Flatliners

Die IVW misst immer noch fleißig die Reichweite von Publikationen, obwohl dort einige ausgestiegen sind (Huber-Verlag) oder gar nicht erst einsteigen. Ich schaue schon gar nicht mehr nach, weil Maik eh jedes Jahr die Zahlen schickt. Er tut das, weil jedes Jahr Schocker drin sind. Ich dachte ja, der Leserschwund verhält sich wie die meisten Schwünde und verlangsamt sich untenherum in einer exponentiellen Abnahme. Aber irgendwie geht es stattdessen mit Vollgas weiter. Die Motorrad hat am Kiosk pro Heft im 4. Quartal von 33.232 Lesern (2017) auf 25.609 (2018) verloren. Das sind satte 23 Prozent der Kioskleserschaft in einem Jahr, das ohnehin schon in einer Reihe der mageren Jahre steht. Die PS verkauft am Kiosk nur noch 10.764 Exemplare, auch hier 19 Prozent Minus gegenüber 2017 (13.258). Wir reden hier vom Marktführer.

Update, damit man ned denkt, hier ginge es um was Motorradspezifisches: Das geht grad allen so. „Auto, Motor und Sport“ krebst genauso herum.

Vor zehn Jahren hätte man sich jetzt die Hefte des 4. Quartals 2017 angeschaut, sie gegen ihre Pendants aus 2018 gelegt und sinniert, welche Art von Heft der Leser wohl am liebsten kauft. Das kann man immer noch machen, es bringt einem aber keine Erkenntnis. Ich glaube nicht, dass Motorrad und PS schlechte Hefte gemacht haben oder auch nur schlechtere gegenüber 2017. Vielmehr sehen wir den Effekt der Grundaufstellung. Wer sich über sein Hobby „Motorrad“ auf dem Laufenden halten will, braucht dazu nicht alle zwei Wochen eine Motorrad zu kaufen und will das immer weniger. Was da an Neuem drinsteht, weiß er längst, wenn er es wissen will. Seit einigen Jahren erschrecke ich, wenn ich Themen in Motorradheften behandelt sehe: Das war doch vor zwei MONATEN!

Rettungsinsel Wochenblatt

Die naheliegende Idee: Man konzentriert sich weniger auf Nachrichten und mehr auf Geschichten längerer Halbwertszeit. Mein liebstes Leserzitat als Leserbriefonkel der MO war ja: „Ich kaufe die MO nicht, weil ich Infos brauche. Ich kaufe sie, weil ich Unterhaltung zum Thema Motorrad suche.“ Eine Nische dafür gibt es offenbar, aber mit 14.850 verkauften Heften am Kiosk ist sie jetzt auch nicht mehr größer als Timos Ex (CamperVans). Keine Angst, wir brauchen uns nicht alle Zahlen aller Hefte anschauen, die stehen bei der IVW und wer nach etwas Winterdepression sucht, kann sie dort in aller Ruhe nachlesen. Zusammenfassung: Es geht allen Motorradverlagen scheiße, keine Ausnahmen. Die PS bietet Print-Unterhaltung für alle, die „sportlich schnell Motorradfahren“ wollen. Wer sich auf den Straßen unter Einspurern umschaut, kann live erleben, wie viele davon noch übrig sind, die sich sowas auf Papier holen statt auf Youtube.

Äpp*hrrchott-chottkkch!*

Ein Print-Heft kaufen Leser, weil sie es so gewohnt sind oder an diese Gewohnheit noch herangeführt wurden. Das gilt jedes Jahr für weniger Menschen, denn die Alten sterben und die Jungen holen sich ihre Infos und Unterhaltung von Bildschirmen. Die Branche behält ihre gedruckten Hefte nur deshalb bei, weil sie kein Geschäft auf diesen Bildschirmen gefunden hat. Die Motorpresse hat sich mutig vorgewagt mit Äpps, in denen aber kaum einer Hefte kauft. Mittlerweile habe ich die Äpp endlich pflichtschuldig ausprobiert. Da würde ich auch nix kaufen. Sie zeigt mir pro Heft eine Inhalts-Doppelseite und sonst nix. Der Kioskkäufer blättert Artikel an, um sich zu entscheiden. Wieso sollte das am Bildschirm anders sein? Die Antwort auf diesen Fragekomplex lautet natürlich nicht, dass die Leute in der Leuschnerstraße zu blöd sind, sondern es liegt hier ein Aufwands-Dilemma vor: Der erste Mut wurde nicht belohnt, besser machen kostet Geld, von dem man aktuell schätzen muss, dass man es nicht wieder reinkriegt. Also bleiben Digitalmagazine in Äpps ein Gekacke. Nichtkaufempfehlung.

Rausschmiss: Digital first!

Über den Online-Markt haben wir anderntags schon ausführlich gesprochen. Um hier Gas zu geben, hat sich der Huber-Verlag vor einiger Zeit Bikerszene-Matthias geholt. Nach kurzer Zeit machte aber das Print-Heft Roadster finanzielle Probleme, sodass die neuesten Mitarbeiter gehen mussten, darunter auch Matthias. Die Roadster wird weiterhin publiziert. Rein menschlich wird jeder diese Entscheidung nachvollziehen können. Ökonomisch kann es jedoch durchaus sein, dass wir in zwanzig Jahren (oder beim derzeitigen Tempo: zehn) auf diesen Punkt der Zeitleiste zurückkommen müssen in der Nachbesprechung. „Der Huber Verlag wächst und gedeiht prächtig“, steht dagegen auf der Unternehmensseite. Wenn ich mich also derart irre: Applaus. Glaube ich aber nicht.

Bei den Online-Kunden, die ich habe, steht und fällt alles mit den Werbeeinnahmen, ganz wie vor 20 Jahren. Diese Strategie scheint richtig zu sein, wenn man die letzten Untersuchungen zu Paywalls liest: Die Leute sind genervt davon. Also funktioniert Leserfinanzierung doch nicht? Gegenthese: Könnte es nicht schlicht sein, dass Leute genervt sind von falschen Versprechungen (etwa ein nicht weiter erkennbarer Link, der auf einen Zwangszahlartikel führt) und von überhöhten Preisen? In den USA haben Zeitungen von 2006 bis 2011 20 Prozent ihrer Leser verloren. Im gleichen Zeitraum erhöhten sie die Preise um 40 bis 60 Prozent. Dieses Handeln wider jede Marktregel hat sie (o Wunder) weitere Leser gekostet. Und dabei haben wir noch nicht über die Qualität geredet.

Die FAZ will für ein Abo mit Sonntagsausgabe 75 Euro pro Monat von dir (Print). Digital sind es 55 Euro und ich kriege aus unerfindlichen Gründen an den Wochenenden dennoch Altpapier ins Haus geschmissen. Die SZ bietet mir aktuell einen „Vorzugspreis“ von 40 Euro für ihren Papiermüll an, keine Ahnung, wo ich „nur die Infos digital, bitte“ anklicken könnte. Das wäre alles nicht schlimm, wenn diesen Kosten ein entsprechender Wert gegenüberstünde. Wenn du allerdings die Zeitungen liest, findest du da drin praktisch nichts, was nicht auch kostenlos auf deren Online-Seiten steht – mit Ausnahme von einem Lügenmärchen vielleicht. Also haben wir kontinuierliche Preiserhöhungen bei gleichzeitig sinkender Qualität und Nachfrage. WARUM NUR FUNKTIONIERT DAS NICHT?! Wir brauchen einen Mäckkinsieh-Berater!

Lage der Nation

Wer hier am Textende Lösungen erwartet, muss ein Neuleser sein, dem ich das sage, was ich immer sage: Wenn ich Patentlösungen hätte, würde ich die den Verlagen längst verkaufen. Springer-Chef Döpfner hat jedoch recht, wenn er sagt, „… mit einer Lebenslüge müssen wir aufhören: dass die viel beschworene Zeitungskrise durch technologischen Wandel verursacht ist. Das stimmt nicht, das ist ein Alibi.“ Man betrachte die Aussage im Kontext der eben diskutierten Zahlen und schmunzle wie immer bei Döpfner darüber, wie gut seine Kritik in den eigenen Verlag passt und was er gleichzeitig für Absurditäten absondert, etwa eine staatliche Subventionierung für Zeitungsausträger, weil Altpapier so wichtig sei für die Demokratie.

Döpfner empfiehlt dabei immer dasselbe. Irgendwelche „Chancen nutzen“. Welche denn? Also, konkret? Das ist immer dasselbe Geseier, mit ein paar Nennungen von erfolgreichen Publikationen. Die Erfolge ändern sich aber mit dem Markt. Ja, hinterher sind wir alle schlauer, Mathias, nicht nur du! Was immer gilt: Mit guten Inhalten machst nix falsch. Aber letztendlich bin ich mir mittlerweile sicher, dass a) der Journalismus-Markt deutlich schrumpfen muss und b) das keinen Leser kümmern wird.

Spenden wandern in Flughafenbier für Kollegen bei der KTM-Präsentation. Das ist also in etwa so, wie wenn du einem Penner einen Euro gibst, den er sofort in Alk investiert. Nur mit seinen Kumpels. ?

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Kommentare:

ältere
  • Flatliners – Mojomag – Westbiker´s Checkpoint meinte am 18. Januar 2019 um 15:16:

    […] Weiterlesen […]

  • Wolfgang W meinte am 18. Januar 2019 um 18:39:

    Mal so gesagt, es ist einfach nicht mehr interessant genug und nervt ob der Oberflächlichkeit. Ich habe gestern mein MO – ABO nach langen Jahren endlich gekündigt. Nicht nur das ich immer mehr den Eindruck habe, es werden nur noch Pressemitteilungen aufbereitet, selbst die angeblich Redaktionseigene Berichterstattung wie „Produkttests“ spricht mich nicht mehr an; kein Unterhaltungs- oder Informationsmehrwert zu selbst gesammelten Daten. Dazu gehen immer weiter Mitarbeiter fort, als ob vieles ausgelagert würde.

    Was für ein Magazin ich jetzt noch lesen will, muß ich noch sehen.

    Da fällt mir noch ein, die Motorrad hat in der letzten Zeit Halbjahres-Abos geradezu verramscht für effektiv 10 Euro ungefähr. Wer soll da noch regulär kaufen wollen?

    • Clemens Gleich meinte am 19. Januar 2019 um 11:52:

      Ich glaube, dass die Motorpresse sich immer noch an den Gedanken krallt, dass kostenlose und unterpreisige Abos diese Leute ans Produkt binden. Dazu kenne ich deren interne Zahlen zwar nicht, zweifle aber ob der Ergebnisse an der Effektivität dieser Maßnahmen. Im Gegenteil glaube ich, dass verramschen dein Produkt langfristig entwertet.

  • Christian Ahrens meinte am 18. Januar 2019 um 20:12:

    Hallo Clemens, n Euro dafür. von mir aus haut ihn auf den Kopf am KTM-Stand. Recht hast du und wieder und wieder recht mit deinen ganzen Analysen und Überlegungen. Ich gehöre auch zu denen, die leider kein Papier mehr kaufen, es unterhält halt nicht. Und Fakten, die mein technisches Interesse füttern, gibt‘s frei Haus auf den Bildschirm. Mein Einwurf in die Kirschenkiste soll dich vielmehr ermutigen, das was du an Mangel beklagst, selbst herbei zuschaffen…. deine unterhaltsamen Reisegeschichten von den Gravitationslinsen aka den Reiseenduros oder dem Australientrip mit dem Koleos….. du hast das gut gemacht! Und so ein Kanal fehlt mir…. Dafür wird auch gern wieder was bezahlt. Man müsste das so machen, daß man die Artikel mehrseitig layoutet und jede Seite kurz anlesen kann, (dann wird‘s grau)ob‘s auch wirklich von Interesse ist…Als Endnutzer find ich das am besten, pro Artikel zahlen zu können. Ansonsten kann ich ja gleich wieder an n Kiosk wackeln und das Heft holen, aber das kapieren die nicht bei der Zeit oder dem Spiegel.
    Stich in die Lücke und mach intelligente Unterhaltung mit eingewobenen Fahrzeugen.
    Ich weiß, gleich rümpfst die Nase, aber genau deshalb war Top Gear all die Jahre erfolgreich…einfach n paar Eskapaden für gaskranke Petrolheads.

    Bis bald Christian

  • Thorsten meinte am 19. Januar 2019 um 16:52:

    Sehr interessant. Ich sitze ja genau auf der anderen Seite, bin also derjenige, der darüber entscheiden soll, welches Magazin denn geeignet ist, um unsere Produkte bekannter zu machen – und zwar EUROPAWEIT. Deshalb habe ich auch einen sehr guten Überblick, was Werbung so in verschiedenen Ländern kostet. Und ich sehe, welche Entwicklung Magazine nehmen, in die man sich ausgesprochen günstig einkaufen kann. Ganz ehrlich, da ist der Informationsgehalt derart dürftig, dass man sich fragt, wer für diese sinnlos bedruckten Papiere noch Geld bezahlt. Um gute unterhaltsame Hefte zu machen, braucht man gute Schreiber. Und die sollten vernünftig bezahlt werden. Auf der anderen Seite locken die digitalen Online-Fuzzis, wenn es Motorrad-Content sein soll, gerne MotoVlogger genannt. Was die allen Print-Medien voraushaben ist Transparenz – sie liefern Clickzahlen, demografische Daten der User und vieles mehr. Ob das immer stimmt, kann man so gut wie nicht überprüfen. Aber dennoch spüren wir an allen Ecken und Enden – Print wird es in Zukunft sehr schwer haben. Und der Beruf des Redakteurs muss bald unter Artenschutz gestellt werden. Ich lese übrigens immer noch lieber, als mir irgendwelche Videos zum gleichen Thema anzusehen. Dennoch mache ich mir nichts vor… auch ich gehöre zu einer aussterbenden Spezies – als jemand der kein Digital-Native ist, der noch lesen kann und der Deutsch Sprache so mächtig ist, dass er immer noch Freude an gut geschriebenen Texten hat. Bis bald. Thorsten

  • Peter M meinte am 20. Januar 2019 um 11:10:

    Ja, das ist wahr. Vor Jahren habe ich die letzten Exemplare von „Motorrad-Abenteuer“ usw. gekauft. Da steht nichts mehr drin was mich interessiert und selbst wenn, glaube ich nicht was sie schreiben:
    Reise-Enduros mit 230-270 kg (mit Anbauteilen), Elektronik-Firlefanz und 150 PS, 12.500-20.000€ als perfektes Motorrad zum Reisen. Nee ist klar!
    Vor kurzem hypten sie die 1200er Scrambler als Offroad-Motorrad..
    Warum?
    Triumph hat die üblichen Verdächtigen: Red. Blogger usw. zur Präsentation nach Spanien eingeladen, dort durften sie dann geführte Touren vom Luxus-Hotel in die nähere Umgebung machen. Danach waren sie ALLE total begeistert vom Motorrad und schrieben und bloggten Lobeshymen um die Wette.
    Was passiert, wenn man so ein Poserbike mal in den Schotter schmeißt?
    SCHWEIGEN!

    Gerne testen sie auch Motorrad-Klamotten in höchsten Preisklasse.
    Die gibt´s dafür für lau oder zum Vorzugspreis und der Red. ist glücklich:
    -TeuerTech Helm, Jacke, Hose, Schuhe (4 kg schwer) für 3.000€…
    Muss man kaufen!
    Bei Klim wird´s dann noch mal fast doppelt so teuer.
    Klar sind die Sachen besser als Einsteigerklamotten, aber 10-20 mal?

    Die Red. vom „Motorrad-Einheits-Presse-Verlag“ schreiben vorsätzlich am Leser (und der Wahrheit) vorbei und das Ergebnis sind fallende Verkaufszahlen… zu was?
    Zu recht!
    Vielleicht bekommt Herbert Schwarz ja das Ruder herum gerissen… aber ich habe Zweifel.

  • Volker meinte am 22. Januar 2019 um 12:54:

    Hmmmmm. Printmedien… *überleg*

    Wann hatte ich eigentlich zuletzt tote Bäume in der Hand? Also mal abgesehen vom „leidenschaftlichen Truderinger Stadtteilmagazin“ (O-Ton TYPOGLYPH Publishing), das mir trotz Werbung-nein-danke-ja-auch-der-ganze-andere-Gratisscheiß-ohne-meine-eigene-Adresse-Aufkleber immer eingeworfen wird? Und natürlich ohne die BLLV-Postille für meine bessere Hälfte mit seiner wirklich, WIRKLICH schlimmen Aufmachung, die auf unserer Gästetoilette liegt?

