Video: Hipster Central verkauft ALLES

Clemens Gleich in Kategorie(n) , , - 22.01.2015

Real Koinzidenz, gefühlt göttliche Absicht: Als wir zur Präsentation der Ducati Scrambler reisten, fanden wir schon am ersten Abend den Laden, der ALLE Hipstervideoproduzenten ausstattet oder das zumindest könnte. Das Sortiment hättet ihr mir nicht geglaubt, deshalb habe ich es gefilmt:

Nur die “richtigen Menschen”, bitte!

Clemens Gleich in Kategorie(n) - 12.01.2015

Nachdem ich das Argument von den “richtigen Menschen”, die man ausschließlich reinlassen sollte, jetzt so oft gehört habe: Ich werde nie eurer Meinung sein, denn ich war immer einer von den falschen Menschen, die nie reingekommen wären. Die Wohlfahrt hat viel Geld für mich bezahlt, aber die Gesellschaft hat mittlerweile mehr Geld zurückbekommen. In einem weitestgehend entsolidarisierten Staat wie den USA wäre meine zersprengte Familie wahrscheinlich komplett unter die Räder gekommen und ich würde euch heute (kaum gestrecktes!) Crack anbieten. Jetzt darf das Argument gerne kommen, dass ich halt als Deutscher geboren bin und ein Einwanderer per definitionem nicht. Dem stehen zwei Punkte gegenüber: Erstens braucht Deutschland aufgrund der Geburtenrate Einwanderung für unsere Renten, was kaum jemand heute noch abstreitet. Und zweitens kann niemand per Formular erkennen, wie viel ein Mensch irgendwann der Gesellschaft wert sein wird.

Ich habe zwangsläufig viele andere falsche Menschen kennengelernt während meiner Jugend. Asylanten. Weitestgehend mittellose DDR-Flüchtlinge. Verarmte Arbeiterfamilien. Gastarbeiterkinder. Der Staat hat für alle diese falschen Menschen bezahlt. Natürlich liegen einige davon ihm bis heute auf der Tasche. Aber der größere Teil hat etwas aus der Chance gemacht, die ihm von einer solidarischen Gesellschaft ermöglicht wurde. Unterm Strich kommt ein Plus heraus. Das ist das Prinzip der Solidargemeinschaft: Starke zahlen für die Schwachen mit. Schwache erhalten somit mehr Chancen. Inklusive Missbrauch hat sich dieses System gerade wegen seiner Einfachheit in vielen Bereichen gut bewährt. Ich finde es traurig, dass so viele Deutsche sich offenbar in immer mehr Bereichen davon lösen möchten. Wie soll dann eine Krankenkasse der Zukunft aussehen? Jeder zahlt nach seinem Gesundheitszustand der letzten Jahre? Unter die Räder mit euch, Senioren, Dauerkranke und alleinstehende Mütter! Ihr seid einfach nicht richtig genug.

Die naheliegende Frage folgt dann oft: “Ja, würdest du denn dann so ein Solidarprinzip letztendlich auf ALLE Menschen der Erde ausdehnen?” Ja, natürlich. Wir helfen schon heute schwächeren Ländern, mit gutem Grund. Dazu muss man nur ein bisserl weiter als bis zum Rand seines kleinen Suppentellers schauen, in dem es nicht genug Suppe gibt für die ganze Welt. Weiter denken, langfristiger: Wenn die Menschheit je weiter will, also in den Weltraum expandieren, dann braucht sie eine möglichst große Gemeinschaft, um diese Herkulesaufgabe zu stemmen. Jetzt kann man unterschiedliche Meinungen darüber haben, wie so eine Gemeinschaft aussehen sollte. Sie kann durchaus entsolidarisiert und elitaristisch sein, eine Gemeinschaft nur der “richtigen Menschen”, geprüft per Formular. Ich persönlich zweifle daran, dass sowas die lebenswerteste Zukunft wird. Ich würde ungern in der Wunschgesellschaft der Richtigen (kaum gestrecktes!) Crack verkaufen.

