Vorurteil, Versuch, Irrtum

Clemens Gleich in Kategorie(n) – 09.03.2010

Vor­ur­teile sind einer der wich­tigs­ten Performance-Teile mensch­li­cher Mus­ter­er­ken­nung. Ohne Vor­ur­teile wäre uns eine aus­rei­chend schnelle Urteils­fin­dung nicht mög­lich. Des­halb ist es auch so wich­tig, dass Vor­ur­teile eine aus­rei­chend hohe Tref­fer­quote selbst in sehr hete­ro­ge­nen Instan­zen­samm­lun­gen eines Vor­ur­teils auf­wei­sen. Heute habe ich zum Bei­spiel wie­der mal über den Toyota Prius dis­ku­tiert. Wenig bekann­ter Fakt: Ich fand den frü­her in der Schule ziem­lich gut, ein­fach aus dem Grund, weil er irgend­was anders machte. Dann kauf­ten sich poli­tisch kor­rekte ... wie nennt man die? nen­nen wir sie mal wohl­mei­nend "Men­schen" in Ame­rika, die kauf­ten sich alle so einen Prius, vor allem die gut betuch­ten. Sie taten das, um ein State­ment zu machen. So in der Art von "hihi, ich fahr ein 'green car', ich rette die Welt, schaut mich an". Das ist so aggres­siv bescheu­ert, dass nicht nur ich kot­zen wollte, des­halb fin­gen viele Leute an, den Prius zu has­sen, allen voran ich. Wohl­ge­merkt, nicht wegen dem, was er war, son­dern wegen dem, was da so drin saß. Die Art Per­so­nen halt, die den­ken, die Welt werde zu einem Uto­pia, wenn man Haus­meis­ter "Faci­lity Mana­ger" nennt. Oder: "Huhu­huhu, aber 'Irren­haus' sagt man doch nicht", habe ich letz­tens gehört. Klar, es wird alles bes­ser dadurch, dass kei­ner mehr weiß, was etwa das ebenso poli­tisch kor­rekt wie nett benannte "Aus­rei­se­zen­trum" macht. Arschlöcher.

Vor zwei Wochen habe ich eine (US-?) Stu­die gele­sen, dass eben diese Kli­en­tel unglück­lich mit eini­gen neuen, nor­mal auf­tre­ten­den Hybridkon­zep­ten ist, weil sie sich damit nicht län­ger pro­fi­lie­ren kön­nen, nach­dem der­zeit das eigent­lich Gute pas­siert: Die Fahr­zeuge errei­chen eine Mas­sen­durch­drin­gung. Gut so! Sol­len sie belei­digt ihren aro­ma­ti­sier­ten Rrroiiibus­ch­deeh trin­ken und wegen mir auch dran ersti­cken. Lus­tige kleine Autos wie der Honda CR-Z ero­die­ren lang­sam sogar mei­nen lang gewach­se­nen Gebirgs­zug aus Hass gegen alles, auf dem "Hybrid" steht. Ein wich­ti­ges Werk­zeug beim Schär­fen wich­ti­ger Vor­ur­teile ist der Ver­such, dem meis­tens ein Irr­tum folgt. Mein Ver­such auf die­ser Seite war zum Bei­spiel, sie so ein­fach wie mög­lich zu las­sen. Dann wollte doch jemand Kom­men­tare haben. Also habe ich eine Krusch­tel­kam­mer bei Face­book ein­ge­rich­tet, bei der man sel­ber Fund­stü­cke anschlep­pen konnte. War zu umständ­lich. War ein Irr­tum. Des­halb habe ich die Krusch­tel­kam­mer heute in einer kon­trol­lier­ten Spren­gung besei­tigt, und es wird hier doch Kom­men­tare geben — sobald ich Oschers­le­ben errei­che (nur tele­fo­nisch, ver­steht sich). Viel­leicht ist es ja ein über­ar­bei­tens­wer­tes Vor­ur­teil, dass Kom­men­tare unor­dent­lich aussehen.

Hybrid: die (un)elegante Lösung

Clemens Gleich in Kategorie(n) – 08.03.2010

Vor eini­ger Zeit schrieb mal ein klu­ger Beob­ach­ter, den deut­schen Inge­nieu­ren seien Hybrid­lö­sun­gen unsym­pa­thisch, weil sie so stark kom­pro­miss­be­haf­tet, so wenig ele­gant sind. Oh, wir krie­gen ein Pro­blem nicht gelöst, dann bauen wir halt ein­fach einen zwei­ten, ande­ren Motor dazu. Das war natür­lich lange, bevor jeder und seine Oma Elek­tro­au­tos oder Hybrid­fahr­zeuge ankün­digte, als gäbs mor­gen kei­nen Sprit mehr, doch ich glaube, an der Aus­sage ist was dran. Ich weiß, dass an der Aus­sage für mich was dran ist. Oder bes­ser: war, denn auch das ist ein biss­chen her. Damals gab es nur Toyo­tas Prio­nen und gleich posi­tio­nierte, gleich lang­wei­lige Autos, bei deren Name jetzt mal ver­nach­läs­sig­bar ist, weil sie näm­lich auch gleich aus­sa­hen wie der Prius.

Dann habe ich mich jedoch letz­ten April mit mei­nem Kol­le­gen Ger­not Gop­pelt von heise Autos mal beim Kaf­fee über Antriebs­tech­ni­ken unter­hal­ten. Es war sehr ange­nehm, weil Ger­not viel Sach­kennt­nis mit wenig Ökoge­schwa­fel paart. Das ist eine sel­tene Kom­bi­na­tion. Die meis­ten haben es anders­rum. Auf jeden Fall sagte er (durch­aus zu Recht), dass sich mit die­sel­elek­tri­schen Hybrid-LKWs die ohne­hin schon gute Treib­stoff­ef­fi­zi­enz der Nutz­fahr­zeug­mo­to­ren für die Lang­stre­cke ver­bes­sern lie­ßen, weil man bergab so toll Strom spei­chern kann und das zusätz­li­che Gewicht bes­ser zu lösen ist als an einem Auto. Zudem könn­ten dann man­che LKW stück­weise rein elek­trisch fah­ren, damit sie Anwoh­nern weni­ger auf die Ner­ven gehen. Macht Sinn.

Oder Por­sche: Mit ihrem GT3 Hybrid erzeu­gen sie gerade in der Brems­zone Ener­gie, die, in einem Schwung­rad­sys­tem gespei­chert, fürs Raus­be­schleu­ni­gen aus dem Eck zur Ver­fü­gung steht. Auch das macht Sinn, wenn am Ende bes­sere Run­den­zei­ten raus­kom­men. Dass dem durch­aus so sein könnte, dar­auf weist auch der 918 Spy­der hin, der in Genf vor­ge­stellt wurde: 500 ver­brannte PS an den Hin­ter­rä­dern (aus einem V8, mua­ha­haha), zuschaltbar-zusätzliche 216 elek­tri­sche PS auf die Vor­der­rä­der, um die Nord­schleife in weni­ger als sie­ben­ein­halb Minu­ten (geschätzt, aber mög­lich). Por­sche sagt außer­dem "3 l Ver­brauch", was sie wahr­schein­lich auf dem Park­platz an eine Kabel­trom­mel gesteckt gemes­sen haben, also ver­ges­sen wir das ganz ein­fach wie­der. Wich­tig ist: Der Spy­der ist schnel­ler als der Por­sche Car­rera GT und seit lan­gem mal wie­der ein Por­sche, der nicht exakt wie ein 911 aus­sieht, die ich eh alle seit Jah­ren nicht mehr aus­ein­an­der­hal­ten kann, unab­hän­gig vom Bau­jahr. Er sieht direkt gut aus.

Noch bes­ser sieht Citro­ens Kon­zept­karre "Sur­volt" aus. Wilde Linien, kom­pakte Karos­se­rie, kleine, auf­ge­druckte Mus­ter. Die Fran­zo­sen kön­nen schon schön malen. Mit der Tech­nik haben sie's dann meis­tens nicht so. Zum Sur­volt gibts zum Bei­spiel noch keine Pläne, wie das Teil denn ange­trie­ben sein soll. "Elek­trisch halt", sagt Citroen. Aha. Ich glaube, Citroen berei­tet sich auf eine Art hybride Fer­ti­gung vor. Die Fran­zo­sen über­neh­men dabei rein die Gestal­tung und jemand ande­res mit Ahnung (Por­sche zum Bei­spiel oder MAN oder MB Trucks) bauen ein Auto in die Hülle. Das wäre dann mein drit­tes Bei­spiel einer Arbeits­tei­lung, die wirk­lich Sinn macht.

Der Por­sche 918 Spy­der: kommt gut aus Ecken raus. (Bild: Porsche)

Citroen Sur­volt: kommt mal ganz groß raus. Wenn jemand ihm einen Motor baut. (Bild: Citroen)

Helden des Zubehörs

Clemens Gleich – 05.03.2010

So, jetzt aber. Die ganze BMW-Kiste durch­ge­tes­tet. Der eigent­li­che Held jedoch, das muss man sagen, ist mein BMW-Rucksack hier, den ich seit vier Jah­ren ambi­tio­niert, aber erfolg­los kaputt­zu­krie­gen ver­su­che. Er ist wei­ter­hin was­ser­dicht, er hält sechs Fla­schen Evian plus ein Mit­tag­es­sen, er hält Gepäck für zwei, er kann sei­nen Bauch zu einem Schwan­ger­schafts­bauch aus­klap­pen, in das man selbst größte Inte­gral­helme bringt, er ist kurz gesagt ziem­lich gut. Man könnte ihm einen eige­nen, loben­den Test wid­men, aber er ist den Weg so vie­ler Guter gegan­gen und es gibt ihn nicht mehr. Ich ver­ab­schiede mich jetzt Jack John­sons "Where did all the good people go-o?" sin­gend ins Wochenende.

Gute Sachen, die es noch gibt

Wladiwostok, Yakutsk, Oschersleben

Clemens Gleich in Kategorie(n) – 05.03.2010

Es war ein­mal vor vie­len, vie­len Jah­ren. Genauer war es 2008, in einem schreck­lich typi­schen April. Sonne, Regen, Hagel, Regen, Schnee, Hagel, Wol­ken, Sonne im Fünf­se­kun­den­wech­sel­t­akt. Es war außer­dem die Zeit, in der der neu gegrün­dete VDMT (nicht der VDMT, son­dern der VDMT) sei­nen Tuning-waswars?-Wettbewerb? als eine Art Anti­ver­an­stal­tung zum Tuner-GP von PS aus­rich­tete — im (wenig) schö­nen Oschers­le­ben, (un-)malerisch gele­gen in der Mag­de­bur­ger Börde, das ist so ein Kar­tof­fel­acker, schlim­mer als die Ucker­mark. Trotz­dem ist da ja viel schöne Stre­cke zwi­schen O-live und Stutt­gart gele­gen, also nahm ich die Apri­lia NA 850 Mana, die ich gerade total toll fand. Die Mana hört sich auf dem Papier ultra­l­ang­wei­lig an ("jaja, Auto­ma­tik, geh ein­fach wei­ter, okay?"), macht aber Laune, wenn man sich den Ruck und ihr die Chance gibt. Die Mana hat außer­dem einen Kof­fer­raum da, wo sonst der Tank ist, inklu­sive Tep­pi­chen und einer klei­nen Lampe drin wie beim Auto. In die­sen Kof­fer­raum passte pro­blem­los die Canon 30D, die kleine Knipse, die Sony PSP, ein Buch, ein MP-3-Player und Wäsche für ein Wochen­ende. Klappe zu, fer­tig. Keine doo­fen Kof­fer, kein Ruck­sack, genial.

Bis hier­hin ist das Mär­chen noch gut, ne? Fehlt nur noch die nackte Prin­zes­sin mit vor Kälte eisen­har­ten Nip­peln. Wie bei den Gebrü­dern Grimm oder noch schlim­mer dem Ander­sen ging es aller­dings von hier stracks in Rich­tung Ver­der­ben. Das Ver­der­ben fing mit einem Leser­brief an, den ein MO-Leser dem Leser­brie­fon­kel (mir) schickte, in dem er sich dar­über echauf­fierte, dass Timo ein von ihm ver­trie­be­nes Klei­dungs­stück nicht so toll fand wie er selbst. Es war nicht­mal har­sche Kri­tik, nur so "bie­tet weng wenig für das Geld". Der Mann klagte der­art elo­quent, dass ich ihm zur Ant­wort gab: "Bub, bass uff, ich nehm jetzt dei' Jagge und fahr damit im Voll­siff nach Oschers­le­ben. Und dann seh' ma scho." Erfah­rene Zube­hör­tes­ter packt spä­tes­tens hier das kalte Grau­sen, doch ich war damals jung, dumm und hoff­nungs­los opti­mis­tisch. Viel­leicht war ich auch besof­fen, das scheint mir heute wahr­schein­lich. Um die unge­tes­tete Jacke zu kom­plet­tie­ren, schnappte ich mir außer­dem einen unge­tes­te­ten Helm. Okay, defi­ni­tiv besof­fen.

Der Helm war einer die­ser super belüf­te­ten Helme, die im Som­mer toll sind, weil das Wet­ter unge­fil­tert durch­zieht. Es war halt kein Som­mer. Vor allem kriegte man unge­fil­tert Was­ser aller Aggre­gats­zu­stände in die Fresse, weil die Belüf­tungs­öff­nung ein­fach aus Löchern ohne die übli­chen Mücken-/Wasserabscheider bestand. Zuma­chen ging nicht, dann beschlug das Visier. Die Jacke war ... sagen wirs so: Timo hatte ein­fach recht, das Teil war sein Geld nicht wert. Die Reiß­ver­schlüsse waren fum­me­lig, der Tra­ge­kom­fort nicht so doll, die Außen­ta­schen und die Ärmel lie­fen voll Was­ser. Sie sah außer­dem scheiße aus. Und sie war nicht so warm, wie ich das von mei­ner Rei­serukka gewohnt war. Hin­zus nach Oschers­le­ben (~700 km) ging es noch. Nur wenig Schnee­re­gen, oft durch­gän­gig flüs­si­ges Regen­was­ser, kusch­lige zwei Grad Plus und meh­rere Kilo­me­ter tro­cke­ner Asphalt. Die Ver­an­stal­tung war für die Hüh­ner. Das Wet­ter war so trost­los, dass wir die Fotos mit ver­rot­te­ter Oschers­le­be­ner DDR-Industriearchitektur im Hin­ter­grund nicht im Heft ver­wen­den konn­ten, aus Angst vor einem Mas­sen­selbst­mord unter der Leser­schaft. Die Rück­fahrt war die Hölle. Es hatte an der Renn­stre­cke die ganze Zeit gereg­net. Die scheiß Jacke war durch­ge­weicht. Der scheiß Helm spuckte das Wet­ter ins Gesicht. Dann fing es um Ober­hof rum an zu schneien. Kein Schnee­re­gen, Schnee. Die nasse Jacke fror über. Bei Würz­burg dachte ich, fährste noch mal bisi Land­straße, weil die Mana auf der Auto­bahn 11 Liter soff (15 pas­sen in den Tank). Außer­dem kom­men einem sol­che Ideen halt unter­kühlt logisch vor, denn kalte Gehirne funk­tio­nie­ren schlecht. Ich habe zum Bei­spiel mal kurz vor dem Erfrie­ren "ich bin der Anton aus Tirol" gesun­gen. Jeden­falls hagelte es nach drei Kilo­me­tern in der kur­zen Zeit eines Über­hol­vor­gangs die kom­plette Straße zen­ti­me­ter­hoch zu, da hatte ich dann genug, fuhr ein­fach auf Ankom­men Autobahn.

Ange­kom­men bin ich irgend­wie. Ich weiß noch, dass ich mir sofort in schwan­ge­ren­ar­ti­ger Gier ein Abend­es­sen aus purem Fett zube­rei­tete. Eier auf Speck in But­ter geschwenkt mit Käse über­ba­cken warens. Als Gemüse rauchte ich eine Gau­loi­ses — eine rote Gau­loi­ses, weil rot wär­mer aus­sieht. So ver­sorgt legte ich mich in eine 60° C heiße Bade­wanne, in der ich auf­taute, bis mein Gehirn stot­ternd neu star­tete. Als ich wie­der mehr Den­kleis­tung als für DJ Ötzi nötig zur Ver­fü­gung hatte, dachte ich zwei Dinge. Ers­tens: "Ich bin zu alt für den Scheiß." Zwei­tens: "Nie wie­der fahr ich eine Gewalt­tour mit irgend­wel­chen Fet­zen, die kei­nen peni­blen Shake­down hin­ter sich haben."

Klar, dass der Bub mit sei­ner Jacke und der Helm­her­stel­ler bei Ver­kün­dung mei­ner unter Ein­satz der Gesund­heit ein­ge­fah­re­nen Test­er­geb­nisse ("scheiße") Zeter und Mor­dio schrien — schön aus ihrem beheiz­ten Ses­sel her­aus. Es ist wurscht, wel­cher Helm, wel­che Jacke das waren, die Teile gibt es nicht mehr. Hof­fent­lich. Was ich mir von sol­chen Her­stel­ler­ver­tre­tern wün­sche, wäre, dass sie ihr Zeug ein­mal (ein­mal reicht) im April­schnee­re­gen nach Oschers­le­ben und zurück fah­ren. Danach könnte man viel sach­li­cher, rea­lis­ti­scher dis­ku­tie­ren. Ich hin­ge­gen habe lie­ber mit Hal­vars­sons dis­ku­tiert, denn die tes­ten ihr Zeug weit im Nor­den oben bei –30° C auf Motor­schlit­ten. Die Rukka-Textilsachen kannte ich schon, mit der gel­ben Halvarssons-Jacke fuhr ich im Win­ter 2008/2009 eine Alter­na­tive, die echt viel für ihr Geld bie­tet (zu der Jacke spä­ter noch­mal mehr). Im Som­mer dann war Jür­gen Stoff­re­gen von BMW zu Besuch bei MO, einen Helm vor­stel­len und redete auch drü­ber, was bei den BMW-Textilsachen so vor­wärts­ge­gan­gen ist. Das brachte mich auf die Idee, die­sen Win­ter BMW-Kleidung zu fah­ren, was jetzt tat­säch­lich geklappt hat. Aber jetzt hab ich so viel gela­bert, dass ich den eigent­li­chen Zube­hör­test (wie­der im kal­ten Osten getes­tet, 1000 km!) auf mor­gen ver­schie­ben muss.

Immer­hin hat die Geschichte eine Moral: Wenn dir der Ver­käu­fer erzählt, seine 20-Euro-Handschuhe, ne, die fah­ren Russ­land­rei­sende ohne Griff­hei­zung bei –40° C (was ich fast wort­wört­lich so gehört habe), dann sag ihm freund­lich, aber bestimmt, was Russ­land­rei­sende mit sei­ner Mut­ter machen und ver­lasse geschwind für immer seine Geschäfts­räume, even­tu­ell eine Hand­gra­nate (aber keine Siche­rung) zum Abschied hin­ter­las­send. Sol­len sie alle in einer feucht­kal­ten Hölle ver­mo­dern. Die ich mir übri­gens in etwa wie Oschers­le­ben im April vorstelle.

Updates: Yamaha R6 und BMW S 1000 RR

Clemens Gleich – 04.03.2010

Da greift man so nichts Böses den­kend zum Bour­bon und dann kommt auf ein­mal die freu­dige Nach­richt: Es gibt andere, die den­ken wie ich! Naja, zumin­dest in Sachen Front­de­sign der BMW S 1000 RR. Guck­stu Leser­briefe hier. Wie geil, oder? Bin zutiefst ent­zückt. Weni­ger ent­zückt war vor allem mein Gele­gen­heits­as­sis­tent Toby von der neuen Yamaha R6. Das Motor­rad sieht immer noch Yamaha-typisch so aus, dass es nicht nur Racer haben wol­len, son­dern auch Mädels, die da Kof­fer dran­ma­chen zum Tou­ren fah­ren, das Update glänzt jedoch tech­nisch mit zwei­fel­haf­ten Wer­ten: Sie ist lei­ser gewor­den, hat dadurch mini­mal Leis­tung ver­lo­ren und dafür ein gan­zes Stück Aus­puff dazu­ge­won­nen. Kra­wall­ma­cher Toby meint: "Ganz gro­ßer Schritt nach hinten."

Die Frage nach dem Sinn ist ziem­lich berech­tigt, hatte die alte R6 doch gül­tige gesetz­li­che Zulas­sun­gen in Sachen Abgas und Geräusch, deren Hin­ter­gründe sich zwi­schen­zeit­lich nicht geän­dert haben. Das Gesetz ist immer noch gleich. Der Dreh­mo­ment­ver­lauf ist eben­falls immer noch gleich: unter 10.000 U/min kommt man nicht vom Fleck (siehe hier die Kur­ven bei Motor­rad Online). Ich per­sön­lich glaube, dass es mit schi­zo­phre­nen Renn­stre­cken wie dem Sach­sen­ring zusam­men­hängt. Am Sach­sen­ring kann man mit eini­gen stra­ßen­zu­ge­las­se­nen, seri­en­mä­ßi­gen Model­len nur ziem­lich kurz fah­ren. Die Geräusch­mes­sung für die Zulas­sung pas­siert von hin­ten. Die R6 kreischt jedoch haupt­säch­lich über ihre Air­box. Das Geräusch­mess­sys­tem am Sach­sen­ring misst nicht von hin­ten, son­dern gesamt, des­halb geht irgend­wann dann im Bür­ger­meis­ter­amt die Lärm­lampe an, weil der Tages­lärm­pe­gel über­schrit­ten ist, und der Bür­ger­meis­ter klin­gelt im Renn­büro an, dass jetzt alle gearscht sind. Die schlechte Nach­richt also: Der Sach­sen­ring bleibt selbst im Seri­en­trimm tri­cky. Die gute Nach­richt: mit der neuen R6 wird man viel­leicht nicht mehr in der Dusche mit Sei­fen­stü­cken in Hand­tü­chern ver­hauen, weil wegen Ansaug­ge­räusch kei­ner mehr auf die Stre­cke darf. Ist ja auch schon mal was.

Die neue R6: jetzt lei­ser, lang­sa­mer und mit län­ge­rem Aus­puff! (Bild: Yamaha)