    Da fällt mir jetzt echt nichts ein. Das Referenzexemplar der mo von anno dunnemals vielleicht, wo ich meinen RMZ450-Artikel drinnen hatte. Und vielleicht das Spektrum der Wissenschaft, schon vor Jahren nach Anhebung des Printpreises auf Digital-Only umgestellt.

    Motorrad? Auto Motor Sport? Auto Bild gar Wartezimmerliteratur beim Orthopäden oder Physiotherapeuten, gleich neben GALA, Focus und Spiegel. Mein Allgemeinarzt hat immerhin GEO. Das kommt der belletristischen Neigung (schöne Bilder, geschliffener Text) noch am nächsten. Spontaner Kaufreflex: Fehlanzeige. Vielleicht mal einen einzelnen Artikel ziehen, falls das Micropayment nicht versagt.

    Ein Moppedblättchen zur Recherche, d. h. um diese Fragen zu beantworten: „Welchen Helm soll ich kaufen?“, „Ist die neue BMR S1000RR wirklich so geil?“, „Gibts irgendwann vielleicht eine 450er Spaß-Supermoto oder muß ich bis ins Rentenalter irgendwelche übermotorisierten KTM-Eintöpfe kaufen?“? Soll wohl ein Witz sein.

    Wenn sich inhaltlich in den 10 Jahren meiner Abstinenz nichts massiv zum Positiven hin verändert hat, dann habe ich die Wahl zwischen Schleichwerbung und Phrasendreschmaschine, die an meinen Anforderungen total vorbeigeht. Da bemühe ich lieber gleich das Internet, suche mir ein paar Rezensionen zusammen und stehe irgendwann im Laden zwecks Probefahrt auf der Matte.

    Für wenig beratungsintensiven Kram reichen mir auch die einschlägigen Versender (und mein Widerrufsrecht bei Internetkäufen), da brauche ich keine Niederlassung von Polo, Hein-Gericke, Louis oder ein Helmcenter, die mich beim Stichwort „Alpinestars“, „Airoh“, „FOX“ oder „ProGrip“ nur ungläubig anschauen und auf den €€€-Standardplunder verweisen, der sich im Regal stapelt.

    Ihr dürft mich jetzt gerne Sozialparasit und Mörder des Einzelhandels schimpfen.

    Neulich wollte ich einen orthopädischen Artikel aus irgendeiner Fachzeitschrift haben. Zum Thema „Osteosynthesematerialextraktion“ *sic*. Gestaltete sich schwierig, nahezu unüberwindbare Paywall die von mir neben Geld (das wäre ja OK gewesen) auch noch einen Anmeldungsstriptease mit Wohnadresse, Telefonnummer und Approbation verlangte. Nee, ne?

    Wurde dann aber noch anderswo fündig und den für hartgesottene Polytraumapatienten durchaus unterhaltsamen Beifang namens „Orthopädisch-traumatologische Knacknüsse“ hatte ich erst versehentlich vom Anfang der Google-Trefferliste für lau heruntergeladen. Nur um später zu erkennen, daß man es als eBook beim Springer Verlag für 49,99€ kaufen kann. Upsi. Muß ich mich jetzt selbst anzeigen?

    Ich finde, das faßt das Problem „mit den Medien“ eigentlich ganz gut zusammen.

  • Xir meinte am 23. Januar 2019 um 10:29:

    Online…tja, ich würde mir ja mal anschauen wie z.B. die Artikel von der Motorrad so online aussehen, leider steht die Paywall aber auch für Abbonenten.
    Wäre ja ein Vorteil für die Abonnenten wenn Sie online im Archiv nachschlagen könnten, kostet den Verlag auch nix.
    Hab aber keine Lust 2x für einen Artikel zu bezahlen, dann nicht.

    2ens, Zahlungsmöglichkeiten bei den Paywalls.
    Du hast keine Lust Google auf dein Konto zu lassen? Dann hast du kein Paypall.
    “Pling“ ist das Geräusch vom Euro der von der Kirschkernkiste abprallt.

    Du zahlst mit Visa?
    Dann brauchst du aber Verified-by-visa….
    Ach die App dazu, die haben wir ab 2019 stillgelegt.
    Nee, Ihr Android Tablet geht dafür nicht, nee, Ihr Telefon ist zu Alt.
    Online? nee, das ist so 2000er.

    Laden Sie sich doch die I-OS Äpp, da geht‘s, aber nur ab OS-usw….wie Sie haben gar kein I-Phone?

    Du willst Überweisen? Ja die iTAN-Liste haben wir gestrichen, total unsicher! (da will ich mal sehen wie der Prinz-aus-Nigeria online in meine Schublade guckt), nehmen Sie doch die I-OS…achnee.

    Bald gehe ich wieder zu Tauschgeschäften über weil mir die Zahlungsmöglichkeiten rapide ausgehen.

    • Clemens Gleich meinte am 23. Januar 2019 um 11:06:

      Paypal benutze ich schlicht der Verbreitung und einfachen Handhabung wegen. Welches Online-Bezahlsystem verwendest Du denn? Wir hatten uns damals überlegt, Amazon Pay noch mit anzubieten, aber wer Paypal hasst, hasst häufig auch Amazon, sodass das wenig gebracht hätte.

    • Volker meinte am 23. Januar 2019 um 13:04:

      @Xir: Micropayment ist auch im Jahre 2019 offenbar ein riesengroßes Problem. Vielleicht vor oder zumindest kurz nach einer Marsmission.

      Mir hat die Bank auch PIN/MobileTAN aufs Auge gedrückt, nachdem die TAN-Listen aus Papier zu Grabe getragen wurden. Wie ich damit im SMS-legasthenischen Ausland mein Bankkonto mange? Ich möge mir einen TAN-Generator kaufen. Das ist so ein Ding, das man an einen flickernden Bildschirm pressen kann. Oder es ist ein kleiner Chinese drinnen, der basierend auf obskuren Eingangsdaten zufällige Hashes zieht.

      Beim Spektrum der Wissenschaft schafft man es bis heute nicht, meine mit dem Konto assoziierte E-Mailadresse zu ändern. Postpay hat dichtgemacht, ich darf meine Pakete jetzt per Mastercard frankieren, mit SecureCode. http://i.imgur.com/GxzeV.jpg dürfte ja bekannt sein, das läßt sich sinngemäß übertragen.

      Wenn Du Clemens was Gutes tun willst, überweist Du auf die IBAN DE40790500000046 951786 und fertig. In den sauren Apfel eines Girokontos hast Du vermutlich eh schon gebissen.

      Keine Ahnung, warum die(se) Bankverbindung nicht im Impressum steht. Falls das irgendwas mit Geheimnissen zu tun hat, möge Clemens diesen Kommentar bitte dahingehend kastrieren, mea culpa.

  • Xir meinte am 25. Januar 2019 um 21:05:

    Ich versuche es mal mit 5€, das kann ich ja gleich meine Kirschkernkassenschulden begleichen 😉
    Ich hoffe nur das IST auch die Bankverbindung von Clemens, und nicht von was-weiss-ich-was.
    Scheint zu klppen, immerhin weiss ich jetzt das mein TAN verfahren wider erwarten noch Funzt.

    @Clemens, nein, ich habe kein Micropaymentverfahren.
    Interessant finde ich ja das sich die Banken alle Mühe machen mir ein ungewolltes kontaktloses Zahlungsverfahren unterzujubeln*, sich beim Thema Micropayment aber von Google und WeChat die Butter vom Brot klauen lassen.

    *(ich kann es ausschliesslich in der iOS App meiner Bank deaktivieren. Nicht mit der Android-App, nicht online, nicht Telefonisch, nicht per Post. Der Bank tut es leid.)

  • Volker meinte am 26. Januar 2019 um 20:40:

    @Xir: Diese IBAN hat mir Clemens anno 2016 gemailt. Wird schon nicht inzwischen irgendwelchen Terroristen gehören.

  • Rogntüdü meinte am 28. Januar 2019 um 11:09:

    Heut morgen ist in meine Twitter Timeline eine Graphik geflattert die mich an diesen Artikel hier erinnert hat:
    https://twitter.com/JeremyLittau/status/1088508391243304962

    Tja mal eben 2/3 der Werbeeinnahmen beim Teufel. Ich weiss allerdings nicht in wie weit das auf die EU/DEU Verlage zutrifft.
    Ein großer Teil der Geldgeber sieht aber offensichtlich die Reichweite der Printerzeugnisse sehr schrumpfen und gibt entsprechend weniger Anzeigen auf, hässlicher Brandbeschleuniger für die Abwärtsspirale die du Clemens im Artikel beschreibst.


