
Als vager Wunsch steht „Freiheit“ meistens in den Top Five der vagen Dinge, die Leute mit dem Motorradfahren verbinden. An diesen Umstand denke ich in letzter Zeit öfter, wenn ich sehe, wie der gute Jens Wiedenmann aus Berlin behandelt wird für seinen Wunsch der Wahlfreiheit, seinen Wunsch, auch künftig Motorräder ohne ABS, ja: ohne elektronische Regelsysteme zur Fahrzeugstabilisierung überhaupt kaufen zu dürfen. Selbst junge, intelligente Leute, die ich fast schon als des selbständigen Denkens fähig vermutete, äußern sich öffentlich über Jens, als wäre er ein geistesgestörter Kinderfresser. Er ist ein Paria geworden, keiner mag sich so recht mit ihm beschäftigen. Wohlgemerkt, es geht ihm nicht darum, ob ein bestimmtes oder alle ABS gut funktionieren, ob solche Systeme irgendwann technisch perfekt daherkommen, nein: „Um all das geht es nicht. Sondern darum, selbstbestimmt auf die Schnauze fallen zu dürfen.“ Es geht also, kürzer gesagt, um Freiheit, denn die Freiheit, etwas Dummes zu tun ist die Freiheit an sich. Um etwas Gesellschaftsgefälliges, etwas „Richtiges“™ zu tun, braucht man keine Freiheit. Ich finde es bedenklich, dass so vielen Leuten ein Grundbedürfnis nach Freiheit nichteinmal mehr verständlich ist, sobald es um die Gottheit ABS nebst ihren himmlischen Heerscharen (ausgerüstet mit Traktionskontrolle) geht. Und deshalb hätte ich gerne, dass ihr lest, was Jens eigentlich will und das versteht. Ihr könnt seine heute antiquiert wirkende Haltung, seine starke Motivation, seine Wünsche generell ruhig alle scheiße finden, ruhig mehr Technik, mehr Regelung wollen. Ich bin ja selber ein Technofreak. Aber wer seinen aus all dem sprechenden Wunsch nach Freiheit nicht versteht, dem sollte das zu denken geben. Vielleicht lernen die Nichtversteher etwas mehr verstehen, indem sie von einem anderen Fall lesen:
vom getriebenen Weltenbummler Hubert