Postamt
Schreiben Sie mir hier einen lieben Brief. Freu ich mich drüber. Oder schreiben Sie einen bösen Brief. Freu ich mich ebenfalls drüber. Denn manchmal sinds ja grade die ätzend feindseligen, die den höchsten Lesewert haben. Also: Schreiben Sie mir, aber vergessen Sie nicht:
Alles, was an leserbriefonkel [at] mojomag [Punkt] de geht, ist ein Leserbrief, den ich, sofern leserlich geschrieben, veröffentlichen werde. Schreibe an diese Adresse daher nichts, was du nicht auch der ganzen Klasse mitteilen möchtest.
…und jetzt schlagen wir auf die Weblogs ein!
Anton Schneider sticht in eine schwärende Wunde:
Da man sich unter „Bikern“ (uääh – hat mittlerweile den Beigeschmack eines Oberamtsrates in der kommunalen Heimbetreuung) nicht siezt eines vorweg:
ich kenne MO
ich kenne Dich
ich kenne Riegsinger (deinen Wegbereiter im gehobenen deutschen Motorradjournalismus)
ich kenne Reitwagen und Fastbike
ich kenne MCN, Visordown, Asphalt & Rubber, Crashnet, SpeedSeekers, ChurchofChoppers, motojournal (R.I.P.) usw. Ich kenne fast alles was mit Motorrädern — auch in schriftlicher Form — zu tun hat. Das meiste gefällt mir – manches nicht, aber das ist okay, sonst wär´s ja langweilig, wenn alle gut, intelligent, inspirativ oder sonstwie besonders begabt wären. Man braucht ja auch was, an dem man sich reiben kann, oder?
Aber wo es mir in linearer Steigerung meine perestaltischen Reflexe im Hals– und Kehlenbereich auslöst und mich heftige Fremdschämanfälle überkommen, kann man z. B. in diversen Links in der mittlerweile recht aktiven deutschen Motorradbloggerscene nachlesen.
Da gibt es… [Zensur! Da gibt es Zensur! –der Leserbriefonkel] Der Warnwesten-Warnbericht von M. Schwarz passt da wunderbar dazu. Dann kann man sich die x-te Island, Grönland, Irland oder Deutschland ausfahrt durchlesen. Es verhält sich so ein bißchen wie mit Golf 1 GTI (800kg Gewicht) und GTI 2011 (1.400kg Gewicht); der Spaß liegt im Weglassen.
Es ist sicher immer jedes einzelnen Philosophie; ich bin auch nicht mehr ganz jung, hab aber immer noch Höllenspaß am ausreiten, Renntrainings und flotten Alpenrunden, wenn möglich ohne Gepäck oder Ballast. Ich fahre H-D Softail ´89, Mille ME, Suzi GS 1000 Bj.77 und Ducati Scrambler und meine Oschersleben Zeiten liegen bei ~ 1.45 min. Ein bißchen etwas versteh ich auch von Motorrädern, aber ich kann die Kommentare von Großhans und Schwarz und auch von Dir sehr bestätigen, wenns um verkrampftes Motorradfahren geht.
Ich fahr manchmal mit netten Buddies und Frauen aus meinem Umfeld — nette Leute -, aber für mich ist es jedesmal eine Geduldsprobe, wenn mal z. B. pro Tagesausfahrt nur 250 km schafft und max. 2 Mal einen LKW überholt!
Wo gibt’s noch echte Männer mit Cojones auf der Sitzbank?
Der Leserbriefonkel rechtfertigt sich: Normalerweise lassen wir gern Leser auf Leute einschlagen, weil uns das die Arbeit abnimmt, das selbst zu tun. In diesem Fall habe ich zur Zensur gegriffen. Nicht, weil die Kritik falsch oder gar grob beleidigend wäre, nein: Sie ist sehr treffend. Sie ist außerdem sehr konkret. Sie betrifft zudem ausschließlich Andere. Und weil wir hier nicht über eine Firma reden, einen versierten Mediendarsteller mit öffentlicher Persona, die sowas abkann, sondern über die weniger Starken, will ich Rücksicht auf die nehmen. Ich bitte um Verständnis. Nur eines: Ja, als nicht mit der Werbung verbandelteter Weblogger, als Freipublizist, da kann man eigentlich alles frei heraus sagen. So frei ist aber dann keiner. Nein, wir haben eher einen Hang zum korrekt deutsch vorauseilendem Gehorsam, zur generell menschgegebenen Einreihung in den gesellschaftlich vorgegebenen Takt. Der Herr Schneider sei uns eine Erinnerung daran, dass man als Mensch zwar gern konform gehen will, das aber als Schreiber nicht ohne Umweg übers Hirnkasterl sollte. Denn einreihen können sich die Leser auch allein, dazu brauchen sie uns nicht. Wir haben nur dann einen Nutzen, wenn wir etwas liefern, das noch nicht in den Leserköpfen residiert.
