Zwischenfazite!

Clemens Gleich in Kategorie(n) , - 25.08.2014

Endlich bin ich dazu gekommen, die Alpine Motosafe, diese Ohrstöpsel, 1000 km auf Tour mitzunehmen. Und, was soll ich sagen? Ich habe sie NICHT verloren. Weil ich vergessen habe, sie zu benutzen. Stehen Sie frisiert für den nächsten Versuch. Am besten, ich nehme die jetzt immer mit, auch gegen Leute, die einen zuschwallen. Halt, nein, das funktioniert ja gar nicht mit denen. Egal. Nicht vergessen zu benutzen: den X-Lite 802 R.

Mein neuer Lieblingsreisehelm

Neue Kawasaki Z 1000 fährt wie die alte

Clemens Gleich in Kategorie(n) , - 20.08.2014

Schottenring, tiefster Winter 2014 (also August). Wir sitzen auf einer Hütte im November(August)Nebel, die Birkenscheite prasseln im Kamin, der heiße Tee passt zu den warmherzigen Gesprächen. Frank (Name von der Redaktion mangels Ideen nicht geändert) gibt zu: „Die beste Kawa aktuell ist ja die Z 1000 SX. Die ist super.“ Da muss ich an Irland denken. Überhaupt: Die Z 1000 war schon toll, auch unverkleidet. „Reinhold“ hätte ich meine genannt, vielleicht auch „Hartmut“, auf jeden Fall irgendein Name, mit dem man damals im Pott nach Kohlen graben konnte. Dieses Heulen aus der Airbox im Resonanzbereich, dieses kleine Konzert nur für mich, den Fahrer!

Die neue Z 1000 hat mich bisher nicht sonderlich interessiert, und zwar einfach, weil ich sie angesichts von BMW S 1000 R und KTM 1290 Super Duke ein bisserl überholt fand. Wer würde denn sein Geld lieber in die Z 1000 stecken statt in die BMW, die ja auch nicht schlecht klingt, aber leichter, stärker und schneller ist und außerdem dieses weiß-blaue Propellerlogo trägt, das alle haben wollen? Aber dann sagte der Mann gegenüber (nennen wir ihn „Carsten“, weil er so hieß), dass die neue Z noch viel lauter heult als die alte. Deshalb bin ich am übernächsten Morgen mit dem Schmatzfon kurz knipsend zwischendrin zwei Runden mit der aktuellen Z auf dem alten Schottenring gefahren.

Alles beim Alten

Das ist immer etwas schwer ohne den direkten Vergleich, aber so aus weiter Entfernung betrachtet hat sich außer der Verkleidungstapete nicht viel geändert. Die Ergonomie ist immer noch super, wenn es auch so geblieben ist, dass die Fersen auf den Endtöpfen aufliegen, wenn die Fußballen auf der Raste stehen. Die Abstimmung ist auf andere Art entartet, aber immer noch nicht super. Mann, Kawa, schau dir die BMW an! Da muss 2014 bissl mehr kommen. Es gibt keinen Schlangenlederimitatsitz mehr, was ich sehr schade finde. Der Motor bleibt toll. Das Heulen kommt mir aber nicht bemerkenswert lauter vor. Vielleicht hat mein Gehör signifikant nachgelassen in diesen vier Jahren, das mag sein.

Die Gestaltung nennt Kawa „Sugomi“, was ich mit „Scheußlichkeit“ übersetzen würde. Sind halt ehrlich. Die Traktionskontrolle von der SX gibt es aus für Europäer vollkommen unerfindlichen Gründen in der nackt scheußlichen Z nicht. Wenn man Kawa Japan fragt: „Warum?“, dann sagen sie: „Sugomi.“ Wir wollen scheußlich sein. Vielleicht auch: Wir wollen scheußlich schlecht verkaufen. Wir wissen, dass alle nach Schlagwörtern einkaufen, wir haben das Schlagwort „Traktionskontrolle“ fertig als Software, aber Geld finden wir scheußlich. Sugomi. Hai, hai. Domo.

Die restlichen Änderungen sind mir egal. Neuer Tacho. Hm. LED-Lampen. Schön. Stimmiges Tentakel-Design. Gut. Aber ich muss jetzt den Satz schreiben, der aus Heften gern rausgestrichen wird, weil er keine Neumotorräder verkaufen hilft: Im Kern ist das Motorrad sich so treu geblieben, dass ich empfehlen würde, die alte Z günstig zu schießen und das gesparte Geld in Sprit zu investieren, in einen Schlangenlederimitatsitz oder vielleicht in ein Federbein, das einem weniger krass ins Kreuz tritt, wenn es was ausfedern soll.

Kawasaki Z 1000 Modelljahr 2014

Ist: so wie die alte Z 1000.
Kos­tet: 12.395 Euro
Leis­tet: 143 PS (104 kW) bei 10.000 U/min.
Stemmt: 111 Nm bei 7.300 U/min aus 1.043 ccm.
Wiegt: 222 kg vollgetankt.
Tankt: 17 Liter Super.
Hat: keine Traktionskontrolle, wegen „Sugomi“.

Werbung für die Yamaha SR 400

Clemens Gleich - 13.08.2014

Yamaha verkauft die kleine SR 400 überraschend gut, trotz des Preises von je nach Händler über 6000 Euro. Das heißt, sie verkaufen an etwas ältere Männer, die 6000 Euro als Spielgeld haben. Umwerben tun sie jedoch junge Hipster. Deshalb habe ich so jemanden zum Testen hinzugerufen:

Le Hipsteur präsentiert die SR 400

Supersport ist nicht tot. Er riecht nur komisch.

Clemens Gleich in Kategorie(n) - 08.08.2014

Das Thema habe ich in der Fastbike und auf Heise Autos beschrieben: Supersportmotorräder interessieren junge Menschen, die kein Geld für die 13.200 Euro einer SECHSHUNDERTER in Form der Kawa 636 haben. KTM versucht es deshalb mit ihren preiswert bei Bajaj gebauten Indien-Mopeten in vollverkleidet, und die sind total toll.

Ich fahre die KTM RC 125 in Linz

Time to … what?

Clemens Gleich in Kategorie(n) , , - 01.08.2014

Irgendwie habe ich Lust, eine Pause als Medienarbeiter zu machen. Versteht mich nicht falsch: Es ist ein tolles Spiel, ich hatte immer viel Spaß, aber jetzt gerade habe ich das Bedürfnis, wenigstens eine Zeitlang aus dem gerade bisserl gereizten Spiel auszusteigen. Für Leser dieses Web-Journals ändert sich dadurch nichts, weil das hier sowieso Hobby und/oder Seelenhygiene ist, damit verdiene ich kein Geld. Genauso werde ich weiter experimentieren mit „kann man von einem eigenen Objekt leben?“. Ich würde nur für eine unbestimmte Zeit die Einkommensquelle ändern, die das alles trägt.

Aktuell schaut meine hauptsächliche Einkommensarbeit so aus: Ich schreibe für Auftraggeber über Motorräder, Autos, Technik oder Quatsch mit losem Bezug zu solchen Themen. Mir ist in letzter Zeit aufgefallen, dass sehr viel Meinung bestellt wird. Meinungen sind nämlich bisserl wie Arschlöcher: Jeder hat sowas und kann damit preiswert Scheiße produzieren. Eine gewisse Menge an Scheiße gehört in die Medien, aber ich denke mittlerweile, dass das nicht so richtig satt macht auf Dauer. Erstens nicht für das Medienobjekt, weil das einem kurzen Strohfeuer der Diskussion zuliebe lange brennende, zunächst weniger spannende Steinkohlethemen liegen lässt. Zweitens für den Schreiber. Durch die eigene, vorhandene Meinung vertreten ist noch keiner schlauer geworden, sondern höchstens einbetonierter.

Ich habe in der letzten Zeit zu viel Scheiße geschrieben, zu viel Papier verbrannt, das kurz pufft, aber die Mauer nie durchwärmt. Es geht mir gar nicht um das Ressort Meinung an sich. Eine eigene Meinung neu, tief und gut recherchieren hilft (meiner -ha!- Meinung nach) der öffentlichen Diskussion schon. Meistens ändert sich dadurch die eigene Meinung sogar. Aber das gibt es selten, denn dazu müsste man mehr lernen. Ein besser informierter Artikel klickt außerdem weniger, weil alles mit „der hat ja keine Ahnung“ fehlt. Die Website, die mehr Aufwand bezahlt, damit weniger Klicks rauskommen, muss erst noch gegründet werden.

Ein Positiv-Beispiel: Der Artikel, mit dem ich in meiner Zeit als Profi selber wahrscheinlich am zufriedensten war, liegt in lang vergangenen c’t-Zeiten. Ich habe Texterkennungs-Software getestet, mit Test-Samples verschiedener Schwierigkeiten, Fehlerzählung, Features probieren und Entwickler interviewen. Ich bin sogar zu Abbyy nach Moskau geflogen, um mit Leuten zu sprechen, die früher die Flugbahn ballistischer Langstreckenatomwaffen berechnet haben und heute Buchstaben: „Sind ja beides Kurven“, sagte der nette Mann. Als ich – wieder daheim – den Text das letzte Mal überarbeitete, hatte ich eine komplette zweite Ebene, die für Leser weniger Wichtiges wegließ, statt den Normalfall mit „das kommt alles rein, weil selbst dieses Alles schon bisserl dünn bleibt“. Das hat satt gemacht, obwohl das Thema an sich arschlangweilig ist. Das soll kein Lob sein auf bessere vergangene Zeiten. Ich musste schon damals Urlaub nehmen für Moskau, weil die Personalabteilung wahrscheinlich vermutete, dass wir dort zu viel saufen. Stimmte ja. Wir haben gesoffen. Aber halt nicht nur. Nein, was ich sagen will: Das ist die Art von Medienarbeit, die mir Spaß macht. Es lohnt sich halt nicht.

Ich wäre schon lang gern in die Ukraine gefahren (nicht nur zum Saufen), denn aus der Ferne via „ich hab gehört“ berichteln bringt es einfach nicht. Das wäre eine typische Geschichte für Tageszeitungen. Die zahlen so einen guten Euro pro Zeile. Das heißt: Man würde schon beim Sprit drauflegen. Dann kann ich es auch gleich komplett selbst bezahlen und für uns hier in der kleinen Runde aufbereiten. Am Schreibtisch mal schnell deuteln und meinen und vermuten ist ökonomisch viel effizienter, aber irgendwie nervt es auf Dauer. Ich stelle mir vor, dass ein Maurer genauso die Krise kriegt, wenn er zu lange nur Gipswände mit Mauerbildtapeten beklebt.

Deshalb mal in dieser Runde eine offene Diskussion über Tolles und Scheißiges einzelner Wege, die geschätzte Kollegen vor mir als Abfahrt von der Medienautobahn genommen haben oder andere, die ich ohne Vorbild nehmen könnte. Ich hoffe auf zahlreiche Kommentare von Arbeitern in den entsprechenden Bereichen.

Software-Entwickler

In Hannover hatte ich einen Kollegen, den ich sehr schätzte, weil er gut schreiben, gut essen und über dieselben Diktatoren lachen konnte wie ich. Leider blieb der nicht besonders lange, sondern ging wieder in die Anwendungsentwicklung, wo er herkam. Sein Vorteil war, dass er im Thema noch weit genug drin war. Seine Entscheidung begründete er mit Bequemlichkeit: „Ich kann so meine Familie wesentlich stressfreier ernähren.“ Bei mir ist das alles schon so lang her, dass da erhebliche Anfangsinvestitionen nötig wären. C50-Assembler-Tippsen braucht heute halt keine Sau mehr.

  • Vorteil des Berufs: Es gibt aktuell wenige Berufe, in denen mehr Zukunft gestaltet wird als in der Software-Entwicklung.
  • Nachteil des Berufs: Zehn Stunden täglich Code schreiben hat mir immer bisserl den Schädel erweicht, was meiner ohnehin geringen geistigen Stabilität abträglich war.

Pädagoge

Ein anderer, auf andere Art netter Kollege verließ uns, um Berufsschullehrer zu werden. Fachlehrer wahrscheinlich, was ich auch machen könnte. Vielleicht Informatik. Den Schülern den Feenstaub (gut: Hausstaub) der C50-Architektur erläutern oder einen von-Neumann-Computer als Laubsägearbeit herstellen. Sowas. Meinen Zivi damals habe ich in einer Kindertagesstätte für schwer Erziehbare geleistet. Das hat sehr gut funktioniert, weil die Kinder auf dieselbe Art gestört waren wie ich damals, was es mir sehr einfach machte, sie zu verstehen. Gleich nach dem Zivi wollte ich schon Erzieher werden, hatte aber damals schon keine Lust, drei Jahre Ausbildung abzusitzen, um einen sehr schlecht bezahlten Job machen zu können. Und jetzt bin ich ja auch noch alt. Ich brauche viel Geld für meine tägliche Medizin (Malt Whisky).

  • Vorteil des Berufs: Mit Menschen arbeiten macht irgendwie zufrieden.
  • Nachteil des Berufs: Mit Menschen arbeiten ist gleichzeitig sehr frustrierend, sowohl von den Fortschritten als auch von der Bezahlung. Beide sind mikroskopisch.

Werbetexter

Dieser Weg hat keinen direkt ins Gedächtnis springenden Vorschreiter, er liegt aber nahe, weil ich ohnehin gelegentlich als Werbetexter arbeite. In der Werbung geht es um kurze Texte, und die sind eine Herausforderung, die ich immer mochte. Während meiner Festanstellung in Magazinen erledigte ich gern die Dinge, die Kollegen lästig waren: Bildunterschriften, Beitexte, Inhaltsverzeichnis, Titel. Das sind alles Dinge, die Artikel an den Leser in der Form verkaufen, dass sie ihn zum Lesen motivieren. Der einzige Unterschied bei Werbetexten ist dann, dass mehr Personen mit mehr Geld mitreden möchten.

  • Vorteil des Berufs: Werbetextern ist eine sehr interessante, gut bezahlte Arbeit.
  • Nachteil des Berufs: Es gibt einen Grund, warum das gut bezahlt wird: Werbetexteraufträge entwickeln regelmäßig Stress-Level, die bei mir sonst nur bei komplett katastrophal detonierten Plänen bei diesen Pressebespaßungsevents auftreten.

Was mit anderen Medien machen

Der sehr merkwürdige, aber meistens liebe Winfried ist nicht allein mit seinem Ruf: „Moar Videos!“ Das möchte ich zumindest kurz anschneiden. Aaalso, Videos ändern überhaupt nichts an der Gesamtsituation. Videos machen mir Spaß, also bleiben sie im Rahmen unseres Mojo-Kreises hier erhalten. Werbebestückte Videos können aber nicht die Miete bezahlen. Axel hat es mal ausgerechnet für die Zahlen von Drive: rund 3 Euro pro 1000 Views kommen rein. Damit kann man kaum aufwendige Features produzieren, deshalb probiert Drive es mit einem Abo-Channel (gibt es nicht auf Youtube Deutschland). