Bier and Loathing in Stuttgart

Clemens Gleich in Kategorie(n) , , - 20.12.2011

We were some­where around Bars­tow, on the edge of the desert, when the drugs began to take hold.“ So beginnt das wahr­schein­lich beste Buch über Jour­na­lis­mus, das je geschrie­ben wurde. Ich habe es Toby als inte­gra­len Bestand­teil sei­ner Aus­bil­dung lesen las­sen und bin jedes­mal zu Trä­nen gerührt, wenn er mich unter den Tisch trinkt. Er hat ver­stan­den. Nach der ers­ten Phase mei­ner Motor­rad­schrei­be­r­aus­bil­dung bei MO vor lan­ger Zeit wollte auch ich bewei­sen, dass ich ver­stan­den hatte. Ich wollte als ein Gesel­len­stück eine Tour des Abstur­zes durch Bier­fran­ken machen, und es ist ganz erstaun­lich, wie tief man abstür­zen kann, wenn das Motor­rad nicht funk­tio­niert (BMWs Rin­g­an­ten­nen­pro­blem) und schon im Haus mit dem gemie­te­ten Appar­te­ment drei Bars ihre Flüs­sig­kei­ten anbieten.

Es wurde ein Desas­ter — aller­dings auf andere Art als geplant, was wie­der zeigt, dass Chaos nicht plan­bar ist. Ich ging vom Absturz in Fran­ken gleich wei­ter zum Absturz auf der Isle of Mann zur TT, weil Timo bei einem Absturz von einer Enduro sei­nen Arm gebro­chen hatte, sodass ich ihn trotz mei­ner fra­gi­len Ver­fas­sung ver­tre­ten musste. Danach wurde der Arti­kel intern als jugend­ge­fähr­dend ein­ge­stuft und gecan­celt, weil man zwei Bier­fla­schen sehen konnte. Das ging nicht:

Bier and Loat­hing in Fran­ken, mein Gesel­len­stück quasi. Wurde als jugend­ge­fähr­dend ein­ge­stuft und daher nie veröffentlicht.

Man beachte meine selbst­ge­mal­ten Bier-Fledermäuse („This is bat coun­try!“). Man beachte, wie exakt der Füll­stand bei­der Biere eine Linie bil­det. Man beachte den Putz­lum­pen, der den Gas­griff der BMW fixiert. Alles umsonst, genauso wie meine Pläne, dop­pel­sei­tige Anzei­gen an die Würz­bur­ger Hof­bräu GmbH, Marl­boro Deutsch­land und alle deut­schen Äther-Großhändler zu verkaufen.

Mora­lisch geläu­tert star­tete ich lange danach den zwei­ten Ver­such einer Bier­tour, dies­mal mit einer Ducati Street­figh­ter S, weil die deut­lich zuver­läs­si­ger ist als die vor­her ver­wen­dete BMW. Pein­lich ach­tete ich dar­auf, nir­gends Bier abzu­bil­den, aber es nutzte nichts, weil auch diese Geschichte nicht gedruckt wurde. Viel­leicht spielte das Glas voll Sperma, unter das ich „das ist Seife“ schrieb, eine absto­ßende Rolle, man weiß es nicht.

Ich erzähle das, weil Käpt’n Man­fred mich auf eine Foto­stre­cke bei Motor­rad Online zu deren Bier­tour auf­merk­sam gemacht hat. Dazu sollte man wis­sen, dass diese Foto­stre­cken eigent­lich fürs Heft pro­du­ziert wer­den und online nur als Res­te­ver­wer­tung lan­den, wenn der dazu­ge­hö­rige Arti­kel gecan­celt wird. Es steht nicht zu erwar­ten, dass ein Klas­sen­aus­flug der Motor­presse die­selbe Abstur­ze­le­ganz auf­wei­sen würde wie wir (wo ist zum Bei­spiel das Sperma?), doch es bleibt ein wei­te­rer Beweis, dass Bier­tou­ren in Stutt­gart intern ver­bo­ten sind. Und viel­leicht ist das auch bes­ser so:

Klas­sen­aus­flug ins Fledermausland

[Update:] Mein Theo­rie­ge­bäude, es wankt! Offen­bar war die­ser Arti­kel in der Aus­gabe 24/2011 drin. Man lasse mir ein Fak­si­mile davon zukom­men! An mei­ner schö­nen Theo­rie da oben ändere ich nichts, weil ich selbst unbe­se­hen wei­ter­hin davon aus­gehe, dass nie­mand außer mir adäquate Biertour-Absturz-SKILLZZ hat.