Zu den Cojones: Toby hat den Jahresplan zusammengefasst: “Lass uns dieses Jahr so viel wie möglich und so schnell wie möglich Motorrad fahren.” Ralf Steinert fährt in modischen Sneakers auf der Tuono-Präsentation wie ein Irrer, weil sie sein Gepäck verworfen haben. Hätte ja auch heulend die Latte-Bar aufsuchen können. Timo Großhans hat seine alte Harley flottgemacht. Die Northwest 200 kämpft um mehr Fahrtage. Und Guido Kupper ist erstens wieder auf Speed und kauft zweitens gerade Kreidlers, als gäbs keine mehr. … Moment… Es gibt die Guten noch. Also vergessen wir sie nicht.
Warnwesten, MoGo-Dancer, Polizisten und die Frau
Frank Wiegel beklagt die journalistische Auseinandersetzung mit Geschwartel:
Jedesmal beim Lesen hier bin ich dankbar, dass es Leute gibt, die in unserer degenerativen Gesellschaft den Mut zum geistigen Protest haben.
Ich hatte mir selbst aus Protest eine kurze Auszeit vom Motorradhobby genommen und mich am Mountainbike versucht. Nachdem ich mehrere Flugstunden im Wald hatte, haben meine Rippen und Knochen jetzt genug vom Radfahren. Ganz zu schweigen von der MTB-Szene, die noch bescheuerter ist als die Mopped-Szene. Ich bin jetzt aber wieder clean.
Mir fällt auf, dass das Thema Polizei nach wie vor einen großen Stellenwert hat. Natürlich ist das ein Reizthema. Ich bin aber der Meinung, dass man der Zweifelhaften Macht der Verkehrspolizei nicht noch dadurch Aufmerksamkeit zukommen lassen sollte, indem man ständig darüber schreibt. Auch wenn es Spaß macht. Für mich ist ein Provida-Motorrad das Allerletzte. Hinterlistige und dumpfe Abzockerei des Staates und Bedürfnisbefriedigung einzelner, mit Minderwertigkeitskomplexen behafteten Polizeibeamten.
Kennst du Verkehrspolizisten näher? Ich kenne welche! Einem steuerzahlenden Bürger, der in der Regel einsichtig ist, 40 € abzunehmen, weil er nicht angeschnallt ist, bedarf einer außergewöhnlichen Armut an Charakter und Feingefühl. Augenmaß, Toleranz, Mitgefühl, Gelassenheit… Fehlanzeige. Als Nebenprodukt tritt noch eine fachliche Verblödung ein. Eine teuflische Kombinaton.
Soll man solchen Personen eine Plattform bieten? Ich denke nein. Selbst wenn man damit nett provozieren kann. Das haben die nicht verdient. Wer hat noch keine Aufmerksamkeit verdient: Warnwestenträger, Motorrad-Gottesdienstbesucher, Reifenflankenschoner, Klimamebranfetischisten, …ich kürze ab, alle großmäuligen, bedenkentragenden Weltverbesserer, die glauben, Motorradfahren hat was mit Sicherheit zu tun.
Ich würde gerne mehr schreiben, muss aber aufhören, weil mir meine Frau über die Schulter guckt.
Der Leserbriefonkel warnt: Vorsicht mit dieser Frau! Vielleicht ist sie eine MoGo-Dancerin oder anderweitig für die Gegenseite tätig. Der Grund, warum Clemens Gleich über diese Gegenseite schreibt, obwohl das, wie du richtig bemerkst, nicht richtig™ ist, liegt ganz einfach in seinem defizitären Charakter. Er ist zwanghaft querulant, hat sogar ein Attest dafür, nimmt irgendwelche teure Medizin aus Schottland dagegen.
Der Ausflug in die MTB-Szene könnte auf eine beginnende Motocross-Manie hindeuten, wirft Dr. Gleich aus dem Off ein. Bitte beobachten.
