Wer redet, ist nicht tot

Clemens Gleich in Kategorie(n) , - 27.03.2015

Vor langer Zeit kam mal Daniel Sattler zu mir mit der Idee, gemeinsam was mit Medien zu machen. Ich schlug einen Talk vor, den man in der damaligen Boso-Werkstatt machen könnte, Daniel organisierte flugs Ausrüstung nebst einer Crew, die zu bedienen. Daniel hat für solche Überzeugungsarbeit glaube ich ein Talent. Wir wollten über die BMW R nineT reden, über die Cafe Racer, über die gesamte geänderte Szene, mit fünf Leuten: Timo Großhans, Mark und Robert von den Surfazz-Jungs, Daniel und mir. Leider scheiterte das immer wieder daran, dass immer wieder mal jemand anderes keine Zeit hatte. Einmal war ich auf Präsentation, dann war Daniel beim Cross-Training, dann war Timo im Krankenhaus, dann konnte die (nicht vergessen: freiwillige!) Filmcrew nicht. Das war eine gute Idee, aber wohl zu groß zum nebenher neben allem machen. Deshalb jetzt ein neuer Versuch in kleiner: zwei Männer mit Mikros, eine Kamera, eine Kneipe (www.ritterstueble.de). Wir möchten das, wenn es geht, regelmäßig machen. Schaut mal rein:

Monkey Talk über Neubärte auf Alteisen

Kradisten kooperieren nicht

Clemens Gleich in Kategorie(n) , - 18.03.2015

Vor langer Zeit sprach ich bei MO mit Jochen Soppa über eine Geschichte und wie man sie sinnvoll stemmt. “Da frag ich einfach den Klaus Herder, ob er mitkommt, dann macht er seine Geschichte und ich meine und wir helfen uns bei Fotos”, phantasierte ich. “Das kannst du gerne probieren”, sagte Jochen, “aber ich kann dir die Antwort schon jetzt geben: Vergiss es.” Er hatte recht. Kooperieren, das macht der Motorradjournalist einfach nicht. Das liegt weniger an den Redakteuren, weil die sich eher verhalten wie eine einzige große Klasse mit Schullandheim-Präsentationen, sondern in den Chefriegen. Alle Chefs dieser Szene hassen sich irgendwie gegenseitig mit Inbrunst. Kooperationen werden sofort unterbunden. Das erste Mal, dass eine echte Kooperation möglich wurde, war mit Matthias Hirsch (bikerszene.de), damals mit dem Vergleich der neuen Monster 1200 mit den Hypernakeds. Ich machte was für Heise Autos, er für sich. Eigentlich direkte Konkurrenz. Aber die Vorteile überwiegen. Matthias kennt das halt noch nicht, dass er als Chef Kooperationen unterbinden müsste. Weil das so gut geklappt hat, habe ich mich weiter gewagt an jemand Anderen, der den Hass der Chefetage noch nicht lang genug lernen konnte: Guido Kupper, ehemaliger MO-Kollege, heute Roadster-Magazin. Mit einem Guido arbeite ich jederzeit gern zusammen, aber ich muss auch meine Miete bezahlen, und dazu kann Guidos Verlag nur bedingt beisteuern. Deshalb schlug ich vor, dass es Geschichten für Papier und hier geben könnte, damit ich zwar weiterhin meine Miete nicht bezahlen kann (bezahlen wird völlig überbewertet), aber immerhin noch einen Fleißstern selber davon habe. Im Heft steht dann irgendwas mit URL (mojomag.de), hier stehen die Kioskzeiten. Drückt uns die Finger, dass sich das bisl gegenseitig ansteckt. Wie immer auf dieser Experimentierplattform: Wenn es nicht funktioniert, lassen wir es. Und jetzt fangen wir mal klein an mit einer Ansage:

Bitte sagt mir nicht, wie ich Motorrad fahren soll.

Geld oder Leben!

Clemens Gleich in Kategorie(n) , - 05.03.2015

Wie letztes Jahr habe ich auch dieses Jahr wieder meine Kolumnen kompiliert in einer Sammlung. Was da alles passiert ist in 2014! Illegale Kartrennen, Megaschwänze, Ferdinand Dudenhöffer, Hartmut Engler, der ADAC, der Blinddarm, Dschobbr, Kinderfresser auf BMWs, Tötungsschalter, Hipstler, Totsagungen, Rock ‘n’ Roll, die Bibel, Cargo-Kulte, (spezielle) Relativitätstheorien, Angstränder, Mord, Folter, aus-dem-Flugzeug-werfen und die Rühreier des Marlboro-Mannes. Und trotz alledem blieb das Fußballfähnchen der größte Aufreger. Man kann diese Kompilation für 3 Euro kaufen, und die alte kostet jetzt 1 Euro, weil man auf Amazon keine Sachen kostenlos einstellen kann. In iTunes gibbet das Teil ebenfalls. Endlich hat auch Googles Play Store ein gescheites Interface für Autoren. Früher mit einem Java-Applet, das ein PDF hochlädt, das war einfach willkürlich grauenhaft und hat bei mir nicht funktioniert. Aber jetzt isses subbr auch für Leser, denn bei Google Play kann man nach dem Kauf ein Epub oder PDF jeweils ohne DRM frei für jedes Gerät herunterladen, wonach immer viele Leute gefragt haben.

“Ich habe eine Fahne” auf Amazon

“Ich habe eine Fahne” auf iTunes

“Ich habe eine Fahne” auf Google Play

Die verdammte Lügenpresse schlägt wieder zu

Clemens Gleich in Kategorie(n) - 04.03.2015

Letzte Woche stellte ich eine Kolumne hier ein, die ich eigentlich für Heise Autos geschrieben hatte, die vom Supernunzio. Dazu schrieb ich, dass den Kollegen wohl die Kollegenschelte zu stark war. Ich hätte wissen können, dass im aktuellen Klima gleich das Geschrei kommt von Zensur und Lügenpresse, aber ich bin trotz meiner Selbstdarstellung eben doch nicht allwissend. Es tut mir ein bisschen leid, dass es offenbar für Einige Wasser auf ihre komischen Gebetsmühlen war, und es tut mir vor allem deshalb leid, weil gerade Heise am mutigsten Themen von mir bringt, die Andere mit der Kneifzange nicht anfassen. Heise Autos hat mich dafür bezahlt, Daimlers Verwicklungen in die finstere Contra-Affäre mit Folter, Vergewaltigung und Kindesraub anzuprangern. Kein anderes Auto-Outlet hatte das Thema überhaupt, und meine Hauptquelle Gaby Weber wird für ihre Arbeit meistens eher angegangen. Bezahlt wird sie unter Anderem von Telepolis, auch Heise-Verlag. Auf Heise Autos kritisierten wir unsere eigene Szene, den SUV und machten uns überhaupt über alles lustig, was eben lustig ist. Wenn mal was abgelehnt wird, liegt das oft an momentaner Stimmung oder es passt halt nicht. Heute habe ich wieder eine Kolumne, die ich eigentlich für Heise schrieb, in diesem Fall für den Hauptkanal Heise Online. Und diesmal möchte ich es eindeutiger sagen: Dieses Thema fand Jürgen Kuri so interessant, wie Martin Franz von Heise Autos Nunzios Quantasie interessant fand. Sie wollten diese eher schwierigen Themen (Heise paddelt ja auch wie jeder Verlag mit Experimenten zum Digitalvertrieb herum), aber sie wollten sie halt anders. Im Ebook-Fall: kürzer. Ich werde mich bei einem neuen Anlass mal wieder hinsetzen und eine von vornherein kurze Fassung schreiben, die sich zum Beispiel den Aspekt “Was empfinden Leser als fairen Digitalpreis?” herausnimmt. Aber den Rundumschlag poste ich jetzt, sonst wird er zu alt. Das ist einfach dieses taktische Hinhalten der Lügenpresse.

Verlage, die Ebook-Leser hassen

Kritik an Kritik

Clemens Gleich in Kategorie(n) - 24.02.2015

Anderen Schreibern etwas vorzuhalten, das galt früher als verpönt. Die Gründe lagen im Miteinander: Wir hauen denen heute nicht auf die Finger, weil wir nicht wollen, dass sie uns morgen auf die Finger hauen. Nur die Nische der Übermedienberichterstatter nahm sich selber davon aus, denn sonst hätten sie nix zu schreiben gehabt. Ich fands auch schon immer albern. Als ob ein bisschen Kritik hin und her so schlimm wäre. 2015 klingt das alles wie sehr lange her. Ein Sebastian Heiser gebärdet sich wie ein Ein-Mann-Geheimdienst, indem er Interna heimlich mitschneidet und danach seine eigene Gesetzesauslegung erklärt: “Das darf ich!”. Das ist schon sehr hart. Auf der anderen Seite des Spektrums ist meine Kolumne für letzte Woche abgelehnt worden, weil die Autopresse in der Kritik steht und der Heise-Verlag als eine der letzten Institutionen das “keine Kollegenschelte” hochhält. Ja, ich weiß, dass in meiner Kolumne schon oft Kollegenschelte drin war, die wurde halt irgendwie nicht bemerkt. Es sind alles nur Menschen. Persönlich halte ich Kritik in der Autopresse für höchst notwendig, weil im Business as usual dort selbst die Reste einstigen Journalistenanspruchs anderer Sparten fehlen. Man urteile selbst, ob der Text zu stark kritisiert:

Eigentlich geht er ja mehr um diesen Hochstapler