Metatest: Suzuki GSX-S 1000

Clemens Gleich in Kategorie(n) , - 08.04.2015

Jochen Vorfelder hat die Suzuki GSX-S 1000 getestet, die ich vorab als bisi langweilig einschätzte. Ich möchte einige Punkte in Jochens Text kommentieren. Erstens Preis: 12.190 Euro für ein Naked Bike, das sich auch nach Jochens Einschätzung über den Preis verkaufen muss. Das “Pure” der Suzi relativiert sich, wenn man weiß, dass die Kawasaki Z 1000 im selben Preisbereich die Traktionskontrolle auch noch weglässt. Es ist also nur Marketinggewäsch für Suzukis eigentliches Problem: dass sie technisch den Anschluss so weit verloren haben, dass sie ihn offenbar nicht einmal mehr suchen. Jochen listet folgende Dinge auf, um Verzicht zugungsten eines Purismus’ zu dokumentieren: “Kurvenfahrlicht, TFT-Display, Quickshifter, Kurven-ABS, semi-aktives Fahrwerk, verschiedene Fahrmodi und Tempomat” Da kann jeder mal selbst gucken, wie es bei den meisten selbst der modernsten Naked Bikes mit den meisten dieser Optionen ausschaut. Suzuki wirft hier Nebelkerzen.

Dann beschwert sich Jochen über sehr schlechtes Lastwechselverhalten, nur um das gleich wieder als Purismus zu loben. Dabei kommt auch das nur aus Suzukis Rückständigkeit. Zu Zeiten der Gleichdruckvergaser in den meisten Straßenmaschinen gingen die Motoren systembedingt weicher ans Gas. Einspritzanlagen für die Straße versuchten, das zu simulieren, was aber schnell durch Abgasvorschriften erschwert wurde (Euro 3). Heute sind gute E-Gas-Griffe das Maß der Dinge. Sie tun im Prinzip aus denselben Gründen nichts anderes als die Gleichdruckschieber damals: Kanten durch eine Verzögerung absoften. Wie bei den meisten Techniken funktionierte das zunächst eher mittel, aber heute gibt es Systeme, deren Funktion so gut ist, dass ihnen ebendiese Güte gelegentlich angekreidet wird. Aprilia RSV4. KTM 1290 Super Duke. Hondas V4-Modelle. Suzuki dagegen baut in die GSX-S ihr Doppeldrosselklappensystem, das sie schon seit Ewigkeiten bauen. Vor langer Zeit war das eine Neuheit: eine zweite, elektronisch gesteuerte Drosselklappe pro Kanal, die für bessere Lastwechselmanieren sorgt, erkauft mit doppelten Drosselklappenverlusten. Beim heutigen Stand der Technik fragt man sich nur: Warum, Suzuki?

Suzukis Technik aus den Neunzigern erfüllt vor heutigen Anforderungen nicht einmal mehr ihren eigenen Soll, am klarsten bei den nicht nur von Jochen bemängelten Lastwechseln erkennbar. Diese Lastwechsel sind nicht die gute, alte, goldene Zeit des Motorradfahrens, als der Mut noch ungebrochen war, das Risiko noch hoch, Männer noch richtige Männer waren, Frauen noch richtige Frauen und kleine pelzige Wesen von Alpha Centauri noch richtige kleine pelzige Wesen von Alpha Centauri, sondern diese Lastwechsel bringen die schlimmsten Tiefpunkte der Gasannahme zurück, als die Entwickler um die Jahrtausendwende verzweifelt mit suboptimaler Technik gesetzlichen Anforderungen hinterherpaddelten.

Warum ich das überhaupt schreibe: Einige haben mich gefragt, warum ich das Teil nicht so recht fahren will, es für irrelevant halte. Wegen dieser Rückständigkeit in der Ausführung ebenso wie im Konzept. Die neue Suzi fährt bestimmt gut, zumindest von Fahrwerk und Ergonomie her. Aber sie bringt ein Konzept aus den Neunzigern (das vom Superbike abgeleitete Naked Bike) mit Technik aus derselben Ära. Es gibt gerade so viele spannende Neuigkeiten in der Szene und am Markt, dass sich so ein Thema dort anstellen muss, wo es nach Interesse sortiert hingehört: ganz hinten. Die GSX-S kann ich fahren, wenn sie mal zufällig neben was Interessantem steht, das vorzeitig weggeräumt wird.

Okay, vielleicht hat das Aussehen mehr Einfluss auf die Entscheidung gehabt, als mir bewusst war. (Bild: Suzuki)

Okay, vielleicht hat das Aussehen mehr Einfluss auf die Entscheidung gehabt, als mir bewusst war. (Bild: Suzuki)

Audiostern

Clemens Gleich in Kategorie(n) - 06.04.2015

Jedes Mal, wenn ich einen Podcast hochlade, treffe ich neue, interessante Technikprobleme an in der Art, in der Tuberkelseucheviren immer neu und interessant mutieren. Deshalb hat es bisserl länger gedauert, bis das gewünschte Nur-Audio von Timos Talk mit mir online gehen konnte. Dafür jetzt voll Dschääägg F-Type mit Kompressor! Find it here:

Monkey Talk nur Audio

Wer redet, ist nicht tot

Clemens Gleich in Kategorie(n) , - 27.03.2015

Vor langer Zeit kam mal Daniel Sattler zu mir mit der Idee, gemeinsam was mit Medien zu machen. Ich schlug einen Talk vor, den man in der damaligen Boso-Werkstatt machen könnte, Daniel organisierte flugs Ausrüstung nebst einer Crew, die zu bedienen. Daniel hat für solche Überzeugungsarbeit glaube ich ein Talent. Wir wollten über die BMW R nineT reden, über die Cafe Racer, über die gesamte geänderte Szene, mit fünf Leuten: Timo Großhans, Mark und Robert von den Surfazz-Jungs, Daniel und mir. Leider scheiterte das immer wieder daran, dass immer wieder mal jemand anderes keine Zeit hatte. Einmal war ich auf Präsentation, dann war Daniel beim Cross-Training, dann war Timo im Krankenhaus, dann konnte die (nicht vergessen: freiwillige!) Filmcrew nicht. Das war eine gute Idee, aber wohl zu groß zum nebenher neben allem machen. Deshalb jetzt ein neuer Versuch in kleiner: zwei Männer mit Mikros, eine Kamera, eine Kneipe (www.ritterstueble.de). Wir möchten das, wenn es geht, regelmäßig machen. Schaut mal rein:

Monkey Talk über Neubärte auf Alteisen

Kradisten kooperieren nicht

Clemens Gleich in Kategorie(n) , - 18.03.2015

Vor langer Zeit sprach ich bei MO mit Jochen Soppa über eine Geschichte und wie man sie sinnvoll stemmt. “Da frag ich einfach den Klaus Herder, ob er mitkommt, dann macht er seine Geschichte und ich meine und wir helfen uns bei Fotos”, phantasierte ich. “Das kannst du gerne probieren”, sagte Jochen, “aber ich kann dir die Antwort schon jetzt geben: Vergiss es.” Er hatte recht. Kooperieren, das macht der Motorradjournalist einfach nicht. Das liegt weniger an den Redakteuren, weil die sich eher verhalten wie eine einzige große Klasse mit Schullandheim-Präsentationen, sondern in den Chefriegen. Alle Chefs dieser Szene hassen sich irgendwie gegenseitig mit Inbrunst. Kooperationen werden sofort unterbunden. Das erste Mal, dass eine echte Kooperation möglich wurde, war mit Matthias Hirsch (bikerszene.de), damals mit dem Vergleich der neuen Monster 1200 mit den Hypernakeds. Ich machte was für Heise Autos, er für sich. Eigentlich direkte Konkurrenz. Aber die Vorteile überwiegen. Matthias kennt das halt noch nicht, dass er als Chef Kooperationen unterbinden müsste. Weil das so gut geklappt hat, habe ich mich weiter gewagt an jemand Anderen, der den Hass der Chefetage noch nicht lang genug lernen konnte: Guido Kupper, ehemaliger MO-Kollege, heute Roadster-Magazin. Mit einem Guido arbeite ich jederzeit gern zusammen, aber ich muss auch meine Miete bezahlen, und dazu kann Guidos Verlag nur bedingt beisteuern. Deshalb schlug ich vor, dass es Geschichten für Papier und hier geben könnte, damit ich zwar weiterhin meine Miete nicht bezahlen kann (bezahlen wird völlig überbewertet), aber immerhin noch einen Fleißstern selber davon habe. Im Heft steht dann irgendwas mit URL (mojomag.de), hier stehen die Kioskzeiten. Drückt uns die Finger, dass sich das bisl gegenseitig ansteckt. Wie immer auf dieser Experimentierplattform: Wenn es nicht funktioniert, lassen wir es. Und jetzt fangen wir mal klein an mit einer Ansage:

Bitte sagt mir nicht, wie ich Motorrad fahren soll.

Geld oder Leben!

Clemens Gleich in Kategorie(n) , - 05.03.2015

Wie letztes Jahr habe ich auch dieses Jahr wieder meine Kolumnen kompiliert in einer Sammlung. Was da alles passiert ist in 2014! Illegale Kartrennen, Megaschwänze, Ferdinand Dudenhöffer, Hartmut Engler, der ADAC, der Blinddarm, Dschobbr, Kinderfresser auf BMWs, Tötungsschalter, Hipstler, Totsagungen, Rock ‘n’ Roll, die Bibel, Cargo-Kulte, (spezielle) Relativitätstheorien, Angstränder, Mord, Folter, aus-dem-Flugzeug-werfen und die Rühreier des Marlboro-Mannes. Und trotz alledem blieb das Fußballfähnchen der größte Aufreger. Man kann diese Kompilation für 3 Euro kaufen, und die alte kostet jetzt 1 Euro, weil man auf Amazon keine Sachen kostenlos einstellen kann. In iTunes gibbet das Teil ebenfalls. Endlich hat auch Googles Play Store ein gescheites Interface für Autoren. Früher mit einem Java-Applet, das ein PDF hochlädt, das war einfach willkürlich grauenhaft und hat bei mir nicht funktioniert. Aber jetzt isses subbr auch für Leser, denn bei Google Play kann man nach dem Kauf ein Epub oder PDF jeweils ohne DRM frei für jedes Gerät herunterladen, wonach immer viele Leute gefragt haben.

“Ich habe eine Fahne” auf Amazon

“Ich habe eine Fahne” auf iTunes

“Ich habe eine Fahne” auf Google Play