GT oder GTL? GTR!
Nils Gessinger interessiert sich für die BMW K 1600 GT:
Hut ab vor Deiner Website: unorthodoxe Berichte, abgeklärte Schreibe, kurz: Clemens Gleich – der Bonvivant des gepflegten Motorradjournalismus.
Allerdings werde ich nicht ganz schlau über Deine Verbandelung mit MO: 2007 / 2008 schriebst Du zwei wundervolle Artikel in MO über die 1400GTR, bei denen ich vor Lachen fast hintenüber gefallen wäre und die mir mitunter meine Entscheidung, die GTR als Neufahrzeug nach einem schweren Unfall (übliches Prozedere: Treckerfahrer übersieht mich, Abgang in die Botanik nebst Schulterbruch und freundlicher Aufnahme mit Zwischenstopp im Krankenhaus) und Ableben meiner geliebten XVZ 12T in die ewigen Motorradjagdgründe zu erwerben, recht leicht machten. Nach Rücksprache mit MO durfte ich freundlicherweise diese Artikel im 1400GTR-Forum posten – danke!
Damals noch Volontär, dann festangestellt (nach Rückfrage und Versicherung dessen wurde ich dann MO-Abonnent) und nun: freelance mit Abgabeoption einiger Artikel in MO?
Habe noch nicht alle Artikel auf Deiner Website durchgelesen, doch darf ich so schon huldigungsvoll anerkennen: Du bist für mich einfach der Größte im Motorradjournalismus. Selten solch eine tolle Schreibe goutieren können: geschmackvoll, derb, humorvoll, unprätentiös, unorthodox, mit viel Sachverstand ausgestattet, politically completely uncorrect, amtlich – geil! Mach weiter so! Und daß Du so ganz en passant auch noch eine gepflegtes Halbwissen mit gelegentlichen Schiller-Einwürfen vom Stapel läßt und die Leser sogar noch nötigst, bei manchen Fremdwörtern doch mal eben bei Wikipedia nachzuschlagen und dies nicht mittels Inversschrift (Zeit…) für die Dummen kenntlich machst, spricht für Dich. So – genug der Lobhudelei.
In irgendeinem Artikel (weiß nicht mehr, welcher) schriebst Du davon, daß es doch nur mit einem Partner so richtig auf dem Moped Spaß macht (oder war es eine Artikelübernahme?): dem kann ich voll und ganz zustimmen. Zwar mußte ich meine Frau ganz langsam und behutsam an das Mopedfahren heranführen (nachdem sie eigentlich geschworen hatte, nach einer äußerst unüberlegten Vollgummi-GS-Erstfahrt mit ihrem Ex-Mann nie mehr mitfahren zu wollen); die Bestätigung des Gelingens dieses Unterfangens durfte ich hautnah erleben, als sie urplötzlich am Pordoijoch von Kurve zu Kurve wedelnd juchzenderweise Laute von sich gab wie: “ja, mehr, schneller” – wie auf der Holger-Aue-Tasse). Obwohl sie bisher immer ein Topcase zum Anlehnen brauchte, fährt sie mittlerweile fast schon lieber des Spaßes wegen auf der Vmax 1700 mit, auf welcher nun wirklich Runterfall-Gefahr herrscht, sie aber das unglaubliche Drehmoment dieses Hobels nach vorheriger Abfeuerwarnung es umso mehr genießt.
Zwar mache ich übers Jahr hinweg genügend Einzelfahrten (ca 25 – 30.000 Km Jahresfahrleistung), doch sind die Fahrten zu zweit doch am Schönsten, weil man die Eindrücke einfach direkt teilen kann – und da genügt das gemeinsame Genießen ohne Anschalten des Intercom. Ich wundere mich immer, wenn gegen Nachmittag nach erst 6 Stunden Fahrt dann doch verstärkt die Bitte nach einer Pause kommt, während ich einfach bis zum Abendessen durchfahren könnte. Doch im Sinne einer entspannten Sozia willige ich dann doch in die schmerzlicherweise fahrtverkürzende Unterbrechung ein.
Leider kann ich Dir bei Deinen Technikartikeln in MO nicht so richtig folgen, da mir als Musiker die Schraubfähigkeit total abgeht (und ich auch nicht mehr spielen könnte, würde ich schrauben), auch überspringe ich trotz geschenkten, kofferbewehrten Trainings auf dem A1 Ring die meisten Artikel des Sport-/Kreisfahrens, doch labe ich mich immer noch am Deinem Schreibstil und inhaliere förmlich Dein gedrucktes Wort.
