BMW ist Gott!!!“

Clemens Gleich in Kategorie(n) - 21.10.2011

Die­ser bemer­kens­werte Satz stand mal in einem Leser­brief, hand­ge­schrie­ben in gel­ber Wachs­mal­kreide (I am not making this up). Die Reli­gion BMW kommt nach Mit­glie­der­zah­len­fa­na­tis­mus (MZF, eine wich­tige Größe, die Anzahl mit Fana­tis­mus ver­rech­net) gemes­sen gleich nach Harley-Davidson, und ges­tern sandte ich tat­säch­lich ein Dank­ge­bet nach Mün­chen. Denn unmit­tel­bar, nach­dem ich mich über den VW-Up-Motor mit sei­ner Leistungs(nicht)ausbeute hier beschwerte, kam die frohe Kunde vom Model­lup­date der BMW S 1000 RR 2012: 200 PS aus 1000 ccm. So geht das, VW! *äpfelund­bir­nen­ver­mantsch* Soeben befin­det sich Com­man­der Ham­precht drau­ßen in Valen­cia, wo er sich bitte nicht fratzt, son­dern den Erfolg der Umbau­maß­nah­men beschei­ni­gen soll, sonst hetze ich ihm die BMW-Inquisition auf die Leder­pelle. Die wich­tigste Nach­richt in Bezug auf das Superbimpf-Update ist jedoch: Sie haben end­lich auf ihren psy­cho­lo­gi­schen Kriegs­far­ben­be­ra­ter Dr. Gleich gehört.

S 1000 RR in Schwarz-Rot-Weiß

High Tech and Low Life

Clemens Gleich in Kategorie(n) - 18.10.2011

Es gibt Momente im Leben, die einem zei­gen, was die aktu­elle Base­line geschla­gen hat. Letzte Woche las ich zum Bei­spiel zur Recher­che eines klei­nen Technik-Features über Drei­zy­lin­der tech­ni­sche Daten eines Auto-Triples. Das war schreck­lich! 45 kW aus 1000 ccm! Wel­che Inge­nieurs­kunst muss es gekos­tet haben, so viel Hub­raum zu so wenig Leis­tung zu beschnei­den? ARRG! Dann kam über irgend­ei­nen Stream das Wer­be­vi­deo der neuen Kawa­saki ZZR 1400 rein, was mich der­art ent­spannt hat, dass mir die vor­he­rige Anspan­nung erst klar wurde. Außer „POWEERRRR!!“ habe ich aller­dings aller­dings noch eine wei­tere, bestän­dige Baseline:

Ich bin ein Propellerkäppi-Technofreak

Technikoffensive, Teil 2: KFZ-Daten(-schutz)

Clemens Gleich in Kategorie(n) , - 12.10.2011

Mein tem­po­rä­rer Zim­mer­kol­lege hat mir gezeigt, dass auf mei­nem tem­po­rä­ren Redak­ti­ons­sys­tem bei Heise Autos ein Arti­kel steht, den ich Anfang 2010 für die c’t gemacht habe. Das ver­setzt mich in die kom­for­ta­ble Lage, einen bru­tal lan­gen, stich– und kugel­fes­ten Tech­nik­ar­ti­kel aus dem Off nach­la­den zu kön­nen. War der eigent­lich wirk­lich so im Heft? Da ste­hen ja noch unsere Redi­gier­be­mer­kun­gen drin:

Daten unter der Haube

Ich liebe: Technik; ich hasse: Ignoranz in Gesetzen

Clemens Gleich in Kategorie(n) , - 09.10.2011

Jedes Mal, wenn ich dumme Gesetze oder die Dumm­heit an sich kri­ti­siere, unter­stel­len viele sofort, dass ich neue Tech­nik hasse, weil das so viele tun. Am schlimms­ten ist das natür­lich bei ABS-Themen, über die ver­nünf­tige Dis­kus­sio­nen kaum noch mög­lich sind. In Wirk­lich­keit bin ich nicht gegen ABS, son­dern ich bin dage­gen, das Hirn aus­zu­schal­ten, nur weil man einen Haken in die Auf­preis­liste gesetzt hat. Die­ses Ver­hal­ten ist das einer so gro­ßen Mehr­heit, dass ich gar nicht genug sau­fen kann, wie ich kot­zen möchte. Zusam­men mit Maik Schwarz woll­ten wir ein­mal ABS-Aufkleber für 500 Euro den Satz ver­kau­fen („Nachrüst-ABS!“), weil wir fest­ge­stellt hat­ten, dass kaum ein ABS-Käufer über­haupt je in den Regel­be­reich kommt, obwohl er sich das oft ein­bil­det. Wer sich — vor allem am Motor­rad — nicht mit der prak­ti­schen Funk­ti­ons­weise sei­ner Brems­an­lage aus­ein­an­der­setzt, ist mit oder ohne ABS ein Idiot. Das sind die Dinge, die mich auf­re­gen. ABS als Tech­nik an sich nehme ich als tech­ni­sches Sys­tem zu Kennt­nis wie alle ande­ren mecha­tro­ni­schen Regel­sys­teme auch.