Ich glaube daran, auch formularisch falschen Menschen eine Chance zu geben. Ganz oft höre ich: “Wieso hast du so viel Geduld mit Menschen?” Weil sie sich lohnt. Wer das Herz am rechten Fleck hat, verdient seine Chancen. Das werden viele anders sehen. Gut. Recht. Aber man habe Verständis dafür, dass ich einer Argumentation, die den Wert von Menschen anhand von Formularen feststellen will, nur bedingt folgen werde. Und damit zurück zu Kraftfahrzeugen.

Der Islam-Mist

Clemens Gleich in Kategorie(n) - 09.01.2015

Gestern gab es zwei Sorten von Privatnachrichten, die ich nochmal kurz ansprechen möchte. Die erste ging so in der Art: “Du sollst nicht von möglichen anderen Organisatoren sprechen, weil doch klar ist: Es war der Islamist ™!” Ich möchte an den Breivik erinnern, wie da auch alle schrien, das wäre so EINDEUTIG islamistischer TERROAR, der jetzt Europa ÜBERFLUTEN werde mit Bärten und Burkas. Stimmte halt nicht. Es schadet niemandem, ein paar Ergebnisse abzuwarten, denn Schnellschussurteile setzen sich sowieso viel zu schnell fest. Meine eigene Ansicht, dass der Islamist ™ es war, bildete sich bei Selbsthinterfragung ja auch nur, weil es irgendein Schreiber sofort vermutete. Den einzigen Hinweis haben wir, weil der Islamist ™ wie immer seinen Pass verlor, denn schon im Koran steht: “Du sollst deinen Pass verlieren, wenn du attentäterst.” (3. Gebot Iblis) Warten wir doch einfach. Vielleicht kommt noch Erhellendes, wie nach Oslo. Nicht wahrscheinlich, aber möglich.

Die zweite Sorte von Nachrichten geht so: “Jetzt kannst du aber nimmer bestreiten, dass Pegida voll wichtig ist!”. Doch. Mehr noch: Schon diese Aussage ist kindisch. Die Wahrscheinlichkeit, vom Blitz beim Scheißen erschlagen zu werden, liegt bei X. Eine Nachricht erscheint in der Zeitung: “Mann beim Scheißen von Blitz erschlagen!” Wie lautet der Wert für X jetzt? Aber wenn die Pegidas nicht auf so kindische Weise unzufrieden wären, würden sie sich eh anders präsentieren. Pegida lebt vom Einzelfall, mit dem man alles belegen kann. Mir hat mal jemand die Vorfahrt genommen, und wisster was? Der Fahrer war SCHWARZ! Wo soll DAS noch hinführen?! Zum Krieg mit Russland, arschklar. Das wollen DIE DA OBEN doch! Ich bleibe dabei: Pegida ist ausschließlich auf der Metaebene interessant: Eine ausreichende Anzahl Menschen sind ausreichend unzufrieden, dass sie auf die Straße gehen, und das in Deutschland! Diese gesellschaftliche Position ist interessant. Die Einzelpositionen der Pegida-Protester (nicht zu verwechseln mit dem Rechtfertigungs-Positionspapier) sind wie das Blei aus einem Schrotschuss: schwer herauszuarbeiten, langweilig, in vorhersagbarer Weise zufällig und man sollte die Brocken nicht verschlucken.

Ach ja: Scrambler!

Clemens Gleich - 08.01.2015

Pour vous:

Ducati Scramber

Die Spalter

Clemens Gleich in Kategorie(n) - 08.01.2015

Terror ist die Waffe Ohnmächtiger. Wie kann jemand gegen den größten Militärapparat der Welt kämpfen? Er schürt irrationale, vollkommen überproportionale Furcht. Er macht sich emotional größer, als er ist. Aber Terror erlangt aufgrund eben dieser seiner Natur immer nur so viel Macht, wie wir ihm geben. Der Anschlag auf Charlie Hebdo erfolgte augenscheinlich auch aus einer Ohnmacht, einer Ohnmacht vor dem intellektuellen Angriff der Witze, denen die Täter keine sozialen Fähigkeiten entgegensetzen konnten und stattdessen schossen. Nun sind wir alle auch nur Menschen, und viele haben jetzt Angst, obwohl sich die Gesamtsituation durch diesen Einzelfall nicht geändert hat. Ich kann das gut verstehen, aber wer in seinem Herzen außer Furcht auch Mut findet, möge sich an Premierminister Jens Stoltenbergs Worte zur Trauerfeier der Opfer des Breivik-Attentats erinnern:

