Bitte nach oben kommen. Die Sicht ist besser.

Clemens Gleich - 13.09.2011

Eins mei­ner Dau­er­the­men ist: „Kopf hoch“, und zwar im Sinne von „guckt Rich­tung Größe, Weite“. Diese Posi­tion ist wich­tig, weil auf der Gegen­seite jeden Tag in der Bild oder in der taz steht, wie schlimm es ist, wenn diese „For­scher“ Geld für Sachen aus­ge­ben, die Leser von Bild oder taz nicht begrei­fen. Man soll doch lie­ber gleich mor­gen fünf Ton­nen Bröt­chen nach Afrika schi­cken, die gar nichts ändern. Man kann sich aller­dings auch daran set­zen, das Grund­pro­blem des Hun­gers in einem gro­ßen, ein paar hun­dert Jahre umfas­sen­den Plan zu lösen. Diese Denke ist wich­tig. Diese Denke kriegt des­halb jetzt ein Denkmal:

Die 10.000-Jahre-Uhr

Es geht um: verkauftes Papier

Clemens Gleich in Kategorie(n) , , , - 11.09.2011

Zurück! Mein grenz­ge­nia­les Urlaubs­kon­zept „qua­li­ta­tiv hoch­wer­tige Frau auf qua­li­ta­tiv hoch­wer­tige Insel mit­neh­men“ ging wie­der mal auf. Bin erholt wie eine Strickso­cke. Des­halb erkläre ich jetzt gleich mal ein Stück der mys­te­riö­sen Welt aus Papier, nach dem viele in offen­bar­ter Ahnungs­lo­sig­keit fra­gen. Sie den­ken sich gern, eine Print-Publikation funk­tio­niere so: Man druckt so in etwa die zu erwar­tende Ver­kaufs­menge, die dann im Laufe der Kio­sk­zeit abge­grast wird. Die übrig blei­ben­den Exem­plare keh­ren heim in den Ver­lag, um fortan im Kel­ler für nach­hal­tige Nach­be­stel­lun­gen rum­zu­lie­gen. Diese Ansicht ist nahe­lie­gend und ein­fach nach­voll­zieh­bar. Sie ist aller­dings — wie so viele nahe­lie­gende, ein­fach nach­voll­zieh­bare Schlüsse — falsch.

In Wahr­heit druckt man nicht ein­fach ein biss­chen mehr, son­dern man druckt mas­siv mehr. Bei den meis­ten Publi­ka­tio­nen liegt der Punkt, an dem sie ihren maxi­ma­len Ertrag abwer­fen, bei etwa 40 Pro­zent ver­kauf­tem Anteil. Man­che haben mehr, man­che haben weni­ger, das jewei­lige kon­krete Opti­mum hängt mit den Ein­kom­mens­an­tei­len von Copy-Preis und Wer­bung zusam­men. Die nicht ver­kauf­ten 60 Pro­zent sind soge­nannte „Streu­ver­luste“, also der Kol­la­te­ral­scha­den des Pres­se­mark­tes. Diese Exem­plare gehen als Remit­ten­den (heißt: der Händ­ler darf sie zurück­ge­ben) wie­der an den Gros­sis­ten. Von da aus könn­ten sie theo­re­tisch zurück an den Ver­lag gehen, in der Pra­xis gehen sie in die Papier­mühle zum Alt­pa­pier. Das heißt: Der größte Teil jedes noch so toll gedruck­ten Hef­tes wan­dert unver­wen­det nach einer lan­gen Rund­reise im Recycling-Eimer. Nachbestell-Exemplare wer­den schon zu Beginn abge­son­dert und vom Ver­lag bezie­hungs­weise einem Dienst­leis­ter auf­ge­ho­ben. Das sind meis­tens nur ver­gleichs­weise wenige, des­halb sind halb­wegs beliebte Aus­ga­ben auch so schnell aus­ver­kauft in der Nach­be­stel­lung. Aus­nah­men von die­ser größ­ten­tei­li­gen Ver­nich­tung gibt es im Maga­zin­markt prak­tisch keine. Vom Yps-Heft wur­den damals die kom­plet­ten Remit­ten­den auf­ge­ho­ben, weil es mit sei­nem Spiel­zeug auf­wen­dig in der Her­stel­lung und mit ent­spre­chen­den Nach­be­stell­men­gen geseg­net war („Ich brau­che unbe­dingt den Spa­ghet­til­öf­fel!“). Die­ses Heft gibt es nicht mehr, und am sons­ti­gen aktu­el­len Markt fällt mir kein Maga­zin ein, des­sen unver­kaufte Auf­lage auf­ge­ho­ben würde.

An die­ser Stelle mei­ner Aus­füh­run­gen, die ich münd­lich erstaun­lich oft vor­trage, kommt meis­tens ein empör­ter Auf­ruf ob sol­cher Ver­schwen­dung. Kann man das nicht bes­ser machen, effi­zi­en­ter? Hm. Wenn, dann hat es noch nie­mand her­aus­ge­fun­den. Papier ist sehr teuer gewor­den. Jeder würde lie­ber weni­ger davon brau­chen. Das Pro­blem ist die Ver­tei­lung. Wenn ich so dru­cke, dass in jeder Tank­stelle fünf Hefte lie­gen, dann ist eine Tank­stelle mit the­men­af­fi­nem Publi­kum sofort für den Rest der Kiosk-Zeit aus­ver­kauft, wäh­rend bei den ande­ren noch alle fünf Hefte lie­gen, bis sie tutti com­pletti zurück­ge­hen in die Ver­nich­tung. Der zu spät kom­mende Teil des the­men­af­fi­nen Publi­kums beschwert sich zudem, dass er das Heft nicht am Kiosk fin­det. Je weni­ger ich dru­cke, umso ärger wird die­ses Pro­blem. Des­halb scheißt man die Kioske so weit zu, dass sich ein finan­zi­el­les Opti­mum bil­det zwi­schen Her­stel­lungs­kos­ten (Papier!) und Ein­nah­men (Copy-Preis plus Werbegeld).

Der ein­zige bis­her bekannte Aus­weg sind Abon­nen­ten, die des­we­gen ent­spre­chend umwor­ben wer­den. Das funk­tio­niert sehr gut, wenn ein Heft sehr fach­zeit­schrif­ten­nah ist wie die c’t, die nach Leser­aus­sa­gen regel­recht „durch­ge­ar­bei­tet“ wird (Abo-Anteil deut­lich über 70 Pro­zent). Das funk­tio­niert weni­ger gut für Unter­hal­tung oder Spe­cial Inte­rest. Zeit­schrif­ten wie ein Play­boy, eine MO, ja sogar die sehr nischige Fast­bike leben vom Kiosk. Ich habe mir frü­her jede Aus­gabe der MO gekauft, ein­zeln am Kiosk, und ich kenne Leser per­sön­lich, die das genau so jetzt tun. Wenn ich seit zehn Jah­ren kein Heft ver­passt hätte, würde ich trotz­dem kein Abo wol­len. Nie­mand braucht diese Hefte in sei­ner täg­li­chen Arbeit, also wer­den sie so kon­su­miert wie der Espresso im net­ten Café. Selbst wenn der täg­lich kon­su­miert wird, bleibt er etwas ande­res als die Kaffee-Pipeline, die im vor­teil­haf­ten Büro-Abo zugäng­lich ist.

Viel­leicht macht es diese ein­füh­rende Erklä­rung leich­ter zu ver­ste­hen, warum ein­fa­che „man-müßte-mal“-Ideen so sel­ten umge­setzt wer­den. Denn ein neues Print-Objekt muss noch viel mas­si­ver über­druckt wer­den, da schmei­ßen wir neun von zehn gedruck­ten Exem­pla­ren weg, und das auch nur, wenn es funk­tio­niert. Sonst eben prak­tisch alle. Allein das Papier kos­tet viele zehn­tau­send Euro, wenn auf die­sem Papier auch noch Fotos und Buch­sta­ben in sinn­vol­ler Rei­hen­folge sein sol­len, dann spre­chen wir schnell von Inves­ti­tio­nen im sechs­stel­li­gen Bereich, dazu noch von dum­men: In Zei­ten bestän­dig sin­ken­der Ver­kaufs­zah­len von Papier kann man einen Ver­lag auch gleich fra­gen, ob er einem ein Bahamas-Domizil kauft, wobei das wahr­schein­lich mehr Ein­künfte erzielt als aus­ge­rech­net ein neues Stück Papier­blatt­sta­pel. Gleich­zei­tig gibt es immer mehr Son­der­hefte. Die haben näm­lich eine Son­der­stel­lung, weil sie sich an den Pres­se­ver­trieb eines Haupt­ob­jek­tes dran­hän­gen dür­fen, was sie bereits bei viel gerin­ge­ren Stück­zah­len lukra­tiv macht.