Looking for Leistung: Cadillac und Horex

Clemens Gleich in Kategorie(n) , , - 16.12.2011

Als Motor­rad­fah­rer wun­dert man sich ja immer wie­der, wie wenig Leis­tung Auto­her­stel­ler aus wie viel Hub­raum her­aus­ho­len kön­nen. Es ist ganz erstaun­lich. Heute hat Horex seine Leis­tungs­da­ten für sein VR6-Motorrad her­um­ge­schickt: Doch nur 161 PS (118 kW) bei 9.000 U/min aus 1,2 Litern Hub­raum statt ihrer gewoll­ten 200 PS, weil Kom­pres­so­ren beim Obi aus­ver­kauft waren. Die Motor­rad­ge­meinde gähnt.

Ges­tern hat Cadil­lac die Moto­ri­sie­rung ihres kom­men­den BMW-3er-Konkurrenten Cadil­lac ATS her­um­ge­schickt: 270 PS aus 2 Litern Hub­raum. Es ist ein Rei­hen­vier­zy­lin­der mit Twin­scroll–Tur­bo­auf­la­dung, der wie bei den Bay­ern die Hin­ter­achse antreibt. Dazu kommt ein schö­nes nutz­ba­res Leis­tungs­band mit min­des­tens 320 Nm ab 1500 U/min. Die Auto­ge­meinde ist ent­zückt. Sogar ich bin ent­zückt, stelle mir schon vor, was man alles aus der Karre raus­schmei­ßen könnte, um sie schnel­ler zu machen. Über eines bin ich jedoch regel­recht erschreckt: Cadil­lacs Vier­zy­lin­der hat mehr Liter­leis­tung als die Horex! Ein Cadil­lac! Da müsst ihr eben doch zum Horn­bach rüber und dort Kom­pres­so­ren kau­fen, Horex. Weil: Sich als neuer Motor­rad­her­stel­ler von aus­ge­rech­net Cadil­lac able­dern las­sen, das geht nicht.

Update:
Wenn etwas zu gut klingt, um wahr zu sein, dann ist es das auch. Lehr­satz 1, Buch 1 der gro­ßen Clemens-Weisheitenkompilation. Die­sen Motor hat GM natür­lich nicht grad eben von Weih­nacht­sel­fen schnit­zen las­sen. Heute nacht hat mich Peter dar­auf hin­ge­wie­sen, dass er im Gegen­teil schon in der ver­fet­te­ten Neu­auf­lage des Opel GT ver­baut wurde und im neuen Opel Astra OPC ver­baut wer­den wird. Ich nehme also nichts zurück und behaupte wei­ter­hin: Horex muss die­sen Kom­pres­sor haben.

Tur­bo­ge­la­de­ner Vier­zy­lin­der von Cadil­lac mit mehr Liter­leis­tung als die Horex. Hm… (Bild: Cadillac)

Mit Hybrid ist alles doof: Audi Q5 & BMW 7

Clemens Gleich in Kategorie(n) , - 14.12.2011

Es war ein­mal vor lan­ger Zeit, da schrieb ich etwas über Hybrid-Waffeln, das beim noch­ma­li­gen Über­flie­gen immer noch stimmt. Dafür gab es von Hybrid-Fans etwas FlaK-Feuer, und weil ich einen der Kano­niere mochte, setzte ich mich zur Revi­die­rung mei­nes Has­ses in den Honda CR-Z. Das war ein sehr lus­ti­ges Auto, das aller­dings nichts kann, was nicht auch die­selbe Lösung mit Turbo oder Kom­pres­sor gekonnt hätte, Sprit spa­ren nicht und wenig wie­gen schon gleich gar nicht. Die Erfah­run­gen aus der Zwi­schen­zeit zei­gen dar­über hin­aus gene­rell, dass die deut­schen Inge­nieure Recht hat­ten damit, keine Hybrid­au­tos bauen zu wollen.

Kon­krete, aktu­elle Bei­spiele sind der BMW Active­hy­brid 7 und der Audi Q5 Hybrid. Beide kos­ten mas­siv mehr als der ver­gleich­bare Ben­zi­ner — klar: Die Tech­nik, die Moto­ren, die Akkus kos­ten ja was. Sie spa­ren aber nix. Mein Scheiß­haus­ma­ga­zin, die „ADAC Motor­welt“ hat das wie immer sehr nüch­tern auf­ge­rech­net am Q5: Glaubt man den offi­zi­ell erschum­mel­ten Ver­brauchs­wer­ten, hätte der Käu­fer bereits nach schlan­ken 380.000 km seine Mehr­aus­gabe wie­der rein­ge­holt. In der Rea­li­tät, bei ech­ten Ver­bräu­chen liegt die­ser Wert deut­lich näher an der Mil­lion Kilo­me­ter. Selbe Chose beim 7er: Den Hybrid braucht kein Mensch. BMW baut der­zeit die welt­bes­ten Die­sel­mo­to­ren. Wer bei glei­cher Fahr­zeug­größe in der rea­len Welt Sprit spa­ren will, sollte so einen kaufen.

Die­ses ganze Gewursch­tel da auf dem Bild kos­tet nur Geld und bringt nichts. (Bild: Audi)

Jetzt könnte man sagen: „Aber dafür ret­tet mein Audi die Welt!“, wenn man sehr dumm wäre. Denn die Her­stel­lung des elek­tri­schen Antriebs­strangs, vor allem des Akku­packs, braucht der­art viel Ener­gie und Res­sour­cen, dass diese Glei­chung über die Akku-Lebenszeit nie­mals auf­ge­hen kann. Man kann nur wei­ter ins Ökofuzzi-Minus kom­men. Das ist auch nicht des­we­gen, weil die Deut­schen zu blöd wären, sowas in sinn­voll zu bauen, son­dern es gibt das Kon­zept ein­fach mit der der­zei­ti­gen Tech­nik nicht in sinn­voll, und die Dagegen-Ingenieure wuss­ten das schon damals.

Sie wur­den eben dazu gezwun­gen, gezwun­gen von der Armada die­ser Ökofuz­zis, mit denen ich zwecks Tech­nik­the­men jeden Tag zu tun habe. Diese schlim­men Men­schen sind all­er­gisch gegen Phy­sik­bü­cher und ins­ge­samt wei­test­ge­hend nutz­los für die Gesell­schaft, des­halb ver­su­chen sie sich an poli­ti­scher Arbeit, die echte Arbei­ter mit genü­gend wich­ti­ge­rer Arbeit zwingt, Quatsch für sie zu bauen. Jetzt kauft gefäl­ligst auch die­sen über­teu­ren Q5, den ihr unbe­dingt woll­tet, ihr Hippies!

Aaah… Es tut gut, wie­der zurück beim hybri­den Hass zu sein! Jetzt neu mit Begrün­dung und Test­zah­len! Übri­gens hat mich die Tage jemand gefragt, ob ich in mei­ner Funk­tion als Umwelt­herr­schafts­wol­len­der mal einen Sea-Doo mit 260 PS fah­ren möchte. Unbe­dingt! Und keine Sorge, liebe Kör­ner­ver­wer­ter: Der ret­tet immer­hin die Welt, wegen Was­ser. Ne?

Besser sitzen: Der Bilderflüsterer

Clemens Gleich in Kategorie(n) , - 12.12.2011

Auf dem Motor­rad ist der Fah­rer eines der wich­tigs­ten Fahr­werks­teile und des­halb ist es ele­men­tar, wie er sitzt. Instruk­to­ren bei Fahr­trai­nings machen aus die­sem Grund immer so ein Gewese darum, wie der Fah­rer sich setzt, legt, hängt. Der Kol­lege Horst Gräf kürzt die Fahr­trai­nings­ver­an­stal­tung her­aus und bewer­tet die Sitz­po­si­tion anhand von Fotos oder Videos. Nun haben die meis­ten Renn­stre­cken­fans ja Zugriff auf brauch­bare Bil­der vom Stre­cken­fo­to­gra­fen, nur: Wie viel kann ein Mann aus einem sta­ti­schen Pixel­ras­ter schon her­aus­le­sen? Nicht viel. Aber Horst ist auch kein Mann, son­dern eine echte Prinzessin.

Flash­back Fastbike-Party, nachts um halb­vol­les Cock­tail­glas. Andy Glän­zel schwebt auf mich zu, wie Leute eben so durch ein alko­hol­sier­tes Gesichts­feld schwe­ben, und annon­ciert: „Ich möchte dir eine echte Prin­zes­sin vor­stel­len.“ Bezeuge non­cha­lant Inter­esse, indem ich zustim­mend schwanke. Andy schiebt ein kan­ti­ges Kinn in mein Gesichts­feld und sagt: „Sie heißt Horst.“ Ver­wir­rung. Ich lehne Prin­zes­sin­nen eigent­lich grund­sätz­lich ab, die sich an Lip­pen ober­halb der Gür­tel­li­nie rasie­ren. Das sollte ein Glän­zel doch wis­sen! Andy bemerkt mei­nen inne­ren Auf­ruhr, schüt­telt bedeu­tungs­schwan­ger den Kopf und sagt nur: „Du musst ihr zuhö­ren.“ Das tat ich schließlich.

