Messen messen

Clemens Gleich - 02.09.2010

Die Tage habe ich ver­bal ein biss­chen auf die Inter­mot ein­ge­dro­schen. Dafür möchte ich mich nicht ent­schul­di­gen. Ich möchte viel­mehr fest­stel­len, weil ich es am Tele­fon gerade fest­stelle, dass der­zeit noch andere Mes­sen statt­fin­den, auf die arme (und zum Glück andere) Men­schen hin müs­sen. Die IFA zum Bei­spiel. Oder der "Cara­van Salon" in Düs­sel­dorf. Hierzu habe ich ein neues Skalen­sys­tem ent­wor­fen, ähnlich mei­ner "Gladius"-Skala für die objek­tive Häss­lich­keit eines Motor­rads: das Inter­mote­ther, das in der Ein­heit "Inter­mot" misst. Die IFA schlägt dar­auf mit exakt 1,52 Inter­mot an. Der Cara­van Salon in Düs­sel­dorf schlägt bei etwa 0,8 Inter­mot aus, bedingt durch die Funk­fern­mes­sung nach Düs­sel­dorf ist diese Mes­sung weni­ger genau. Und wenn ich es recht erin­nere, liegt die CeBit bei gefühl­ten 500 Inter­mot. Das ist Wis­sen­schaft! Einen wei­te­ren neuen Indus­trie­stan­dard habe ich zum Thema Motorrad-Jeans und abge­trennte Beine ges­tern beim Kaf­fee entworfen:

Auf Jeans einschlagen

Ich packe meine Sachen: Kleidung

Clemens Gleich in Kategorie(n) , - 30.08.2010

Mit der VFR eine Gewalt­tour fah­ren, das fiel mir damals so ein. Jetzt bie­tet sich mit Hon­das VFR-Roadtrip eine an. Eine Gewalt­tour muss gut vor­be­rei­tet sein, des­halb bin ich immer vor­be­rei­tet, weil ich so oft gewalt­tä­tig fahre. Ich lebe hier prak­tisch aus mei­nem Kul­tur­beu­tel, was es mir auch erspart, Zahn­bürs­ten in den Bade­zim­mern der Stadt zu ver­tei­len, wie es die Klein­geld­prin­zes­sin emp­fiehlt. Ich kann immer los­fah­ren. Allein. Und das ist der Punkt: Dies­mal bin ich nicht allein, son­dern wir sind zu acht. Ja, Grup­pen kön­nen gut funk­tio­nie­ren, wenn sie ein­ge­spielt sind. Doch aus unse­rer Gruppe kenne ich exakt 1,42 Leute persönlich.

Warum das ein Pro­blem ist, erklärt der For­scher (in die­sem Fall: ich) damit, dass eine hohe Belas­tung zu ent­spre­chen­dem Stress führt. Stress wie­derum führt zu Hass. "The hate is very real", sagte Sir Ranulph Fien­nes den "Worst Explo­rers in the World", als sie mit dem Auto zum Nord­pol fah­ren woll­ten. Es fängt aller­dings meis­tens schon weit vor dem Nord­pol an, viel­leicht schon im Oden­wald. Des­halb grüble ich bereits jetzt über die Basics. Leder oder Tex­til fah­ren im Sep­tem­ber? Boxer oder Bra­zi­lian String? Wohl­füh­len ist gut gegen Stress ist gut gegen Hass. Die Stan­dard­lö­sung wär ja gewe­sen, in mei­ner BMW-Kampfkartonjacke zu fah­ren, aber die wider­setzt sich aktu­ell allen Ver­su­chen, sie für Fotos sau­ber zu krie­gen. Ein Hil­fe­ge­such an BMWs Beklei­dungs­ab­tei­lung ist soeben raus. Viel­leicht wis­sen die was. Tou­ren­le­der fände ich ja für Fotos am schöns­ten, aller­dings wird der eis­kalte Regen wie es aus­sieht schon heute nacht in Schnee über­ge­hen, also wird das wohl zu kalt sein.

