Supersymbolbild: Ich hänge das Leiberl an den Nagel.

I no longer care

Was für eine frustige Erfahrung: Nach langer Offroad-Abstinenz fuhr ich da in Fürstenwalde auf der Enduro- und MX-Piste (eine Sandstrecke). Das fing an wie bei den nach-Abstinenz-Superbike-Einsätzen und es wird genauso enden. Ich fuhr wieder wie der erste Mensch. Ob was klappte oder nicht, war mehr oder weniger gewürfelt. Für Fotos sind wir eine Betonrampe mit Sandloch davor hochgefahren. Schon beim ersten Mal lenkte mein Vorderrad nicht, weil ich halt keine Ahnung hab, wie man im Sand lenkt. Nochmal zurück. Dann fuhr ich zweimal hoch. Dann zur Weiterfahrt nochmal hoch. nicht ganz hochgekommen, mit dem Becken auf den steilen Beton gefallen und runtergekugelt. Die anderen dachten wahrscheinlich: „Was MACHT der da?“.

Ich fahre eine Husqvarna TE 250i die Rampe hoch. Beim zweiten Mal habe ich sogar vergessen, fürs Foto aufzustehen. Ich bin so ein fauler im-Sitzen-Fahrer. Ich stehe nur auf, wenn es unbedingt sein muss oder für Fotos. (Bild: Husqvarna)

Das bringts ned. Ich mache keine solchen Termine mehr. Ich kann schön in Ruhe und zum Spaß offroad fahren, zum Beispiel Trial, diese Altherrensportart. Nie fahren und dann einigermaßen brauchbare Fotos abliefern wollen, das ist einfach nur dumm. Ich meine: Ich bin vor DREI JAHREN das letzte Mal eine Geländepiste gefahren, und davor genauso lange nicht. Schwachsinn, da für Fotos posen zu wollen. Da wickelt man sich irgendwann bei peinlichem Tempo um einen Baum. Anders als bei den Superbikes habe ich schon vor Ort eine mögliche Vertretung mit Motocross-Hintergrund gefunden. Wenn wir uns einig werden, fährt sie die Termine, ich kümmere mich um den Text, und dann teilt man das Geld halt irgendwie; es gibt ja eh nicht viele solche Termine. Wir werden es ausprobieren.

Ich antizipiere den wohl ersten Gedanken, der in den Kommentaren geäußert werden könnte, nämlich ob das Motorradjournalisieren an sich noch was bringt, wenn ich Offroad und Superbikes schon aussortiert habe. Ich denke auf absehbare Zeit schon, wenn auch leider zu immer kleineren Anteilen. Wie Rennstrecke machen Offroad-Kurse nur einen sehr geringen Teil des Betriebs aus. Reiseenduros werden genau deswegen auf breiten, geraden Vollgas-Strecken vorgestellt. Außerdem schrumpft der Anteil der Motorradsachen am Umsatz sowieso jedes Jahr. Ich mache jetzt schon insgesamt wenig Einspur. Das habe ich ja schon mehrmals gesagt: Wenn ich dereinst nur noch zur Freude fahre und nicht mehr für Geld, dann kann ich mir ganz ehrlich schlimmere Schicksale vorstellen. Der Mopped-Fachjournalismus mag abkacken. Davon sollten wir uns nicht die Freude am Motorrad verderben lassen.

Ich bemerke nämlich noch etwas Anderes: Als die Kollegen am Lagerfeuer beherzt über den Medienwandel mit Influencern, Video und Printschwund diskutierten, beteiligte ich mich kaum, obwohl ich das früher immer gerne durchkaute. Da ist alles tausendmal gesagt, denke ich. Wir nehmen uns eh viel zu wichtig. Wenn morgen alle Multiplikatoren von Print-Heft-Redakteuren bis zu Instagram-Influencern verschwinden, wird das weniger Leute bekümmern, als wir uns alle einbilden. Soll der Wandel sich weiter wandeln. I no longer care.

Kommentare:

ältere
  • Marcus Lacroix meinte am 8. Juli 2019 um 10:20:

    Weise Worte. Die Veranstaltungen machen Spaß, keine Frage – aber ich würde mir auch nie anmaßen, eine Sportenduro halbwegs sicher beurteilen zu können und dann auch noch darüber zu schreiben. Womöglich nimmt mich da jemand ernst.
    Und ich mache immerhin jährlich mein Offroad-Einsteigertraining mit und hoppele ab und an über Feldwege… 😉

    • Clemens Gleich meinte am 8. Juli 2019 um 10:58:

      Ja, ist Hirnriss, da sind wir uns einig. Feldweghoppeln mache ich auch, vor allem beim Duke-Sträßchen-fahren, aber das ist halt nicht dasselbe wie Enduro fahren mit Hindernissen.

  • X_FISH meinte am 8. Juli 2019 um 11:17:

    Bezüglich Instagram und Co:

    https://aomnl.com/images/image_upload/1554900806000_aGZBpr0_700b.jpg

    Wenn die plötzlich nicht mehr da sind ist es dem Rest der Welt vermutlich recht egal. Nur die direkt betroffenen »Influenzenden« wären ein wenig irritiert.

    Von da her: Betonrampe hoch oder nicht, sitzend oder stehend (oder kugelnd) ist nicht weiter relevant.

    Machen. Glücklich sein. Zumindest zufrieden sein. Das sollte das Ziel sein.

  • Volker meinte am 8. Juli 2019 um 14:02:

    Für brauchbare Fotos brauchst immer jemanden, der 1) das Geforderte fahren kann und 2) ein bisserl Ahnung von den Nöten und Ängsten eines Fotografen hat. Die Hersteller bringen ihre pittoresken Bleischwer-Reiseenduro-Offroad-Reklamefotos ja auch nur mit hochqualifizierten Profi-Fahrern und Profi-Fotografen zustande. Probier sowas mal selber und Du schwitzt im besten Fall Blut und Tränen, manchmal eher Krankenhausaufenthalt, weil Dich der Ziegel unter sich begraben oder die 100PS tangential in die Botanik geschleudert hat.

    Für jemanden mit regelmäßiger Erfahrung wäre die TE250i ja noch als duldsam, reproduzierbar, handlich und gutartig zu beschreiben, man denke da nur an eine ältliche Erstmodell-Alurahmen-Honda CR250R oder gar CR500R (“Witwenmacher“) mit schon leicht ausgelutschtem Fahrwerk, nicht perfekt eingestelltem Vergaser und hakeligem Gaszug.

    Aber ein 250er Vollcrosser ist nunmal ein 250er Vollcrosser und Spezl Peter bekam ziemlich große Augen, als er das erste Mal von seiner Vergaser-YZ450F auf meine Einspritz-RMZ450 umstieg. Sportfreund Lutz verweigerte den Test gleich ganz – bis zum heutigen Tag. Die Suzuki poppt halt nicht den „Are you sure? [Yes] [No]“-Dialog hoch, wenn Du im Begriff bist, etwas sehr sehr Dummes zu tun – und wenn, dann nur für ein paar Millisekunden.

    Ist aber doch für Onroad keinen Deut anders. Niemals käme ich auf die Idee, als Aushilfsfahrer das neue Honda-Superbike auf irgendeinem Ring spektakulär in Szene setzen zu wollen (“Ey, Volker, könntest Du bitte mal ein bisserl am Knie durch diese Kurve schleifen?“. Ich möchte ja noch eine Weile leben.

    Ein Fototermin ist auch nochmal was anderes wie eine entspannte Produktpräsentation, wo man mit dem 2020er Modell auf der Strecke ein bisserl nach seinem eigenen Gusto herumeiern kann. Habe ich mit diversen Honda-Modellen auch schon gemacht (CR250F und CR450F, beide von Honda Waldmann anno 2014). Sehr schöner Motor, sehr gutes Fahrwerk.

    Ich kam an (Yamaha und Suzuki auf dem Hänger, um nicht wieder einen Reinfall wie bei der Verkostung einer BMW F650 Xchallenge zu erleben) und fragte, wie das denn so sei. Mit Startgeld, Haftungsverzicht, sonstigem Papierkram und dem „Scheduling“. Der Hondamensch legte mir zunächst die 450er ans Herz, nachher sollte ich die 250er testen (“Oida, des glaubst ned, wia abartig guad die gähd!“). Zettelkram gäbe es keinen (“Mochst ma des Murl eh ned hi, oda?“), Getränke, Streckengebühr und Sprit gingen aufs Haus und da die „Influenza“ mit ihren Turnschuhen vom Wettbewerbsmaterial konditionell ziemlich schnell aufgerieben wurden, konnte ich einen ganzen crossigen Samstag auf der MX-Piste von Hallbergmoos verbringen, ohne auch nur einen Meter auf eigenem Material gefahren zu sein.

    Die 250er ging wirklich abartig gut. Da will man so richtig pervers am Griff drehen und es krachen lassen. Bei dem Fahrwerk übrigens das perfekte Verbrechen, so eine subtile Abstimmung habe ich selten erlebt. Da ist die FRZ-gemachte RMZ mit ihren Showa-Federeinheiten auch nicht gerade hinterwäldlerisch am Start, aber im Vergleich ein betonharter, störrischer Hoppeleimer.

    Deiner Hüfte gehts hoffentlich gut? Ich kenn das Problem.

    • Clemens Gleich meinte am 8. Juli 2019 um 14:13:

      Alles gut, danke der Nachfrage. Nur ein paar bunte Flecke.

      • Volker meinte am 8. Juli 2019 um 14:20:

        Ah, OK. Paßt. Ich stürze eher auf hohem Niveau. ;-/

  • Maik meinte am 10. Juli 2019 um 12:44:

    Clemens, wo schreibst du über die nicht-Motorrad-Themen? Ich kenne nur deinen Blog und Heise Autos.

    • Clemens Gleich meinte am 10. Juli 2019 um 13:05:

      Auf Heise Autos halt über Autos. In der Samstags-“Welt“ früher häufiger über Technik (hab ich aufgehört wegen geringer Bezahlung). In der Technology Review manchmal, in der c‘t manchmal und auf Heise Online gelegentlich. Rest sind Marginalien und Agenturarbeiten ohne Autorennachweis (also z. B. Werbekampagnen).

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