    Was Micropayment angeht, ich fand den Laterpay Pass sehr schön, die paar Seiten die ich sporadisch gelesen und dafür gezahlt habe nutzen jenen mittlerweile leider nicht mehr. Woran das liegt kann ich nur vermuten.

    • Clemens Gleich meinte am 28. Januar 2019 um 14:51:

      Das ist/war in Deutschland sehr ähnlich: Krass überzogene Margen in den Neunzigern mit dem Gedanken, das werde jetzt immer so weitergehen, überhebliches „Investieren brauchen wir nicht, die Leute LIEBEN Papier!“ und dann mit heruntergelassenen Hosen dastehen, wenn es zu kneifen anfängt. Springer hat sich genauso reingewurschtelt, aber die Kurve besser spät als nie besser gekriegt als Andere. Die neu erfassten Geschäftsbereiche liegen aber häufig nicht im Journalismus, sondern z. B. in Kleinanzeigen (Immowelt, Stepstone, Autohaus24, @Leisure etc.).

  • Achim meinte am 8. Februar 2019 um 12:42:

    Moin Clemens,

    SZ in Digital only heißt „SZ Plus“ und findet sich doch sofort auf der Abo-Bestell-Seite direkt neben dem Print-Abo? Kostet übrigens für Vollzahler 37,– € und bietet eine der besten Reader-Apps an die ich kenne. Meiner Meinung nach jedenfalls. Mag aber daran liegen das die einen für mich guten Mix aus Wiedererkennungswert der Printausgabe und Lesbarkeit auf Handy/Tablet bieten…

    • Clemens Gleich meinte am 8. Februar 2019 um 19:12:

      Danke! Die Blindheit, ich sachs Dir …

  • Nick meinte am 2. März 2019 um 18:46:

    Ich bin auch mittlerweile auf die Digitalangebote der Motorrad-Angebote umgestiegen. Diese sind de facto Kopie der Printausgabe als PDF – da muss zukünftig mehr gehen. PDFs am Bildschirm sind nur ein Kompromiss. Eine gut gemachte Website bietet deutlich mehr Lesernutzen.

    Warum hab ich das trotzdem gemacht? Weil ich da alte Artikel besser wiederfinde. Das dauert mit Printdokumenten viel länger – und ich hab kein Platzproblem in meinem „Studierzimmer“.

    Wie es geht sehe ich aktuell auf Youtube. Die Abo-Möglichkeiten scheinen (auch wenn ich keine Zahlen habe) von vielen Anhängern genutzt zu werden (z.B. bei 1000PS oder MCRider). Das ist für mich die Zukunft der Informationsbeschaffung und ich hoffe, die Verlage lernen daraus. Dann haben sie grundsätzlich weiterhin eine Daseinsberechtigung.

    Gruß,
    Nick

  • Marc Stibane meinte am 8. März 2019 um 10:34:

    Die New York Times macht es richtig: Online-Abo kostet $1 pro Woche, also $52 pro Jahr. Ungefähr soviel wollen deutsche Zeitungen pro Monat…
    Apple wird in Kürze in seiner News.app für $10 pro Monat alle Artikel von dutzenden Zeitungen haben. Und Millionen Abonnenten werden diese Diversität dem Abo einer einzigen Zeitung vorziehen.

    Die Motorrad-Verlage Europas sollten zusammen eine App entwickeln, in der Leser in hunderte Artikel reinschnuppern und eine begrenzte Anzahl Artikel pro Monat komplett lesen können. Wer mehr Artikel will kann die 10er-weise nachkaufen. Bzw. nicht Artikel, sondern Heftseiten.
    Aber eben nicht jeder Verlag für sich, sondern alle zusammen. Kein Leser will pro Verlag oder gar pro Zeitung/Zeitschrift eine eigene App installieren.

    • Clemens Gleich meinte am 8. März 2019 um 10:38:

      Ja, was Gemeinsames wäre auch für Motorradverlage sinnvoll. Aber die reden so schon nicht miteinander, das wird also niemals von innen heraus passieren, sondern da muss ein externer Zwang aufgebaut werden und dann werden sie heulen, dass die Plattform dem bledn Amerikaner oder Niederländer gehört und er Gebühren kassieren kann. Man mache ein Leistungsschutzgesetz!

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