Der Mensch fährt besser als gedacht

Genau meine Rede. Habe das festgestellt, als ich die tatsächlichen UnfallRATEN statt die absoluten Zahlen menschlicher Fahrer für einen Artikel hernahm. Biologische Systeme arbeiten vor allem robust, um ihre zwangsläufig entstehenden Fehler überleben zu können. Dagegen sind auch nach bionischen Prinzipien gebaute Maschinen immer noch recht zerbrechlich im Verhalten.

Fahrsimulator

Kommentare:

ältere
  • Volker meinte am 15. Mai 2019 um 19:31:

    Servus Clemens!

    Du meinst die Unfallrate i. S. d. Definition auf Wikipedia (https://de.wikipedia.org/wiki/Unfallrate)? Naja, was sollte man denn auch sonst hernehmen? Die zwei-drei automatisierten Systeme, die derzeit auf den Straßen der Welt herumschleichen, sind doch ein Dreck unterm Fingernagel angesichts des weltweiten Automobilbestands von reichlich einer Milliarde Exemplaren und den vielen Billionen Kilometern, die sie – meist unter der Alleinherrschaft eines menschlichen Piloten – abspulen.

    Und der noch um einige Zehnerpotenzen kleinere Bruchteil von Systemen, die echten Herausforderungen ausgesetzt sind (also Level 4) geht total im Rauschen unter.

    Die Erkenntnis, daß der Mensch „in vielen Situationen sehr viel sicherheitsfördernde Dinge tut, obwohl er sich dabei teilweise nicht in vollem Umfang regelkonform verhält“ verwundert keineswegs. Im Umkehrschluß würde schon eine präzise Beachtung des § 3 StVO der Todesstoß für vollautomatisierte Systeme bedeuten, denn, simmermal ehrlich: Wie groß wäre denn die „übersehbare Strecke“ innerorts, wo sich Autos mit einem Seitenabstand von 50cm an kolonnenweise geparkten Fahrzeugen vorbeibewegen? 27.5 Meter (Anhalteweg bei Gefahrenbremsung) etwa?

    Notabene: Bei gut 10% der Personenschäden mit Fehlverhalten eines Fahrzeugführers heißt es regelmäßig „nicht angepaßte Geschwindigkeit“, etwa genausoviel geht auf das Konto eines ungenügenden Abstands (da könnte das Assistenzsystem was reißen), dann nochmal 10% an Vorfahrtmißachtungen (auch hier Pluspunkte für den Assi) und nochmal genausoviel in der Kategorie „Fehler beim Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren, Ein- und Anfahren“, wo sich ein Automat den Level 4 erstmal verdienen müßte.

    Wenn ich die Winkeladvokatie zum betreuten Fahren (also Level 3) um die Rückgabe der Kontrolle an den Fahrer schon höre und die Messungen dazu, schwillt mir doch der Kamm. Ich darf also meine Aufmerksamkeit vom Straßenverkehr abwenden und z. B. Beispiel Zeitung lesen oder mich den Kindern auf den Rücksitzen zuwenden, soll aber in einem Zeitfenster von 7 bis 14 Sekunden wieder Gewehr bei Fuß stehen?

    Da sind die Herren Alexander Eriksson und Neville A. Stanton in ihrer Publikation „Takeover Time in Highly Automated Vehicles: Noncritical Transitions to and From Manual Control“ aber zu ganz anderen Ergebnissen gekommen. Da schaffte es der beste Teilnehmer ohne Zeitschrift in knapp zwei Sekunden und beim Lesen in 3,2 Sekunden – der langsamste benötigte jedoch 25,8 Sekunden.

    Bin gespannt, wie man da die rechtliche Situation klären will, die der ADAC mit „Ungeklärt ist, wer Bußgelder bezahlen muss, sollte die Technik im Auto im teilautomatisierten Modus ein Tempolimit missachten. Ob das Handyverbot im Level 3 gilt ist ebenfalls nicht abschließend geklärt.“ nur anreißt. Das Handy wäre da echt meine geringste Sorge.

    Aber letztlich bedeutet alles außer Level 5 doch nur Streß. Ich brauche trotzdem einen Führerschein, muß mich durch die ausufernde Dokumentation zu meinem vollautomatisierten Fahrzeug kämpfen, will ich nicht nach ein paar Bierchen auf der Rücksitzbank plötzlich am Parkplatz stranden, weil das Fahrzeug ein Firmwareupdate braucht.

    Wird jedenfalls spannend werden, so nicht mehr ganz so triviale Assistenzsysteme flächendeckend kommen. Auch hinsichtlich der absoluten Unfallzahlen. Meine Prognose: Die KI holt ordentlich auf. Wir werden über recht interessante Phänomene den Kopf schütteln.

    Ciao,
    Volker

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