Wir sind immer noch geschockt über das, was passiert ist, aber wir werden niemals unsere Werte aufgeben. Unsere Antwort ist mehr Demokratie, mehr Offenheit und mehr Menschlichkeit!

Gegen die ohnmächtigen Verzeiflungstaten solcher Menschen ist das der einzig funktionierende Weg. Jede andere Lösung macht Einzelverbrechern derart mächtige Zugeständnisse, dass sie nur belegen, wie gut Terror funktioniert. Diese schwierige Aufgabe ist genau der Grund, warum Einsatzkräfte der Regierung stets gehalten sind, nicht mit Terroristen wirklich zu verhandeln: Sie würden damit auf die Stufe eines entsprechend mächtigen Verhandlungspartner gestellt. Das nächste Mal verlangen sie gleich nach dem, was ihnen in ihrer virtuellen Position zusteht. Nein.

Was wird jetzt passieren? Das Übliche: kopfloser Aktionismus; Aasgeier, die Leichen fleddern, um ihre Agenda zu transportieren; Blame Game. Vom Kopf zu Gehirn gelangend sehen wir uns kurz an, was der Anschlag auf den ersten drei Ebenen bewirkt:

  1. Angst. Wer das Attentat mitbekommen hat, wird daran denken, wenn er das nächste Mal den Islam als Thema für Witze hernehmen will. Durchaus ein mögliches Primärziel.
  2. Mehr Angst. Seit heute haben alle News-Lesenden mehr Angst vor braunhäutigen Menschen mit Bärten oder entsprechender Tracht. Wenn ich eine Gegenorganisation wäre, hätte ich genau so einen Anschlag durchgeführt, um es Moslems generell und radikalisierten Moslems speziell in Zukunft schwerer zu machen. Die Geschichte ist voll von Beispielen für solche Aktionen, und die routinierte Teamarbeit mit Sturmgewehr der Täter passt zu Profis, wozu ein im Fluchtwagen vergessener Pass (WTF?) überhaupt nicht passt.
  3. Ausgrenzung und Spaltung. Die dritte Ebene wiederum spricht für einen radikalen Organisator. Meine Freundin erhob sich gedanklich auf diese dritte Ebene, die mir nicht einfiel: Wenn ich eine Gesellschaft spalten möchte, arbeitet Punkt 2 zwar zunächst gegen mich, aber er drängt gleichzeitig Moslems an den Rand der Gesellschaft, wo sie sich mit meiner Hilfe radikalisieren und somit meinen Zwecken unterstellbar sind. Der Mechanismus zeigt sich zum Beispiel überall, wo die USA mit jedem getöteten Listenterroristen zwei weitere vorher Neutrale zu den Radikalen treiben. Plus: Ich möchte diese gesellschaftliche Spaltung ja, wenn ich gegen die Gesellschaft als solche arbeite.

Das Gute ist, dass jeder dieser Punkte nur so erfolgreich sein kann wie der erste, wie wir ihn lassen. Letztendlich ist es also egal, wer den Anschlag verantwortet. Wer die Größe findet, mit Terrortrollen auch emotional nicht zu verhandeln, ehrt die toten Redakteure am meisten. Mögen sie in Frieden ruhen. Mögen sie nicht umsonst gestorben sein. Als Publizist muss man für seine Freiräume einstehen. Sonst verschwinden sie irgendwann klammheimlich, und erst der nächste Charb, Cabu, Wolinsiki oder Tignous wundert sich, was er alles nimmer darf. Biegen wir also Herrn Churchill um:

Against Terror: Defiance