Bestechung! I like!

Leserbriefonkel in Kategorie(n) , - 17.08.2010

Win­fried von Ber­lepsch über diverse Print-Geschichten:

“Moin, moin” aus einem regnerisch-frischen Bre­men in die Haupt­stadt mei­ner neuen Hei­mat Baden(-Württemberg). Ich dachte, ich bedanke mich ein­mal für Deine (ich hoffe das “Du” ist mir gestat­tet, auch wenn die Höf­lich­keit gebie­tet zu war­ten, bis es mir vom “Älte­ren” ange­bo­ten wird) lite­ra­ri­schen Ergüsse. Es begann damit, daß ich wäh­rend einer lang­wei­li­gen Fahrt mit der Deut­schen Bahn die zuvor müh­sam zusam­men­ge­such­ten Moped­zeit­schrif­ten sich­tete. Ich blieb an einem etwas edler auf­ge­mach­ten Heft hän­gen, in dem ein mir unbe­kann­ter Autor von sei­nem (ers­ten?) Aus­flug auf die Nord­schleife mit der damals noch recht neuen KTM RC8 berich­tete. Seine Aus­füh­run­gen über bren­nende Auto­wracks am Stre­cken­rand und ziel­stre­big in die Bota­nik ein­schla­gende Kawa­sa­ki­trei­bern erin­nerte an das fatale Gefühl, daß einen über­fällt, wenn man 8h zu spät zu einer Jung­ge­sel­len­ab­schieds­party erscheint und bedau­er­li­cher­weise selbst stocknüch­tern ist. Glück­li­cher­weise mache ich mir nicht viel aus Bli­cken ande­rer Men­schen. So konnte ich herz­haft lachen, was die neben mir sit­zende ältere Dame lei­der zwei­mal dazu brachte, vor Schreck ihr Kuchen­stück von der Gabel zu zit­tern. Die Kaf­fee­tasse ver­fehlte sie dabei lei­der, wodurch mir wei­tere Unter­hal­tung ver­wehrt blieb. Ande­rer­seits hätte ich mei­nem Zwerch­fell keine wei­te­ren Tor­tu­ren zumu­ten dürfen.

Aber zurück zum mir damals noch unbe­kann­ten Schrei­ber­ling. Er hat mich mit die­ser herz­er­wär­men­den Geschichte genö­tigt, ein Abon­ne­ment abzu­schlie­ßen, was auch im Nach­hin­ein betrach­tet eine gute Idee war. So ver­passte ich nicht die Aus­füh­run­gen zu den Vor­zü­gen einer frü­hen Mille und der pas­sen­den Wahl eines Kose­na­mens für’s eigene Bike, auch wenn ich selbst “Sturz­schlampe” bei einer ital. Bella für unpas­send halte, aber das ist ja Geschmacks­sa­che. Wie auch bei schot­ti­schen Wäs­ser­chen, wo ich die Erzeug­nisse von Islay denen der Isle of Skye vorziehe.

Es brauchte nur wenige Arti­kel, um bei neuen Hef­ten schon nach weni­gen Sät­zen zu wis­sen, wer der Urhe­ber eines Rei­se­be­richts war. Die­ser schöne Bericht über die Flucht vor Mes­se­ver­pflich­tun­gen in die ver­meint­li­che Ruhe und Abge­schie­den­heit  der Berge, die nur durch die Igno­ranz gegen­über der weib­li­chen Befind­lich­keit etwas getrübt und durch die Unbe­küm­mert­heit im Umgang mit psy­cho­pa­thi­schen Ein­hei­mi­schen bei­nahe gefähr­lich wurde. Der nun mitt­ler­weile nicht mehr unbe­kannte Autor brachte mich sogar dazu, tech­ni­sche Aus­las­sun­gen über die Trak­ti­ons­kon­trolle der BMW 1000 RR zu lesen. Mehr­fach, denn ich hatte das Gefühl, da schreibt einer, der selbst das Kon­zept ver­stan­den hatte. Ich selbst ver­stand etwa die Hälfte, obwohl ich zu dem Zeit­punkt seit 3 Semes­tern für Elek­tro­tech­nik ein­ge­schrie­ben war. Aber ich war öfter im Scotch Club als in der Uni zuge­gen, inso­fern muss ich die Schuld für mein Unver­ständ­nis wohl auf mich neh­men. Der Mann über­zeugte also auch noch durch Sach­ver­stand und tech­ni­sches Verständnis.

