Prostitution

Wilhelm Bremer über die Harley Sportster Forty-Eight:

Clemens, das ist alles nicht ganz so einfach! Vor 5 Jahren hätte ich Deinem Kommentar über die Harley wohl ohne Vorbehalt zugestimmt. Heute nicht mehr! Motorräder verkaufen sich  nicht nur mit Funktion, sondern auch, oder vor allem, mit Emotion. Für die Motorradfahrer, die Ihr Zweirad auch wirklich artgerecht nutzen wollen heißt das wohl: Funktionalität, Reisetauglichkeit, Schräglagenfreiheit, Unterhaltskosten, Wiederverkaufswert, Spaßfaktor und  Sportlichkeit.

Und nun zur vermeintlich dunklen Seite der Macht: Für die Motorradfahrer, die ihr Zweirad nicht so nutzen wollen, wie „die echten Motorradfahrer“ (zu denen wir uns selbstverständlich zählen): Coolnessfaktor, Statussymbol, Soundeffekt, Öffentlichkeitswirkung.

Nun hat zunächst einmal Harley-Davidson es verstanden, der gestrigen, heutigen und morgigen Kundschaft Motorräder zu geben, die sie wollen! Schon mit dem Ohr für den Kunden liegen sie ganz weit vorne, da andere Hersteller die emotional beladenen Modelle einstellen und nur noch Motorräder bauen, mit denen Sie über Stückzahl an das Geld von Herrn oder Frau Biedermann kommen. Damit hat es Harley geschafft, MV Agusta zumindest auf bestimmte Zeit das Überleben zu sichern! Die Brutale werde Ich mir an diesem Samstag in der Eifel mal zur Brust nehmen.

Also weiter im Text: Du findest die Harley scheiße, das ist eben so! Aber Du hast Dich, an meinen Ansprüchen gemessen, prostituiert, als Du für Geld und nicht aus freien Willen (das ist übrigens fast das Einzige, was die Menschen vom Schimpansen unterscheidet) auf dieses Eisen gestiegen bist. Und wenn man nicht grundsätzlich verneint, dass es intelligentes Leben auf der Erde gibt, dann könnte man auch zu dem Schluss kommen, dass dieses Motorrad existiert, weil es Menschen gibt, die es kaufen und damit glücklich sind. Ich kann es jedenfalls nachvollziehen.

Wer nur zum Markentreffen, zur Eisdiele oder zur Entspannung  mit so einem Gerät auf die Straße möchte, der soll es tun! Wenn ich kurz mein Gedächtnis anstrenge, dann komme ich zu dem Ergebnis, dass mich die Harleyfahrer die letzten Jahre meistens nur mit Ihrer Lautstärke belästigt haben, nicht mit Ihrem Verhalten im Straßenverkehr. Ich habe dass bestreben, für jeden Zweck einmal das richtige Motorrad in der Garage stehen zu haben.Wenn es der Kontostand zulässt, dann wird irgendwann auch einmal eine Harley darin zu finden sein für die Cruiserrunde um den Kirchturm.

Also ein wenig Toleranz und Einfühlungsvermögen für die Moppedfahrer mit dem komischen Lenkkopfwinkel  ist gelegentlich vielleicht auch angebracht. Ich gehe davon aus, dass Dein Bericht in der MO entsprechend formuliert sein wird. Ich hoffe, Du wirst die Berichte hier in deinem Revier weiterhin so ungeschminkt schreiben. Sollte die Qualität diese Beitrags zu wünschen lassen, so liegt das wohl daran, dass kein  Single Malt  mehr da war  ; ) Aber dann kannst Du mir ja eine Charge schicken ; ) Weiter so!

Der Leserbriefonkel stimmt zu: Ja, lieber Wilhelm, die Brutale sollte man unbedingt fahren. Und natürlich gibt es, wie ich selber schrieb, einen Haufen emotionale Gründe, Harleys zu fahren. Ich seh nur den Zwang nicht, wieso ich das unbedingt gut finden soll. Ich kann mit diesen Eimern überhaupt nix anfangen, deshalb lasse ich ja einen Sportster-Fan die Artikelaussagen für MO machen, eine geniale Idee, die mir eine wunderbare Frau gegeben hat (hallo Du!). Den Schuh mit der Prostitution ziehen wir uns übrigens gern und sofort an, sobald Du schlüssig darlegst, dass es in Deinem Job (für den Du ja ebenfalls Kohle krisst) keinerlei Längen oder Unannehmlichkeiten gibt, keine bescheuerten Kollegen und keine langweilige Fleißarbeit wie Akten sortieren. Bis dahin geh ich einfach davon aus, dass 99,99 Prozent der Bevölkerung größere Huren sind als wir.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.