Schließ­lich ist das ver­füh­re­rischste Stück „man müßte mal“ die Illu­sion, man könne Erfolg vor­her­se­hen. Denn es gibt ja neue Kon­zepte, die funk­tio­nie­ren. Die Land­lust trifft den Nerv der neuen deut­schen Mit­tel­schicht, die grün wählt und wohnt. Sowas ist aller­dings, und wenn’s noch so weh­tut: Glück. Die Land­lust ist gut gemacht, das ist die Grund­vor­aus­set­zung. Aber das ist die c’t auch. Wenn eine c’t oder Chip aller­dings heute so auf den Markt käme, ich würde gegen große Ver­kaufs­zah­len wet­ten. Sie hat­ten damals ihr Fens­ter zum Wach­sen, wie es die Land­lust heute hat. Oder anders­rum (Rei­te­ra­tion ist gut): eine Land­lust als neues Heft in Zei­ten des Wirt­schafts­wun­ders? Die Leute hät­ten kein Wort verstanden.

Um jedoch Glück haben zu kön­nen, muss man da ste­hen, wo das Glück (mit Glück) vor­bei­kommt, kon­kret: Sachen aus­pro­bie­ren. Hoch­tra­ben­der geschrie­ben: „For­schung & Ent­wick­lung“, „Rese­arch & Deve­lop­ment“, R&D. Sicht­bare R&D im Ein­spur­be­reich der letz­ten Zeit war 2009 die Umstel­lung der MO, das neue Eighties-Layout der Motor­rad und die iPad-Anwendungen der Motor­presse und vom Tourenfahrer-Verlag. Nach allem, was ich mit­be­kom­men habe, waren die Ver­kaufs­zah­len abys­sisch. Nur: Wenn nie­mand den Arsch gehabt hätte, es aus­zu­pro­bie­ren, dann könnte man es jetzt — hin­ter­her — auch nicht so ein­fach hämisch bes­ser wis­sen. That’s fucken R&D.

R&D ist auch (neben mei­ner See­len­hy­giene) der Grund für die alber­nen Dinge, die ich im Inter­net aus­pro­biere, wo noch nie­mand so recht die For­mel fürs Geld­ver­die­nen für Texte raus hat. Die Leute den­ken erschre­cken­der­weise, ich könne mir von Mojo­mag Nut­ten, Koks und Fer­ra­ris mit Wal­pe­nis­le­der­sit­zen leis­ten oder wenigs­tens was zu essen. Nichts könnte fer­ner der Wahr­heit sein! Das alles kos­tet mich Geld. Es ist mein R&D. Damit habe ich die im Ver­hält­nis zum Umsatz größte R&D-Abteilung der Welt! Yesss! Apro­pos Schwanzvergleich:

Unter­stüt­zen Sie die Walpenislederforschung!

Gemes­sene Auf­la­gen­da­ten bei der IVW

Siehe auch die Fort­set­zung der Dis­kus­sion in den Kommentaren

Stuck In The Puddle With You

Clemens Gleich - 19.08.2011

Trotz­dem ich mich als Mann selbst­re­dend gele­gent­lich über sie auf­re­gen muss, mag ich Frauen. Sie haben mir zum Bei­spiel die „Carstuck­girls“ nahe­ge­bracht, einen selt­sa­men Fetisch, der irgend­wann mal nachts im Sport­fern­se­hen kam, und den inter­es­san­ter­weise kaum ein Mann kennt, weil es wahr­schein­lich unheim­lich schwie­rig ist, ziel­ge­rich­tet dazu zu mas­tur­bie­ren. Man fällt zum Bei­spiel vor Lachen vom Stuhl und bricht sich die Schub­ber­hand. Dafür ken­nen Frauen das. Als in der Ruhe vor mei­nem Urlaub zwei höchst gelun­gene Frauen ihre Vari­ante des Ste­cken­blei­bens fil­men woll­ten, haben wir gril­lend etwas pro­du­ziert, mit dem ich mich jetzt auf die Insel verabschiede:

The Bob­by­CarStuck­Girls!

Testbetrieb: 2x Kawasaki, 1x KTM

Clemens Gleich in Kategorie(n) , - 17.08.2011

Liebe Leser, spe­zi­fi­scher: liebe MO-Leser! Immer wie­der schreibt ihr mir auch heute noch liebe Briefe, wor­über ich mich sehr freue. Viele haben in der letz­ten Zeit gefragt „Wann machst du mal wie­der was für MO?“, und als selbst der MO-Finanzhäuptling mich ange­regt hat, doch wie­der mehr zu machen, bin ich die­sem Ruf end­lich nach­ge­kom­men. In der aktu­ell am Kiosk lie­gen­den Aus­gabe 9 steht daher ein ulti­ma­tiv ehr­li­cher Ver­gleich drin zwi­schen der Kawa­saki ZX-10 R und der KTM RC8 R. Nach ers­ten Panel-Erhebungen ent­spricht der Arti­kel genau den Wün­schen. Jetzt habe ich zusätz­lich Alex­an­der „@Pistonpin“ Mayer ange­spitzt, was über die Alpen­über­que­rung mit den 50ern zu machen, das ich dann mit mei­nem gut vor­be­rei­te­ten Touring-Test des Honda Zoo­mer gar­nie­ren und die­ses Paket bei MO zumin­dest vor­schla­gen werde.

Danach mache ich erst­mal nichts mehr für MO. Ich werde auch wei­ter­hin meine Print-Geschichten zu Motor-Themen ankün­di­gen, Feed-Leser wis­sen also um die. Es gibt Motor­rad­t­exte von mir hier online kos­ten­los zu lesen, und wer was fürs „Häusl“ auf Papier will, für den dru­cke ich auch gern eine Com­pi­la­tion, wenn er (ggf. zusam­men mit sei­ner Wunsch­gruppe) das vor­be­zahlt. Es gibt außer­dem eine wirk­lich rich­tungs­wei­sende Geschichte in der nächs­ten Fast­bike. Die ist ja auch aus Papier. Wünscht mir Glück, dass es auch wei­ter­hin das herz­blu­tige Ein­spur­thema domi­nant in mei­nem Leben gibt. Ich mag die Din­ger. Vor allem das hier:

Die Kawa­saki Z 1000 SX in Irland getestet

Transformer Car

Clemens Gleich in Kategorie(n) , , - 15.08.2011

Was Design­stu­den­ten so den gan­zen Tag machen, ist meis­tens nur eins: ganz hübsch. Wenn sich doch einer Gedan­ken macht, wie etwas funk­tio­nie­ren könnte, ist das Resul­tat meis­tens: ganz häß­lich. Es gibt aber auch die ganz sel­te­nen Fälle, in denen es klickt, in denen das Design trotz sei­ner Cool­ness gerade so mög­lich sein könnte. Man könnte es bauen, wenn man zum Bei­spiel alles Geld der Welt hätte. So wie die­ses Transformer-Auto: Ein seg­men­tier­tes Chas­sis trägt ein Flie­ger­cock­pit, die seg­men­tierte Karos­se­rie regelt den Luft­strom und die Boden­frei­heit und seg­men­tierte Räder aus Spei­chen varia­bler Länge brin­gen den Schub auf den Boden. Ja, es gibt eine Mil­lion Pro­bleme, das in der Pra­xis umzu­set­zen, aber Bei­spiele ein­zel­ner Kom­po­nen­ten lie­fen als Pro­to­ty­pen schon bei den gro­ßen Her­stel­lern, den gro­ßen For­schungs­zen­tren. Und sie lau­fen in Serie im Pagani Huayra, der seine Flü­gel­chen und sein Fahr­werk je nach Kur­ven­lage und gemes­se­nen Beschleu­ni­gun­gen stellt. Wem aber wie mir der Pagani zu ein­fach, zu bil­lig ist, der soll alles Geld die­ser Welt in sowas ste­cken (man ver­gebe dem Studi mit sei­nem Popel­rech­ner die geringe Detail­auf­lö­sung des Renderfilms):

Web­site des Flake-Autos mit coo­len Bildern