Giri: CEO in Japan sein

Clemens Gleich in Kategorie(n) , - 20.02.2012

Zu mei­nem Japan-Artikel in MO damals gab es einige inter­es­sierte Nach­fra­gen, vor allem zum „Giri“, dem sozia­len Sys­tem gegen­sei­ti­ger Pflicht­er­fül­lung. Giri bedeu­tet in etwa „der rich­tige Grund“, und kürz­lich ist mir ein sehr gutes Bei­spiel über den Weg gelau­fen, in dem ein Motor­rad vor­kommt. Als Japan von die­sen schwe­ren Erd­be­ben zer­stört wurde, zog das auch das Honda-Werk in Tochigi (etwa 100 km nörd­lich von Tokio) in Mit­lei­den­schaft. Ein Mit­ar­bei­ter starb dort, als die Wand einer Cafe­te­ria zusam­men­brach, sieb­zehn wei­tere wur­den ver­letzt. Die Lage war unklar, aber man kann sich vor­stel­len, dass sie auch unent­spannt war. Zeit, zu zei­gen, dass es einen Boss gibt, der selbst in so einer Krise seine Pflicht tut: Giri. Kon­kret fuhr Boss Taka­nobu Ito von sei­nem Haus mit einer CB 1100 (ein Clas­sic Naked, gibt es in Europa nicht) durch die Schutt­fel­der und gesperr­ten Stra­ßen zum Werk, weil ein Auto dort nicht durch­passte. „Nach dem Erd­be­ben waren viele Stra­ßen gesperrt“, sagte Ito-San. „Ich fuhr mit mei­nem Motor­rad an den Sper­ren vor­bei und das hat geklappt.“

Honda-CEO Taka­nobu Ito auf sei­ner perl­wei­ßen CB 1100: „Bin damit ein­fach an den Sper­ren vor­bei­ge­fah­ren.“ (Bild: Honda)

Der 57-jährige Herr Ito ist mein eines schö­nes Bei­spiel für das, was wir hier kaum mit­be­kom­men haben: Eine regel­rechte Wie­der­auf­er­ste­hung der Indus­trie Japans trotz Erd­be­ben, trotz Tsu­nami, trotz Atom-GAU, trotz Wirt­schafts­krise. Ich habe es ja gesagt:

Japan ret­tet sich selbst

Ducati 1199 Panigale S: Am Limit schreiben

Clemens Gleich in Kategorie(n) - 14.02.2012

Als Ducati in Mai­land zeigte, dass sie bei der Pani­gale ein­fach alles anders machen als alle bis­her, war schon klar, dass es viel zu pro­bie­ren und schrei­ben gibt. Jeder der Anwe­sen­den auf der Prä­sen­ta­tion merkte schmerz­lich, dass der eine Fahr­tag nicht im gerings­ten aus­reicht, um diese kom­plexe Maschine wirk­lich zu erfor­schen. Was ich nicht weiß, ist, ob auch jeder das Pro­blem hatte, aus der Daten­masse die wich­ti­gen Sachen her­aus­zu­pi­cken für den fest­ge­leg­ten Platz in den Hef­ten. Allein durch die Aus­wahl der beschrie­be­nen Fak­ten kann man die Pani­gale als das Beste seit geschnit­te­nen Tit­ten loben oder als Werk des Satans ver­teu­feln. Des­halb nur hier eine laa­ange Liste an den gan­zen Sachen, die mir auf­ge­fal­len sind. Gerne Fra­gen stel­len, dann erwei­tere ich die.

Test­pro­to­koll Ducati 1199 Pani­gale S

Ich schreibe jetzt für mich selbst

Clemens Gleich in Kategorie(n) , - 24.01.2012

Vor der eigent­li­chen Nach­richt eine ein­lei­tende Nach­richt. Der Kol­lege Tho­mas Kars­ten vom Motor­rad­fah­rer (Nitschke-Verlag) ist seit eini­ger Zeit fies krank. Wir wün­schen ihm, dass er sich bes­sert, und zwi­schen­zeit­lich habe ich ihn ver­tre­ten in Nardo auf der Kawa­saki ZZR 1400 2012. Das war wahr­schein­lich gut so, weil erfri­schende zwei Grad plus bei noch erfri­schen­de­ren 300 km/h bestimmt nicht gut sind für die Gene­sung. Des­halb steht im kom­men­den Motor­rad­fah­rer ein kur­zer Fahr­be­richt der ZZR von mir drin (drei Sei­ten). Lauft zum Kiosk! Kauft das Heft! Oder lest wenigs­tens im Ste­hen die ZZR und schaut euch ein paar Anzei­gen an. Einen aus­führ­li­che­ren Test der fet­ten Kawa mit mehr schwei­ni­schen Wör­tern fin­det ihr dann in der nächs­ten Fast­bike, die man eh kau­fen muss, aus Grün­den, von denen ich mir nicht sicher bin, ob ich sie ver­ra­ten darf, des­halb machen wirs ein­fach spannend.

Die eigent­li­che Nach­richt: Der wun­der­bare Jan Bin­ta­kies hat das wun­der­bare Cover für mein wun­der­ba­res Buch fer­tig, sodass ich das Gesamt­werk jetzt bei Ama­zon zum Ver­kauf anbiete. Das ist ein Kindle-eBook, das man auf jedem Kindle, Sony Rea­der, iPhone, iPad, Android-Smartphone oder –Tablet oder für die ganz Har­ten sogar am PC oder Mac lesen kann (Kindle-App für alle Platt­for­men hier). Für die run­den drei Euro­nen gibt es mei­nen ewi­gen Dank, umge­rech­net 450 Sei­ten wilde Geschichte, ein sau­be­res eBook-Layout aus lie­be­voll hand­ge­den­gel­tem XML, sofor­tige, kos­ten­lose Lie­fe­rung über Ama­zons Whi­sper­net, kos­ten­lo­ses Noti­zen– und Lesezeichen-Backup und Gerä­te­ver­wal­tung von Ama­zon. Die­sen Leser­kom­fort zah­len Ama­zon und ich, damit ihr euch der­art ver­sorgt freuen könnt. Wer ein ande­res For­mat für sei­nen Rea­der braucht (die Linux-Buben fal­len mir ein), der melde sich bitte bei mir, dann schi­cke ich ihm seine benö­tigte Vari­ante zum Amazon-Preis ein­zeln hand­ge­fer­tigt von ost­chi­ne­si­schen Kobol­den. Bezah­lung per Pay­pal an mei­nen Kas­sier, den . Wer eine Rezen­sion schrei­ben möchte, kriegt ein Presse-Rezensionsexemplar, dem auf das Pres­se­ex­em­plar eines Fer­rari 599 prak­tisch nur die Nut­ten und das Koks fehlen.

Eine gedruckte Vari­ante des Buches gibt es der­zeit nicht, ich habe jedoch das Manu­skript an alle Ver­lage geschickt, die mir ein­ge­fal­len sind. Ich hatte nur keine Geduld, auf deren Ant­wor­ten zu war­ten, weil da Sachen ste­hen wie „wir ant­wor­ten so in acht bis zehn Mona­ten“. Papier muss offen­bar gedul­dig sein. I will keep you pos­ted. Aktu­ell zieht aller­dings der eBook-Markt an, wie er das vor Jah­ren in den USA getan hat. Es ist der beste Zeit­punkt, mit einem eige­nen Titel an die­sem Markt­wan­del mit­zu­ex­pe­ri­men­tie­ren. Des­halb hier das Buch in gro­ßer Glo­rie mit Jans Cover (drauf­kli­cken und kaufen):

Das alte Monster ist zurück

Clemens Gleich in Kategorie(n) , - 18.01.2012

Tja, die ZZR. Häss­lich wie die Nacht, lie­bens­wert wie die Ruhr­pott­ma­schine, die sie ist. Als Destil­lat allen Prolls der Acht­zi­ger Jahre steht sie 2012 da wie ein nack­ter Nean­dertha­ler mit blu­ti­gem Speer auf einem Femi­nis­tin­nen­tref­fen vol­ler par­fü­mier­ter Eifouns. Ich mag sie trotz­dem, oder bes­ser: Ich mag sie des­we­gen. In der nächs­ten Fast­bike ste­hen dann ein paar Details, ich muss nur schon jetzt sagen: Kawas Software-Traktionskontrolle wird auch dies­mal kei­ner erklä­ren kön­nen. Auf Nach­frage sagte der Japa­ner: „It is supecial teck­no­lo­gyuee. We ah keepingu itu see­ku­reeto.“ Immer­hin kam nach dem Fahr­test ein Kawa­sa­kianer und brachte mir fol­gen­den Film aufs Zim­mer, den ich zur Ein­stim­mung der Nardo-Berichterstattung hier poste:

Frankreich: Kann das jetzt weg?

