"Zu schnell" in Le Mans

Clemens Gleich in Kategorie(n) , - 09.07.2010

Bei den 24 Stun­den von Le Mans set­zen Audi wie Peu­geot auf Die­sel­mo­to­ren, weil sie damit zum Bei­spiel weni­ger tan­ken müs­sen (Die­sel­mo­to­ren arbei­ten etwas effi­zi­en­ter als Ben­zi­ner). Audi hat die­ses Jahr gewon­nen, alle vier Peu­geots fie­len aus, drei davon mit gebro­che­nen Pleueln. Das wun­dert jetzt wenig, inter­es­sant ist jedoch der Grund, den Peu­geots Tech­ni­ker nach ihrer Ana­lyse fan­den: Die Autos sind zu schnell gefah­ren, die Moto­ren mit zu viel Voll­las­t­an­teil gelau­fen. Und das wie­derum lag daran, dass die Bedin­gun­gen zu gut waren. Sau­bere, grif­fige Stre­cke, sau­bere, kühle Luft, das hat ihnen den Rest gege­ben (Audis kom­men offen­bar bes­ser mit per­fek­ten Bedin­gun­gen zurecht). Respekt. Das ist die unfrei­wil­lig unter­halt­samste Racer-Ausrede, die ich je gehört habe. Gro­ßes Kino. Warte schon gespannt auf nächs­tes Jahr, wenn es heißt: "Die Fah­rer waren zu gut und weil wir mit schlech­te­ren gerech­net haben, sind die Autos alle explodiert."

Auch ich war die­ses Jahr in Le Mans, aller­dings beim Ren­nen der Motor­rä­der. Habe das deut­sche Team RMT21 beglei­tet. Der Bericht dazu steht in der Fast­bike. 60 zusätz­li­che Bil­der ste­hen hier:

Le Mans in Bildern

Ein harter Kampf...

Clemens Gleich - 07.07.2010

...ent­brennt zwi­schen bestimm­ten Auf­trag­ge­bern (denen) und Autor (mir) immer, wenn es um Hardcore-Technikthemen geht. "Das muss nicht so genau sein, da darf man ruhig mal ein biss­chen mit der Fahne aus dem Fens­ter schwen­ken", sagt der Auf­trag­ge­ber. "Doch, das muss", sage ich. Es gewinnt in sol­chen Fäl­len, wenn ich das Thema dann trotz des Wis­sens um sol­che Streits annehme, immer der Auf­trag­ge­ber, weil er natür­lich näher am Redak­ti­ons­sys­tem sitzt. Gut: und weil er ja zahlt. Wer zahlt, schafft an. Weil ich jedoch die Tage einen unre­flek­tier­ten Leser hatte, der mir vor­warf, ich schriebe bei einem gewis­sen "Cle­mens Gleich" ab (die Ant­wort dar­auf könnte ziem­lich phi­lo­so­phisch wer­den), hier mal wie­der ein Ori­gi­nal­ma­nu­skript zum Thema Tech­nik, gegen­ge­le­sen vom berühm­ten Andreas Stiller:

48 x68-Prozessorkerne auf einem Chip

Royal Enfield Scrambler

Clemens Gleich in Kategorie(n) , - 06.07.2010

Ich bin jetzt kein gro­ßer Fan von Royal Enfields, ein­fach, weil ich es mag, wenn ein Motor­rad Sachen wie ein Fahr­werk oder eine nen­nens­werte Höchst­ge­schwin­dig­keit hat, aber es gibt Ein­satz­ge­biete, da gehö­ren die Din­ger ein­fach hin. Indien-Durchquerungen zum Bei­spiel, die bie­ten ja diverse Leute als Rei­se­aben­teuer an. Wheel of India fällt mir spon­tan ein. Und ich glaube, mit dem Umbau hier ist man ein Instant-Bollywood-Star: Iwan-Bikes baut für 1099 Euro eine Clas­sic 500 EFI zur "Royal Enfield Rum­bler" um:

Die Kot­flü­gel wur­den dem leich­ten Gele­än­de­an­spruch ent­spre­chend gekürzt, pas­sende und stil­volle Gelän­de­rei­fen vorn und hin­ten mon­tiert, ein schlan­ker klei­ner sexy Ein­zel­sitz, Bullet-Style Blin­ker, ein fet­zi­ges, dazu pas­sen­des Rück­licht, ein schlan­ker, nied­ri­ger und dadurch sport­li­che­rer Len­ker geben der Rum­bler ihr neues Out­fit, eine kna­ckige Aus­pufft­röte und ein paar unbe­dingt not­wen­dige Che­ckers machen sie fre­cher. Der Umbau kann mit jeder Clas­sic gemacht wer­den, somit hat der Kunde die Wahl zwi­schen metallic-rot (maroon), blau­grün (tür­kis) und dem klas­si­schen schwarz.

Das sieht dann so aus:

Royal Enfield Rumbler

Royal Enfield Rum­bler Scrambler-Motorrad als Umbau von Iwan-Bikes. Nett.