Horst ist einer die­ser mer­kens­wer­ten Men­schen, hin­ter deren unschein­ba­rer Fas­sade unaus­lot­bare Gedan­ken­tie­fen lie­gen. Er gibt gele­gent­lich den Live-Instruktor und sagt den Ler­nern dann Dinge, die sie ungern hören, weil sie wahr sind. Auf mei­ner Fest­platte flie­gen viele Fotos herum. Einige davon ver­öf­fent­li­che ich, andere behalte ich in mei­nem Kabi­nett des Grau­ens unter Ver­schluss. Eine Aus­wahl schö­ner und gru­se­li­ger Bil­der habe ich Horst zur Bewer­tung geschickt und muss mich als nach­hal­tig beein­druckt beken­nen, weil er Dinge tat­säch­lich sieht. Mir hat bei­spiels­weise zu mei­ner Anfangs­zeit mal jemand gesagt, man müsse sich komme was wolle immer auf die äußere Raste stel­len, um best­mög­li­che Trak­tion zu erhal­ten. Wer das schon­mal pro­biert hat, kann sich vor­stel­len, wie unent­spannt vor allem ein Anfän­ger bei die­sem kate­go­ri­schen Ver­such sitzt. Horst hat das auf einem der Fotos erkannt, bemän­gelt, und zwar kon­kret mit Hin­weis auf die äußere Raste.

…und auf den Gera­den aktiv bewusst sacken las­sen. Mach disch logga, Alter.“ (Bild: Ducati)

Jetzt will ich mich gar nicht bloß­stel­len mit mei­nen schlimms­ten Bil­dern oder tie­fer in die Ana­lyse eben­de­rer ein­drin­gen, son­dern ich will gleich sagen: Horst Gräf kann anhand von Bil­dern bes­ser sit­zen leh­ren. Er kann es auch mit Videos. Es kos­tet 15 Euro für Bil­der, 30 für Video. Wer lern­wil­lig ist, kann 15 Tacken eigent­lich kaum bes­ser anle­gen, denn eine Fla­sche Talis­ker kos­tet das Dop­pelte. Wie viel mir per­sön­lich die Ana­lyse bringt, weiß ich, wenn ich wie­der moto­ri­siert bin. Horst hat eine Nach­mes­sung an einer Renn­stre­cke mit den Wor­ten vor­ge­schla­gen: „Habe noch jeden hin­ge­kriegt.“ Er wird mir, sollte er mich nicht hin­krie­gen, ein Attest („unbe­lehr­bar“) aus­stel­len. Das ist doch was. Man erreicht die Prin­zes­sin im Link unten. Man sollte ihr zuhören.

Roya­les Track Feedback

Triumph des Willens

Clemens Gleich in Kategorie(n) - 06.12.2011

Ich will ja eine Tri­umph Street Triple R, aber vor die­sen Erfolg hat das Finanz­amt Stutt­gart einen obs­zön hohen zu zah­len­den Betrag gesetzt. Wäh­rend ich ver­su­che, meine Schuld dort in bil­li­gen pol­ni­schen Plätz­chen statt bil­li­gen euro­päi­schen Euros zu beglei­chen, schwelge ich in Erin­ne­run­gen an den Tri­umph Street Triple Cup, an dem ich als eine Art Vor­spiel zu mei­nem Urlaub teil­ge­nom­men habe. Ich durfte dort im Camping-Gestühl sit­zen wie eine fette Katze, wäh­rend einer der bes­ten Schwa­ben, die es gibt (Ketchup) eine Street Triple R vor­be­rei­tete, mit der ich dann um den Oschers­le­ber Teich rasen durfte — im Moto­drom, die­ser Insel der Zivi­li­sa­tion mit­ten im bar­ba­ri­schen Osten. Bes­ser geht es kaum. Ich schnurrte wie die besagte fette Katze, aber weil ich gleich­zei­tig rauchte, ver­schluckte ich mich und… egal! Warum war ich eigent­lich dort? Ich wollte mich mit mei­nem ers­ten Ren­nen zu schnel­le­ren Zei­ten zwingen:

Mein ers­tes Ren­nen war beim T-Cup