So komme ich nach Deinem letzten Bericht über die K 1600 ins Schwanken: eigentlich dachte ich, daß Dir die GT als Vertreter der doch gepflegteren Schnellfahrfraktion mehr zupaß käme, doch wurde ich im Artikel eines Besseren belehrt, da Dir doch wohl die GTL mehr zusagt. Ich selbst habe morgen eine Probefahrt der GT (GTL noch nicht verfügbar), weil ich auf das Drehmoment im unteren Drehzahlbereich gespannt bin, obwohl ich BMW bisher schon alleine wegen der m.E. desaströsen Optik und der manchmal offensichtlichen Fehlkonstruktionen (geplatztes Getriebe etc., oder war es Kupplung?) links liegen gelassen habe. Ich könnte mich im Falle des GT sogar mit den BMW-typischen Designverfehlungen (z.B. Koffer / Frontverkleidung) anfreunden, wenn das Triebwerk mir gut genug erscheint.
Ich habe ca. 20 Jahre lang eine XVZ 12T gefahren (das damalige Yam-Pendant zur Goldwing) und war immer sehr zufrieden mit Antrieb und Komfort. Das V4-Triebwerk war ja auch die Urform der damaligen Vmax, welches ich im Vergleich zu heutigen Reihen-Vierern wie der GTR wegen der “direkteren” Schubumsetzung immer noch präferiere (weswegen ich mir dann noch zusätzlich die Vmax 1700 gekauft habe). Auch ist mir in den Alpen keiner der sogenannt wendigen Sportlerfraktion davongefahren – zwar zogen sie auf den Gerade kurz davon, jedoch konnte ich das in den Kurven wieder wettmachen – jaja, man mag es kaum glauben bei diesem Dickschiff!
Ich würde sehr gerne von Dir wissen, ob die Schräglagenfreiheit der GTL signifikant geringer ist im Vergleich zur GT oder noch im Bereich der Erträglichen. Dann würde ich nämlich, gerade mit der Erfahrung der XVZ, doch der GTL den Vorzug geben, da ich letztlich doch auf Komfort, aber mit genügend Dampf, stehe.
Der Leserbriefonkel empfiehlt: eine Probefahrt natürlich! Denn das Motorrad, an das der Herr Gleich am meisten gedacht hat bei der GT, das war Kawas 1400 GTR. Die macht ja im Prinzip dasselbe, nur mit weniger Technik. Und weniger Komfort. Und weniger Verkäufen. Deshalb hat dir auch der Herr Leserbriefonkel der MO (ich weiß das, alle Leserbriefonkels der Welt stehen in ständigem telepathischen Kontakt) diese Kawasaki damals angedreht. Sie ist ein sehr unterschätztes Motorrad, das man deshalb zu sehr unterschätzten Preisen schießen kann. Und dass der Herr Gleich schon 2009 bei MO gekündigt hat, steht auch irgendwo.
Nils weiter nach seiner Probefahrt:
Du hast Recht! Ich habe vorgestern (als erste Motorradamtshandlung
2011) die GT gefahren und bin, gelinde gesagt, enttäuscht. Hatte schon die Wahnvorstellung, meine geliebte GTR sowie die Vmax eventuell für eine GT herzugeben, im Irrglauben, die GT könnte “the best of both worlds” (GTR = Tourentauglichkeit, Komfort; Vmax = Schub ohne Ende wg V– Triebwerk von ganz unten raus) vereinen. Doch weit gefehlt. Ohne Dich langweilen zu wollen, meine positiven Eindrücke in Stichworten:Negativ:
- Motor auch nicht viel anders als die GTR – ist eben Reihenzylindermotor mit Schubcharakteristik wie ein Gummiband = am Anfang langsam, dann immer mehr kontinuierlich schneller werdend.
- Konnte keinen großen Unterschied wegen des 6-Zylinders entdecken • Getriebe! Wieso kauft sich BMW nicht einfach bei den Japanern ein?!?
- 1-Gang-Klonk so laut, daß Passanten zum Köpfe-drehen genötigt werden; jeder Gangwechsel mit deutlichem Geräusch
- Malgeräusche beim Konstantfahren, turbinenartiges Geräusch
- Telelever für “Normalfahrer” ungewohnt – kein direktes Vorderradgefühl
- iPod Verbindungskabel (45€!) muß zwingend für iPod Gebrauch dazugekauft werden
- Optik – zwar schon besser geworden, aber die Koffer gehen gar nicht.
- Danke für die Nonasymetrie im Gesicht!
- Schalthebel zu nah am Motorblock, habe anfangs des öfteren ins Leere gefußelt
- Drehmoment normal, ähnlich GTR; war geblendet von Presse mit 175 NM; kein Vergleich zu Vmax, sind dann doch eben mal 40 PS mehr bei Vmax.
- Zubehörpreise frech – Innentasche für Koffer 90 € (nur EINE Innentasche)!
Positiv:
- ESA II – Fahrkomfort hervorragend; Sozia wollte gar nicht mehr absteigen und schwärmt nur noch…
- Bremsleistung gut; Integralsystem sinnvoll eingesetzt
- großer Lenkeinschlag
- Sitzheizung stufenlos regelbar; eigentlich für die Weicheifraktion, war dann aber doch angenehm bei 6 Grad Celsius
- Auspuffsound nur beim Beschleunigen gut
Gestern habe ich meine GTR zugelassen und wußte schon nach den ersten Kilometern: richtige Entscheidung. Trotz der Unzulänglichkeiten (Bremsscheiben rubbeln irgendwann; Tank rostet ein wenig unter Sitz; hinteres Federbein dämpft zu schlecht) hat die Kawa, was BMW wohl nie haben wird: Esprit. Irgendwie wirkt die BMW trotz aller Gimmicks eben immer noch zu deutsch (was natürlich per se kein Nachteil sein muß!), pragmatisch, praktisch, gut. Aber eben nicht geil!
Ich stimme Dir völlig zu: die Japaner testen und testen – und die Maschinen lassen einen so gut wie nie im Stich. Bei der BMW wäre ich mir nicht sicher, ob mal wieder der Kupplungskorb platzt oder ähnliches.
Der Leserbriefonkel spekuliert: auf Verkaufsbeteiligung. Meine telepathischen Fähigkeiten sind mittlerweile so ausperfektioniert, dass ich jedem sein lebensletztes Motorrad verkaufen kann. Sollte dafür Provision einfordern.
Mein eigener Rennfahrer!
Michael Ferger, Mechanikus von Jesko Raffin, schreibt:
So, wir sind wieder gesund und munter zurück aus Spanien. Als erstes muss ich gestehen, dass ich schon ein Fan der Mojomag-Seite bin. Das wiederrum ist auch der Grund, warum ich mich für was entschuldigen muss, das ich auf die Schnelle aus dem Bauch heraus entschieden habe: Ich war so unverschämt und hab das Mojomag-Logo von der Seite geklaut, um noch schnell nen kleinen “Uffbäber” machen zu lassen. Der schmückt nun den Bug von der R6.
Ich hoffe, die Entschuldigung wird angenommen ;-)
Medienkompetenzgewinn
Michael Kohler kommentiert die Medieninkompetenz:
Es stimmt, BMW macht hervorragendes Marketing für seine Motorräder. Es stimmt, die S 1000 ist ein tolles Motorrad, wirklich. Meiner Meinung nach ist der eigentliche Vorteil dieser Maschine zuerst einmal das zu Recht erstklassige Image des Herstellers. An zweiter Stelle die Tatsache, das BMW vor allen anderen begriffen hat, was Fahrhilfen (ABS, TC, Schaltautomat) bewirken können bei einem modernen Supersport Motorrad. Der laut Fachpresse tollste Punkt an der S 1000, die extreme Motorleistung, bringt ca. 98% aller Interessenten und Käufer rein gar nichts. Die würden mit 150 PS im gleichen Bike genauso schnell (oder langsam) fahren. Zum Schwanzvergleich taugt’s aber hervorragend!
Was mich wirklich wundert, ist die Überlegenheit des Motorrads bei Vergleichstests auf der einen Seite und der für mich fehlende Amtliche Nachweis auf der anderen Seite durch entsprechende sportliche Erfolge. BMW pumpt nach meiner Überzeugung Mehr Geld in die Entwicklung der S 1000 SBK Rennmaschine als alle anderen Hersteller der SBK WM Serie. Einfach weil die mehr Geld als die anderen haben.
Die sind mit diesem Motorrad seit 2009 dabei. Aprilia mit der RSV4 hatte einen vergleichbaren Start: Einstieg auch 2009 in die SBK WM, nagelneues Motorrad, dazu noch definitiv keine eins zu eins Japan Kopie in Sachen Konstruktion und Aussehen, sondern etwas völlig neues. Und mit dem Unterschied, das Biaggi im 2ten Jahr den Fahrer und Konstrukteurs titel abgeräumt hat. BMW träumt derweil noch vom ersten Laufsieg.
Man kann jetzt sagen, ein Serienmotorrad ist weit weg von der WM. Im Fall dieser Beiden aber sooo weit auch wieder nicht. Auch in der WM hat die Aprilia den Vorteil des kompakten V4 und der sehr zierlichen Abmessungen. Ich bin auch nicht der Meinung, das die BMW die beste 1000er für die Landstraße ist. Dort gibt es die Honda Fireblade und die Yamaha R1, die besser performen.
Es ist für mich eine Enttäuschung, dass die “Fachpresse” die BMW derartig toll findet. Für jedermann sichtbare Mängel in Sachen Finish und Qualität werden NIE erwähnt bei Vergleichstests. Ich denke da an die Oberflächenqualität des Hauptrahmens, die Passgenauigkeit und das Finish der Plastikteile, der Heckrahmen im 80er Jahre Look und andere Dinge.
So etwas gibt’s an einer RSV4 nicht. Dafür haben die aber anscheinend ein richtig schlechtes Marketing. Aber da kennst Du dich besser aus. Ich kaufe Motorräder und andere Dinge fast immer nach dem Grundsatz Preis-Leistung. Und da sehe ich Aprilia bestens aufgestellt mit der aktuellen Produkt-Range. Interessant, was du schreibst über die Aprilia-Presseabteilung. Ich glaub dir das, und für mich ist das eine große Enttäuschung und erklärt das mäßige Image. Ich würde mir aber wünschen, hier zwischen Produktqualität und Kommunikations– und Serviceproblemen zu unterscheiden.
Und wenn es so ist, das die Motorräder heute üblicherweise die Bedarfsprofile der Käufer problemlos übererfüllen und der Kauf am ende zur Emotions– oder Imagesache wird (in diesem Punkt widerspreche ich dir nicht), für was brauche ich dann noch eine Fachpresse? Ich bin Verbraucher wie wir alle und erwarte einfach eine neutrale und kompetente Berichterstattung. Vielleicht bin ich da ja zu sehr old fashion, mag sein; aber ich gehöre zu den Leuten, die von einer Berichterstattung im Internet oder in Magazinen einfach erwartet, das sie mir sagt, ok, das ist das beste Produkt für deine Kohle und was du damit machen möchtest. Ob ich es dann kaufe, ist ja immer noch mein Bier.
Der Leserbriefonkel vernichtet Vorurteile: Oh, oh, oh, so viele Fragen! Und so viele Fehleinschätzungen: Also, der Verkaufserfolg eines Fahrzeugs ist unabhängig von Rennsporterfolgen, von der Meinung der Fachpresse oder davon, wie gut es auf “Bedarfsprofile” der Käufer passt. Es gibt in der Geschichte des KFZ-Baus drastische Beispiele und eine gute Simpsons-Folge, die zeigen, was passiert, wenn man das baut, was spätere Nichtkunden denken, was sie wollen: nichts nämlich, zumindest nichts Verkauftes. Nein, die Kundschaft muss nur dem Produkt derart ausgesetzt werden, dass die Emotionalität klickt, denn die allein verkauft, wie uns die Verhaltensforschung beweist. Gutes Beispiel der Mini. Als Kleinwagen ist er ungefähr beschissen. Als emotionales Statement auf Rädern ist er der Renner. Weiter gibt es zwar vereinzelt kompetente Berichterstattung, es gibt aber keine unabhängige Berichterstattung, weil die Fachpresse massiv von den Herstellern abhängig ist. Und schließlich und letztens möchte ich nochmal betonen, dass die Produktqualität der neuen Piaggio-Aprilias eben auch scheiße ist. Das geben sie ja sogar zu. Es ist halt nicht der Grund, warum sie im Verkaufsraum abkacken. Nein, sie kacken gegen die Bayern ab, weil BMW die Leute ins haben-wollende Herz trifft und die Aprilianer das nichtmal mit Biaggis Gewinn der SBK-Weltmeisterschaft schaffen.