Seit letz­tem Jahr fie­bere ich nun der Monats­mitte ent­ge­gen und blät­tere fie­ber­haft nach den Ergüs­sen die­ses Schrei­ber­lings und grinse bereits über’s ganze Gesicht, noch bevor ich zu lesen begon­nen habe. Vor kur­zem hat mir eine Bekannte (Mil­le­trei­be­rin) ein mir bis dato unbe­kann­tes Moped­heft ans Herz gelegt. Sie schwärmte von den coo­len Arti­keln und den gei­len Typen, die das Heft fabri­zier­ten. Naja, ich bin ja für Neues offen und so griff ich auch hier ein­mal zu. Ein­fach mal mit­tig auf­ge­schla­gen… 24h von Le Mans. Nett, Endurance mag ich ja. Dann die ers­ten Sätze gele­sen. Hmm, stimmt, die schrei­ben schon recht locker. So frisch von der Leber weg. Und dann, tja, der Autor heißt also Cle­mens. Ungläu­big wan­dern die Augen zum obe­ren Sei­ten­rand. Text, Fotos, ach ja, hier also auch. Das Dasein als freier Mit­ar­bei­ter bedingt, daß man nicht nur einen Arbeit­ge­ber (an)schafft. Nun muss ich mir also zwei Hefte zu Gemüte füh­ren. Oder schreibst Du noch für andere, käuf­li­che Tex­ter­zeug­nisse? Und hast Du die Texte von der Nord­schleife und dem Alpen­ur­laub noch? Nor­ma­ler­weise hebe ich die Hefte oder guten Texte immer auf, aber ein geöff­ne­tes Dach­fens­ter und ein kräf­ti­ger Som­mer­re­gen haben lei­der die­ses Vor­ha­ben unter­wan­dert… Ich könnte natür­lich viel Zeit und Arbeit inves­tie­ren, um nach­träg­lich her­aus­zu­fin­den, in wel­chen Hef­ten die Texte ver­öf­fent­lich waren. Oder ich könnte im Tausch gegen ent­spre­chende pdf-Dateien eine schö­nen, dop­pel­ten Dram eines 1986er Talis­kers (Dou­ble Matu­red) in der Distil­lers Edi­tion anbie­ten. Alter­na­tive einen 7 jäh­ri­gen Laphroaig, Sin­gle Cask in cask strength (irgend­et­was zwi­schen 55 – 62 %, die Fla­sche ist lei­der nicht gela­belt – Club­ab­fül­lung). Deal?

P.S: Schö­nen Gruß an den Kol­le­gen Gross­hans. Der Mann hat’s auch drauf.

Der Leser­brie­fon­kel dealt: Beste­chun­gen die­ser Art sind hier immer will­kom­men. Werde dafür sor­gen, dass die Alpen­ge­schichte zügig hier gepos­tet wird, sobald die Scotch­lie­fe­run­gen ein­ge­trof­fen sind. Die Story vom Nür­burg­ring (ja, es war das erste Mal) jedoch ent­stand wäh­rend mei­ner Fest­an­stel­lung bei MO unter Zuhil­fe­nahme zweier Foto­gra­fen, einer davon der Barm­her­zige per­sön­lich. Die kann ich also nicht so ohne Wei­te­res raus­rü­cken, es war aller­dings in MO 10–2008. Man kann die­ses Heft online noch nach­be­stel­len. Kol­lege Groß­hans freut sich über Heft­be­stel­lun­gen fast genauso wie über Lob, das ich ihm unmit­tel­bar wei­ter­ge­reicht habe.

Kommentare

  1. Krenni Franz - geschrieben am 18. August 2010 um 16:40 Uhr - Kommentar-Link

    Tja, da sag ich eigent­lich nix zu — nur Recht hat er.
    Zu der Lob­hu­de­lei möchte ich nur noch anfüh­ren, dass es da in der Ver­gan­gen­heit noch einen Schrei­ber­ling bei der MO gab, der neben CG und TG nicht ver­ges­sen wer­den darf und zwar Johan­nes Riegs­in­ger. Auch er wusste oder weiß wie man Mopeds fährt und dies auch ent­spre­chend beschrei­ben konnte oder auch immer noch kann. Aber er ist, so glaube ich, in die Auto­bra­che gewech­selt. Ewig scho drum!!

  2. Clemens Gleich - geschrieben am 18. August 2010 um 17:08 Uhr - Kommentar-Link

    In der Motor­ra­d­in­dus­trie, gene­rell beim Schrei­ben gibt es viel Herz­blut und wenig Geld zum ver­die­nen. Johan­nes Riegs­in­ger arbei­tet des­halb seit eini­ger Zeit als Pres­se­spre­cher, aktu­ell für AMG in Affal­ter­bach. Ich glaube jedoch, nein: ich weiß, dass es ihn immer wie­der mal juckt, doch im Frei­stil in die Tas­ten zu hauen. Werde ihm das impli­zite Lob bei Gele­gen­heit ausrichten.

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