Wasch­ma­schine nutz­los, Bürste erfolg­los, Cle­mens ratlos

Und dann eben Equipment-Masturbation. Wir wer­den Foto-Objektive aus geschlif­fe­nen Roh­dia­man­ten mit­neh­men, eine Bat­te­rie von abstrus auf­lö­sen­den Film­ka­me­ras, genug Mikro­wel­len­funk­sys­teme, um ein klei­nes Huhn zu garen und genug Navis, dass sie uns vom Hass ablen­ken, indem sie uns wahn­sin­nig machen. Es geht über­haupt gene­rell um etwas Ablen­kung in der Arbeit. Meine Liste umfasst bis jetzt eine falt­bare Rei­se­schreib­ma­schine, einen mono­li­thi­schen MP3-Player, das Gesamt­werk von Samuel Lang­horne Cle­mens, ein Feu­er­zeug, ein Sack Kabel­bin­der, ein Fall­mes­ser und zwei Fla­schen Talis­ker, mög­lichst in Fassstärke.

Das mag jetzt über­trie­ben erschei­nen. Doch das haben meine Beglei­ter auf der letz­ten Tour auch gesagt, und dann ist diese unschöne Sache mit den Flei­scher­ha­ken und den "Brigitte"-Heften auf dem Lin­ole­um­bo­den pas­siert. Lie­ber Vor­sicht als Nachsicht.

Cool! Hot! In-ter-mot!

Clemens Gleich in Kategorie(n) , , - 26.08.2010

Die Über­schrift ist der oggi­nool Slo­gan der letz­ten Inter­mot. Die Ver­an­stal­ter die­ser viel­leicht größ­ten deut­schen India­ner­schmuck­messe haben auch die­ses Jahr wie­der den schlech­tes­ten Slogan-Schreiber der Welt ver­pflich­ten kön­nen. Dies­mal heißt es "I love Inter­mot". So wie diese Auf­kle­ber in den Acht­zi­gern mit einem Herz zwi­schen dem "I" und dem varia­blen Akku­sa­tiv­ob­jekt, nur mit einem roten Motor­rad statt einem Herz. In den wil­den Acht­zi­gern waren sol­che Slo­gans weit ver­brei­tet, Eng­lisch gene­rell bes­ser als Deutsch, weil es damals noch kei­ner rich­tig ver­stand. Eng­lisch kam aus Ame­rika, und was aus Ame­rika kam, war per defi­ni­tio­nem gut. Anders las­sen sich Jeans­an­züge mit USA-Flaggen als dama­lige Mas­sen­mo­de­er­schei­nung auch kaum erklären.

Im noch recht fri­schen Jahr­tau­send haben Jeans­an­züge, "I *Herz­chen* Akku­sa­tiv­ob­jekt", die USA und die Inter­mot stark an Beliebt­heit ver­lo­ren, vor allem an die­sem Schreib­tisch hier. In den Acht­zi­gern hatte ich zum Bei­spiel noch eine abge­schnit­tene (Jeans!-) Bade­hose mit US-Flagge auf dem Arsch, heute bin ich längst wie­der zur tra­di­tio­nel­len Ber­muda in Reichs­kriegs­flag­gen­farbe zurück­ge­kehrt. Vor der Inter­mot drü­cke ich mich eben­falls regel­mä­ßig, denn ich habe für schlechte Zei­ten schon lange große Vor­räte an Traum­fän­gern und Airbrush-T-Shirts mit Wolfs­mo­ti­ven drauf im Kel­ler ange­legt. Wenn die Apo­ka­lypse kommt, bin ich vor­be­rei­tet. Die­ses Mal ist es ganz leicht, nicht auf die Messe zu gehen. Ich sage ein­fach mei­nem Chef (mir), dass ich kei­nen Bock habe. Das letzte Mal war es etwas schwie­ri­ger, doch ich habe eisern mei­nen Que­ru­lan­ten­kurs durch­ge­hal­ten und bin in die Alpen geflüch­tet. Und dann ist das hier passiert:

Hei­rat, Wahn­sinn, umstür­zende Trecker

Dieselelektrischer Morgan-Zweisitzer

Clemens Gleich in Kategorie(n) , - 25.08.2010

Und noch­mal Mor­gan, dies­mal mit ihrem "Lifecar2". Es ist schon span­nend, ein die­sel­elek­tri­sches Auto mit 1000 km Reich­weite bei unter 800 kg Gewicht bauen zu wol­len. Es ist auch mutig, sich der Wahr­heit zu stel­len und die im Ori­gi­nal­ent­wurf vor­ge­se­hene Brenn­stoff­zelle zu ver­wer­fen. Bei den der­zei­ti­gen Tech­nik­aus­sich­ten bringt man per Die­sel die höchste Ener­gie­dichte ins Fahr­zeug und hat die Tank­stel­len dazu außer­dem schon. Wenn die Ölför­de­rung zu teuer wird, kann der Die­sel BtL-Sprit ver­bren­nen, den wir dann Mad-Max-mäßig in gro­ßen Men­gen aus Bio­müll und Scheiße her­stel­len wer­den. Für das Design des EvaGT habe ich Mor­gan gelobt, jetzt möchte ich mei­nen ehe­ma­li­gen Trai­ner zitie­ren: "Man darf euch gar nicht loben!", hat er geschrien, wenn jemand nach einem aner­ken­nen­den Wort einen Feh­ler gemacht hat. Der Feh­ler des Lifecar2 ist sein Aus­se­hen. Es sitzt tief in der Retro-Sackgasse, es sieht aus wie ein plum­per Frosch, den ein Schü­ler als Auto geren­dert hat und es hat das­selbe dümm­lich leer grin­sende Gesicht wie diese japa­ni­schen Mon­go­zei­chen­trick­fi­gu­ren, die nur zwei Geräu­sche machen kön­nen, weil sie nur drei Gehirn­zel­len haben. Aber Mor­gans haben ja noch ein klas­si­sches Chas­sis. Viel­leicht kann man die Karos­se­rie des EvaGT über den die­sel­elek­tri­schen Grund­auf­bau zie­hen. Das würde ich dann machen.

*Huargk!* 'Tschul­li­gung. Mein Früh­stück. (Bild: Morgan)

Details bei Morgan

Wen interessieren Pressemitteilungen?

Clemens Gleich - 17.08.2010

Jetzt, nach­dem ich meine tolle Kom­men­tar­funk­tion habe, ist das Post­amt weni­ger wich­tig, eigent­lich kaum noch wich­tig genug, um seine pro­mi­nente Posi­tion zu recht­fer­ti­gen. Das haben wir schon gewusst, als wir das Teil gebas­telt haben, und meine Idee dazu war, dort auch offi­zi­elle Pressepost zu ver­öf­fent­li­chen, genauer: Pres­se­mit­tei­lungs­aus­schnitte im Ori­gi­nal. Keine Angst, nicht alle, son­dern die fünf pro Jahr, die tat­säch­lich inter­es­sant sind. Der Leser­brie­fon­kel kann die dann groß­kot­zig belä­chelnd kom­men­tie­ren und gege­be­nen­falls Pas­sa­gen aus dem Mar­ke­ting­sprech für nor­male Men­schen über­set­zen. Ich wäre dann (gut, neben den Pressemeldungs-Feeds) der ein­zige Sei­ten­be­trei­ber der Welt, der Pres­se­mit­tei­lun­gen ver­öf­fent­licht und als sol­che ste­hen lässt, statt sie blind nach­zu­tip­pen, was ihnen ja auch nicht mehr Sinn oder Gehalt gibt, höchs­tens (noch) mehr Fehler.

Als ich vor eini­ger Zeit im Use­net (jaja, das kennt ihr Kin­ners schon alle nim­mer) inter­es­sante Pres­se­mit­tei­lun­gen dis­ku­tie­ren wollte, habe ich fies die Hupe gekriegt, des­halb inter­es­sie­ren mich Mei­nun­gen: Sind Pres­se­mit­tei­lun­gen mit Nähr­wert als Dis­kus­si­ons­grund­lage inter­es­sant? Darf man über Pres­se­mit­tei­lun­gen lachen? Remem­ber: Man kann auch die Ein­träge im Post­amt kom­men­tie­ren. Bin über jede Mei­nung froh. Zwi­schen­zeit­lich ist ein erfreu­li­cher ech­ter Leser­brief aus dem hohen Nor­den ein­ge­trof­fen, der einen flüs­si­gen Beste­chungs­ver­such enthält:

Scotch für Geschichten