Guck­stu hier

Kollegen schelten

Clemens Gleich - 30.06.2010

Es ver­stößt gegen die Eti­kette von Jour­na­lis­ten, Kol­le­gen für schlechte Arti­kel zu schel­ten. "Wir machen keine Kol­le­gen­schelte", hieß es im Heise-Newsroom immer, wenn jemand einen hane­bü­che­nen Arti­kel bei der Kon­kur­renz bloß­stel­len wollte. Die Gründe, die Ursprünge dafür kenne ich nicht. Sie inter­es­sie­ren mich auch nicht son­der­lich. Fest steht, dass es dadurch ein biss­chen ange­neh­mer für alle wird, weil man ja meis­tens zwei Tage spä­ter sel­ber was ver­sem­melt. Nun bin ich aller­dings ein schlech­ter Jour­na­list, bezie­hungs­weise gar kein Jour­na­list, son­dern eher so ein geschich­ten­er­zäh­len­der Affe (Pan Nar­ren­sis), und da packt mich ein­fach manch­mal die Wut, da muss ich mich über Sachen auf­re­gen. Als die Sache mit dem Auto-Hacking die Runde machte, wollte ich das des­halb ein­fach igno­rie­ren, damit ich mich nicht auf­rege. Ich habe dann ein­fach eine nette Lie­bes­ge­schichte mit peri­phe­rem the­ma­ti­schen Bezug gepos­tet, als es aktu­ell war. Zwei Wochen, nach­dem es aktu­ell war, bat mich jemand, das Thema für ein Haus­frau­en­pu­bli­kum zu ver­wurs­ten und natür­lich habe ich mich der­art auf­ge­regt, dass er mehr Arbeit als üblich damit hatte, weil er alle "ich"s raus­ma­chen musste, zusam­men mit aller Kol­le­gen­schelte. Die war zwar anonym, aber dem kann in Tei­len gehol­fen wer­den: Die dümmste Vari­ante kam vom WDR. Wenn ihr Jungs da dann Rund­funk­steuer von allen kriegt, erwarte ich schon ein Pfund mehr Hirn von euch, Kol­legas. Lange Rede, noch län­ge­rer Sinn: Es folgt das Ori­gi­nal mit Kol­le­gen­schelte. Schel­tet mich gerne zurück, nur für euch sind ja die Kom­men­tare da.

Schel­ten übers Auto-Hacking

Die inneren Werte der Frau Strom

Clemens Gleich in Kategorie(n) , - 29.06.2010

Es gibt (Pseudo-)Leute, die trifft man immer wie­der. Die Frau Strom ist so eine, also für Nicht­ken­ner die Suzuki DL 1000 V-Strom oder ihre klei­nere Schwes­ter, die DL 650. Dies­mal traf  ich sie als Tei­le­trä­ger des neuen Fest­stoff­schmier­sys­tems der Schunk-Gruppe, das ich grad getes­tet habe. Sie ist die Art von Frau, von der es nichts Bes­se­res zu sagen gibt, als dass sie "gut kochen kann". Dass sie "einen guten Cha­rak­ter" hat. Dass sie "innere Werte" habe. Man ver­mei­det der Höf­lich­keit hal­ber, ihre Fett­ringe zu the­ma­ti­sie­ren, ihre damit ein­her­ge­hende Eigen­schaft als Gra­vi­ta­ti­ons­linse, ihr schia­ches Piz­za­gesicht und ihre Wind­schild­tur­bu­len­zen, die bei­den Fah­rern Kopf­schmer­zen machen, in allen mög­li­chen Posi­tio­nen des umständ­lich arre­tier­ba­ren Wind­schilds. Dabei hat sie tat­säch­lich innere Werte, tat­säch­lich das, was Ita­lo­fah­rer "Cha­rak­ter" nen­nen. Und alle diese Eigen­schaf­ten ver­sam­meln sich im Her­zen, im viel­leicht bes­ten Land­stra­ßen­mo­tor, den Suzuki je gebaut hat. Er geht kalt gerne aus, was mich nervt, Italien-Fans jedoch an die Wahl­hei­mat erin­nern dürfte, aber er pumpt wie ein Herz und zieht wie ein Hub­schrau­ber. Ich habe unter­wegs von Stutt­gart über Nie­der­bay­ern, Öster­reich und Ita­lien in die Schweiz alle Beglei­ter damit genervt, wie toll das Teil ist. Es ist wie ein ita­lie­ni­sches KTM-Aggregat, das in Japan gebaut wird. Es ist eine Schande, da so ein Archi­tek­tur­pro­jekt wie die DL außen­rum­zu­bauen. Doch es gibt eine wenig bekannte, rich­tig gute Alter­na­tive: die Suzuki SV 1000 hat den­sel­ben Motor. In mei­ner Zeit bei MO gab es dort den lie­be­voll so titu­lier­ten "BOT-Racer", eine durch Sturz gestrippte rote SV 1000 mit SR-Anlage, deren pum­pen­des Blub­bern jedem Umste­hen­den mit audio­phi­lem Her­zen Freu­de­strah­len ins Gesicht mei­ßelte. Es gibt die SV 1000 für unter 3000 Euro gebraucht, weil sie kei­ner haben will. Habe gerade geguckt. Free the twin!

Ach ja: So wurde die V-Strom geschmiert.