Kritik an Kritik

Clemens Gleich in Kategorie(n) - 24.02.2015

Anderen Schreibern etwas vorzuhalten, das galt früher als verpönt. Die Gründe lagen im Miteinander: Wir hauen denen heute nicht auf die Finger, weil wir nicht wollen, dass sie uns morgen auf die Finger hauen. Nur die Nische der Übermedienberichterstatter nahm sich selber davon aus, denn sonst hätten sie nix zu schreiben gehabt. Ich fands auch schon immer albern. Als ob ein bisschen Kritik hin und her so schlimm wäre. 2015 klingt das alles wie sehr lange her. Ein Sebastian Heiser gebärdet sich wie ein Ein-Mann-Geheimdienst, indem er Interna heimlich mitschneidet und danach seine eigene Gesetzesauslegung erklärt: “Das darf ich!”. Das ist schon sehr hart. Auf der anderen Seite des Spektrums ist meine Kolumne für letzte Woche abgelehnt worden, weil die Autopresse in der Kritik steht und der Heise-Verlag als eine der letzten Institutionen das “keine Kollegenschelte” hochhält. Ja, ich weiß, dass in meiner Kolumne schon oft Kollegenschelte drin war, die wurde halt irgendwie nicht bemerkt. Es sind alles nur Menschen. Persönlich halte ich Kritik in der Autopresse für höchst notwendig, weil im Business as usual dort selbst die Reste einstigen Journalistenanspruchs anderer Sparten fehlen. Man urteile selbst, ob der Text zu stark kritisiert:

Eigentlich geht er ja mehr um diesen Hochstapler

Im Krieg für den Terror mit CBF

Clemens Gleich in Kategorie(n) , - 13.02.2015

Vor langer Zeit erfand ich den Terrorismus. Das wissen nicht mehr viele, weil es schon so lange her ist, und natürlich konnte ich das nicht allein, sondern verließ mich vielmehr (sogar in der Hauptsache!) auf die Bosheit meiner älteren Mitstreiter. Das Büro der kleinen, neuen Terror-Import-Export-GmbH teilte sich mit mir eine Person, die sich jüngst wieder aus dem Untergrund meldete, weil sie ein Motorrad kaufen wollte: keins zum Angeben, eins zum Pendeln bei jedem Wetter. Kurz überlegte ich, mich stumm und taub zu stellen, den Mac ins Meer zu schmeißen und mich an meiner stets einsatzbereiten Perlenkette von Unterschlüpfern entlanghangelnd nach Nirgendwo abzusetzen, aber dann hatte ich doch Angst. Der alte Sack würde mich in ein paar Jahren doch wieder finden und mit einem Sturmgewehr auf mich schießen, weil er in Ermangelung meiner Beratung auf einer CBF gelandet wäre. Zumindest das mit der CBF ist jetzt halt trotz all meiner Mühen passiert; ich hätte mir also alles sparen können. Immerhin konnte ich eine kleine Rache einbauen, einen kleinen Scherz unter uns gesuchten Terroristen: Ich kopierte die Skizze, die ich damals im Büro vom alten Sack anfertigte, in den Aufmacher der Geschichte. Die Ähnlichkeit ist so frappierend, dass morgen schon die Drohnen auf ihn feuern werden:

Gut, dass er mit einer Tausender motorisiert ist.

Medienspiegel mit Panigale

Clemens Gleich in Kategorie(n) - 06.02.2015

Letzte Woche war ich unterwegs, einmal die BMW R 1200 R ohne Dinosaurierknochen fahren, einmal die BMW F 800 R. Mit der F 800 verbindet mich eine besondere Zuneigung, wie sie aus einer gemeinsamen Geschichte entsteht, ob man will oder nicht. Vor allem wollte ich endlich mal erklären, warum so viele Motorradfahrer bei BMW kaufen, selbst wenn sie vorher oft zu Protokoll gaben, das nieee tun zu wollen: Weil es solche Pakete wie bei BMW sonst nirgends gibt, nicht für Geld und gute Worte. 1200er Big Bike mit modernster, zusammenklickbarer Ausstattung? Gibt es nur bei BMW. Ähnlich schaut es bei den Allroundern, konkret der F 800 R aus. Von Almeria aus ließ ich mich im Ford Fiesta des netten spanischen Odenwälders Eugenio nach Portimao rüberfahren, zur Präsentation der Ducati 1299 Panigale. Ein Artikel zu dieser immer noch bemerkenswerten Maschine steht in der nächsten Fastbike, ein weiterer in der nächsten MO. Es regnete halt wieder, viel fahren konnten wir also gar nicht. Da hatte ich zumindest Zeit, mal meine komplexe Mikrofonverkabelung auszuprobieren:

Video-Interview mit Ducatis Paul Ventura zur 1299 Panigale

Treibstoff, Landstraßer, Zunftradl

Clemens Gleich in Kategorie(n) , - 03.02.2015

Es lebe die Scannerkasse (an deren Entwicklung mein lieber Onkel übrigens beteiligt war). Sie erlaubt uns Medienmenschen, noch vor Abschluss einer kompletten Kioskgeneration Daten hochzurechnen, die normalerweise sehr nah an der späteren Vollzählung liegen. Also: Sowohl Roadster als auch Fuel werden dann höchstwahrscheinlich rund 10.000 verkaufte Hefte zählen. Roadster hat 50.000 Hefte gedruckt (Abverkaufsrate also ~20 Prozent), Fuel hat 35.000 gedruckt (Abverkaufsrate also knapp 30 Prozent). Über diese Zahlen gibt es sehr verschiedene Meinungen. Früher hat man durchaus mal mit 10 Prozent Abverkaufsrate bei einer Nullnummer gerechnet, wobei man da zugegebenermaßen auch mehr Hefte druckte. Das Papier war ebenfalls billiger. 20 Prozent Abverkauf galten als guter Wert zum Start. Man gab solchen Publikationen dann die Zeit, auf das wirtschaftliche Optimum zu kommen, das je nach Heft meist zwischen 40 und 60 Prozent Abverkauf im Regelbetrieb liegt. Mehr zum Mechanismus hier.

Ich selber finde die Verkäufe im Bereich des Erwarteten. Die erwähnten anderen Meinungen finden es zu wenig. Auf jeden Fall wird es weitere Hefte von Roadster und Fuel geben, und ich hoffe ja, dass die Verlage den Dingern zumindest so viel Zeit geben, dass sie es schaffen können. Ein Baby füttert man ja auch, bis es selber arbeiten gehen kann. Wenige Babys tragen gleich nach der Niederkunft zum Familieneinkommen bei. Das müssen schon sehr gesuchte Baby-Models für den Ottokatalog sein oder so.

Wie gesagt finde ich beide Hefte interessant genug, dass ich Geschichten vorgeschlagen habe. Für den Roadster habe ich eine SR-Geschichte entwickelt, die sich Guido gewünscht hat, Erscheinungstermin unbekannt. Zum Geschichtenvorschlag habe ich Rolf gesagt, er soll gleich vorher mit Flottillenadmiralschefredakteur Michael Pfeiffer sprechen, weil der das wahrscheinlich nicht möchte, und das ist jetzt auch wie erwartet. Ich verstehe ihn ja: Wenn mich der Pfeiffer fragen würde, ob er mir ein Editorial schreiben soll, würde ich auch sagen: “Weisch, des bassd glaub i ned …”

Schließlich habe ich noch in der Medienpräsentation von “Craftrad” geblättert, das im April als Magazin für den Kaffeetisch an den Markt gehen will. Die Präsentation zeigt als Bezugspunkte außer Motorradheften weltweit auch 11 Freunde und die Ramp, das Automagazin, bei dem man nur die tollen Bilder angucken sollte. Die Craftrad ist bisher so aufgetreten, dass ganz viele Leute ganz große Hoffnungen hegen, dass es toll wird. Ich persönlich hätte ja gern ein Motorradheft wie die erste neue Motor Revue: Ausschließlich tolle Magazingeschichten von vorne bis hinten, mit viel Mut, ohne Bückling für Werbekunden. Die Erstausgabe der Motor Revue war das einzige Heft, das ich von vorn bis hinten gelesen habe wie ein Buch. Dann kostet das halt 7,50. Ich meine: Die Technology Review kostet mittlerweile 9,40 Euro. Wenn eine Craftrad wird wie die Motor Revue, bestelle ich sofort drei Abos. Hoffentlich nehmen sich die Zunftradl-Macher sowas zum Vorbild statt die Ramp, denn die dreht den Regler weiter auf die 11: “Wir haben keine Werbung. Wir SIND die Werbung.” Naja, wie immer: Abwarten und Scotch trinken. Wir werden alles sehen.

Video: Hipster Central verkauft ALLES

Clemens Gleich in Kategorie(n) , , - 22.01.2015

Real Koinzidenz, gefühlt göttliche Absicht: Als wir zur Präsentation der Ducati Scrambler reisten, fanden wir schon am ersten Abend den Laden, der ALLE Hipstervideoproduzenten ausstattet oder das zumindest könnte. Das Sortiment hättet ihr mir nicht geglaubt, deshalb habe ich es gefilmt: