Prostitution

Leserbriefonkel - 28.05.2010

Wil­helm Bre­mer über die Har­ley Sports­ter Forty-Eight:

Cle­mens, das ist alles nicht ganz so ein­fach! Vor 5 Jah­ren hätte ich Dei­nem Kom­men­tar über die Har­ley wohl ohne Vor­be­halt zuge­stimmt. Heute nicht mehr! Motor­rä­der ver­kau­fen sich  nicht nur mit Funk­tion, son­dern auch, oder vor allem, mit Emo­tion. Für die Motor­rad­fah­rer, die Ihr Zwei­rad auch wirk­lich art­ge­recht nut­zen wol­len heißt das wohl: Funk­tio­na­li­tät, Rei­se­taug­lich­keit, Schräg­la­gen­frei­heit, Unter­halts­kos­ten, Wie­der­ver­kaufs­wert, Spaß­fak­tor und  Sportlichkeit.

Und nun zur ver­meint­lich dunk­len Seite der Macht: Für die Motor­rad­fah­rer, die ihr Zwei­rad nicht so nut­zen wol­len, wie „die ech­ten Motor­rad­fah­rer“ (zu denen wir uns selbst­ver­ständ­lich zäh­len): Cool­ness­fak­tor, Sta­tus­sym­bol, Sound­ef­fekt, Öffentlichkeitswirkung.

Nun hat zunächst ein­mal Harley-Davidson es ver­stan­den, der gest­ri­gen, heu­ti­gen und mor­gi­gen Kund­schaft Motor­rä­der zu geben, die sie wol­len! Schon mit dem Ohr für den Kun­den lie­gen sie ganz weit vorne, da andere Her­stel­ler die emo­tio­nal bela­de­nen Modelle ein­stel­len und nur noch Motor­rä­der bauen, mit denen Sie über Stück­zahl an das Geld von Herrn oder Frau Bie­der­mann kom­men. Damit hat es Har­ley geschafft, MV Agusta zumin­dest auf bestimmte Zeit das Über­le­ben zu sichern! Die Bru­tale werde Ich mir an die­sem Sams­tag in der Eifel mal zur Brust nehmen.

Also wei­ter im Text: Du fin­dest die Har­ley scheiße, das ist eben so! Aber Du hast Dich, an mei­nen Ansprü­chen gemes­sen, pro­sti­tu­iert, als Du für Geld und nicht aus freien Wil­len (das ist übri­gens fast das Ein­zige, was die Men­schen vom Schim­pan­sen unter­schei­det) auf die­ses Eisen gestie­gen bist. Und wenn man nicht grund­sätz­lich ver­neint, dass es intel­li­gen­tes Leben auf der Erde gibt, dann könnte man auch zu dem Schluss kom­men, dass die­ses Motor­rad exis­tiert, weil es Men­schen gibt, die es kau­fen und damit glück­lich sind. Ich kann es jeden­falls nachvollziehen.

Wer nur zum Mar­ken­tref­fen, zur Eis­diele oder zur Ent­span­nung  mit so einem Gerät auf die Straße möchte, der soll es tun! Wenn ich kurz mein Gedächt­nis anstrenge, dann komme ich zu dem Ergeb­nis, dass mich die Har­ley­fah­rer die letz­ten Jahre meis­tens nur mit Ihrer Laut­stärke beläs­tigt haben, nicht mit Ihrem Ver­hal­ten im Stra­ßen­ver­kehr. Ich habe dass bestre­ben, für jeden Zweck ein­mal das rich­tige Motor­rad in der Garage ste­hen zu haben.Wenn es der Kon­to­stand zulässt, dann wird irgend­wann auch ein­mal eine Har­ley darin zu fin­den sein für die Crui­ser­runde um den Kirchturm.

Also ein wenig Tole­ranz und Ein­füh­lungs­ver­mö­gen für die Mop­ped­fah­rer mit dem komi­schen Lenk­kopf­win­kel  ist gele­gent­lich viel­leicht auch ange­bracht. Ich gehe davon aus, dass Dein Bericht in der MO ent­spre­chend for­mu­liert sein wird. Ich hoffe, Du wirst die Berichte hier in dei­nem Revier wei­ter­hin so unge­schminkt schrei­ben. Sollte die Qua­li­tät diese Bei­trags zu wün­schen las­sen, so liegt das wohl daran, dass kein  Sin­gle Malt  mehr da war  ; ) Aber dann kannst Du mir ja eine Charge schi­cken ; ) Wei­ter so!

Der Leser­brie­fon­kel stimmt zu: Ja, lie­ber Wil­helm, die Bru­tale sollte man unbe­dingt fah­ren. Und natür­lich gibt es, wie ich sel­ber schrieb, einen Hau­fen emo­tio­nale Gründe, Har­leys zu fah­ren. Ich seh nur den Zwang nicht, wieso ich das unbe­dingt gut fin­den soll. Ich kann mit die­sen Eimern über­haupt nix anfan­gen, des­halb lasse ich ja einen Sportster-Fan die Arti­kel­aus­sa­gen für MO machen, eine geniale Idee, die mir eine wun­der­bare Frau gege­ben hat (hallo Du!). Den Schuh mit der Pro­sti­tu­tion zie­hen wir uns übri­gens gern und sofort an, sobald Du schlüs­sig dar­legst, dass es in Dei­nem Job (für den Du ja eben­falls Kohle krisst) kei­ner­lei Län­gen oder Unan­nehm­lich­kei­ten gibt, keine bescheu­er­ten Kol­le­gen und keine lang­wei­lige Fleiß­ar­beit wie Akten sor­tie­ren. Bis dahin geh ich ein­fach davon aus, dass 99,99 Pro­zent der Bevöl­ke­rung grö­ßere Huren sind als wir.

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