­sik ver­tei­len, wenig spä­ter gar eine Boxer-BMW fah­ren! Ich ver­spre­che hier­mit bei mei­ner Mille, dass ich den Waf­fen­still­stand mei­ner­seits nicht bre­chen werde. Bis zur Wie­der­auf­nahme der Kampf­hand­lun­gen, bis zum nächs­ten haar­sträu­ben­den Zwi­schen­fall schreibe ich keine Pole­mik gegen Poli­zis­ten mehr, son­dern bin deren unerw…nannter Bot­schaf­ter. Schauen wir also mal, was der Herr Lowag an zer­rüt­te­tem Ver­trauen zu repa­rie­ren ver­mag. Die Arsch­lochar­mada wird der­weil gebe­ten, bei­seite zu tre­ten, um ihm eine Chance zu geben.

Update: …uuund vor­bei. Der nächste haar­sträu­bende Zwi­schen­fall kam und ging, wes­we­gen ich meine Ehren­bür­ger­schaft in Pozi­lei­hau­sen wie­der abgebe. Es ist einem pro­fes­sio­nel­len Ver­hält­nis zur Poli­zei ohne­hin zuträg­lich, wenn man einen respekt­vol­len Abstand zuein­an­der ein­hält. Ein Beam­ter, der einen sank­tio­nie­ren oder auch nur beleh­ren soll, der kann nicht gleich­zei­tig ein Freund sein. Das Pro­jekt „Renn­lei­tung 110″ von Rick und Peter halte ich nach der aktu­el­len Nach­rich­ten­lage für am Ziel ange­langt: Wenn Poli­zei­kon­trol­len im Schwarz­wald den gan­zen Tag nichts zum kon­trol­lie­ren haben, Leute nur frei­wil­lig anhal­ten zum Reden (was kommt als nächs­tes? Kaf­fee und Kuchen vor­bei­brin­gen?), dann braucht es keine Ver­mitt­lungs­ar­beit. Es braucht im Gegen­teil wie­der mehr Dis­tanz, die viel­leicht auch Rick und Peter mit schaf­fen könn­ten. Spandex-Anzüge in Warn­wes­ten­far­ben und dann wie Judge Dredd die Leute anschreien: „I EM DE LOH!!“ Ich per­sön­lich laufe ja selbst bewusst mit mei­nem Raser­ju­den­stern auf der Brust herum.

Die Lage der Kraftradnation

Renn­lei­tung 110