Es freut mich im all­ge­mei­nen unge­mein, wenn irgend­ein neuer Quatsch auf den Markt kommt, weil ich dann mein vir­tu­el­les Pro­pel­ler­käppi auf­zie­hen und die Funk­ti­ons­weise her­aus­kla­mü­sern kann. Echte Nerds ver­ste­hen, wel­che Art von Freude ich meine. Des­halb habe ich auch einen ent­spre­chen­den Ruf, des­halb mache ich immer wie­der die Rubrik „High­tech für Haus­frauen“ in der Welt, und des­halb sitze ich gerade für ein paar Tage in Han­no­ver bei Heise, um als Feu­er­lö­scher mit Tech­nik­the­men aus­zu­hel­fen, weil jemand seine Stelle nicht antre­ten konnte (wir suchen da übri­gens noch). Diese Dis­kre­panz zwi­schen Rea­li­tät und wahr­ge­nom­me­ner Per­sona darf nicht län­ger sein, ich mache jetzt das, was die Her­stel­ler immer machen, ich „starte eine Technikoffensive“:

Das geht im Inne­ren dei­nes Fahr­zeugs vor sich.

Freiheit: wurde wieder abbestellt

Clemens Gleich in Kategorie(n) , - 29.09.2011

Als vager Wunsch steht „Frei­heit“ meis­tens in den Top Five der vagen Dinge, die Leute mit dem Motor­rad­fah­ren ver­bin­den. An die­sen Umstand denke ich in letz­ter Zeit öfter, wenn ich sehe, wie der gute Jens Wie­den­mann aus Ber­lin behan­delt wird für sei­nen Wunsch der Wahl­frei­heit, sei­nen Wunsch, auch künf­tig Motor­rä­der ohne ABS, ja: ohne elek­tro­ni­sche Regel­sys­teme zur Fahr­zeugsta­bi­li­sie­rung über­haupt kau­fen zu dür­fen. Selbst junge, intel­li­gente Leute, die ich fast schon als des selb­stän­di­gen Den­kens fähig ver­mu­tete, äußern sich öffent­lich über Jens, als wäre er ein geis­tes­ge­stör­ter Kin­der­fres­ser. Er ist ein Paria gewor­den, kei­ner mag sich so recht mit ihm beschäf­ti­gen. Wohl­ge­merkt, es geht ihm nicht darum, ob ein bestimm­tes oder alle ABS gut funk­tio­nie­ren, ob sol­che Sys­teme irgend­wann tech­nisch per­fekt daher­kom­men, nein: „Um all das geht es nicht. Son­dern darum, selbst­be­stimmt auf die Schnauze fal­len zu dür­fen.“ Es geht also, kür­zer gesagt, um Frei­heit, denn die Frei­heit, etwas Dum­mes zu tun ist die Frei­heit an sich. Um etwas Gesell­schafts­ge­fäl­li­ges, etwas „Rich­ti­ges“™ zu tun, braucht man keine Frei­heit. Ich finde es bedenk­lich, dass so vie­len Leu­ten ein Grund­be­dürf­nis nach Frei­heit nicht­ein­mal mehr ver­ständ­lich ist, sobald es um die Gott­heit ABS nebst ihren himm­li­schen Heer­scha­ren (aus­ge­rüs­tet mit Traktionskontrolle) geht. Und des­halb hätte ich gerne, dass ihr lest, was Jens eigent­lich will und das ver­steht. Ihr könnt seine heute anti­quiert wir­kende Hal­tung, seine starke Moti­va­tion, seine Wün­sche gene­rell ruhig alle scheiße fin­den, ruhig mehr Tech­nik, mehr Rege­lung wol­len. Ich bin ja sel­ber ein Tech­no­freak. Aber wer sei­nen aus all dem spre­chen­den Wunsch nach Frei­heit nicht ver­steht, dem sollte das zu den­ken geben. Viel­leicht ler­nen die Nicht­ver­ste­her etwas mehr ver­ste­hen, indem sie von einem ande­ren Fall lesen:

vom getrie­be­nen Wel­ten­bumm­ler Hubert