Clemens Gleich in Kategorie(n) - 12.01.2012

Ziel­ort: Bris­tol“ klang gut. „Flug­ge­sell­schaft: Air France“ klang zum Fürch­ten. Es war das Grauen. In Paris umstei­gen. Auf dem Schild steht: „Alles tout bien.“ Am Gate steht das­selbe. Erst als der Flug boar­den soll, steht da: „can­cel­led“. Warum? „Tech­nee­cal pro­blems.“ Sie haben es also ver­kackt, wie sie alles ver­ka­cken. Allein die­ser Flug­ha­fen! Die bescheu­er­ten, weil fran­zö­si­schen Kon­struk­teure des Aéro­port Charles de Gaulle haben schon die Stein­zeit­tech­nik des Weg­wei­sers nicht begrif­fen (denn es gibt nur fünf und die sind falsch), da muss es auch nicht wun­dern, wenn dem Flug­zeug, was­wei­ßich, die Flü­gel abros­ten. Es hat nichts funk­tio­niert. Dafür haben sie mit bun­ten Lam­pen die Decke ange­strahlt: „Oo! Nous som­mes voll die Künstlärr!“

Die fran­zö­si­sche Pro­blem­lö­sungs­stra­te­gie für Kri­tik ist die schlech­test denk­bare. Ein kri­ti­sier­ter Ita­lie­ner sagt „Du ver­stehst halt nicht, warum das geil ist“; ein kri­ti­sier­ter Deut­scher will dir (mit Dia­gram­men) erklä­ren, warum du im Unrecht bist. Mit bei­dem kann man arbei­ten. Der Fran­zose dage­gen ist ein­fach belei­digt, wenn man ihn kri­ti­siert. Als Rossi Miche­lin kri­ti­sierte, weil ein Feh­ler im Rei­fen ihn mehr­fach poten­zi­elle Siege kos­tete, waren sie so belei­digt, dass er nach Japan zu Glitschs­tone ging. Miche­lin sagte mir spä­ter dazu: „Ja, das hätte Rossi anders sagen müs­sen, er hätte sie loben sol­len.“ Loben! Dafür, dass sie es ver­kackt haben? Was für eine Nation von arro­gan­ten, ver­zo­ge­nen Kack­brat­zen. Ich war so froh, als ich acht Stun­den spä­ter end­lich in Eng­land war, wo die Fran­zo­sen tra­di­tio­nell „cheese-eating sur­ren­der mon­keys“ hei­ßen. Man kom­men­tierte dort mei­nen Hass: „I com­ple­tely under­stand you. We have been at war with them for more than 600 years and there’s ple­nty good rea­son for that.“

Wozu ist Frank­reich über­haupt gut? Mir fällt nichts ein. „Essen“, sagen jetzt die Gän­se­sa­dis­ten, aber auch das stimmt nicht wirk­lich. Wenn man in Frank­reich gutes Essen haben will, muss man danach genauso lange suchen wie in B-W-Schwaben, wo die Ein­ge­bo­re­nen durch einen gene­ti­schen Defekt kein Geschmacks­emp­fin­den haben. Sie kön­nen schon kochen, die Fran­zo­sen. Sie haben nur keine Lust dar­auf. Sie haben irgend­wie auf gar nichts Lust, des­halb gibt es aus Ita­lien wirk­lich gute, auf­find­bare, leckere Küche, es gibt Fer­rari, Lam­bor­ghini und Fiat 500, wäh­rend die Fran­zo­sen aus­schließ­lich häss­li­che, herz­lose War­zen bauen, die nach drei Tagen ver­ros­ten. Mein Beweis sei der neue Twingo, dem ein Fran­zose, weil er keine Lust hatte, sei­nen Job als Desi­gner zu tun, ein paar Hüh­ner­au­gen ins Gesicht implan­tierte: „Fini. Isch ‚abä fer­tig und gäh Frosch­fot­zen­ra­gout essän.“ Gebt Frank­reich den Indern! Oder reißt wenigs­tens CDG ab. Ich will es bren­nen sehen.

Ich würde mich auch damit zufrie­den­ge­ben, den Twingo bren­nen zu sehen. (Bild: Rönnoh)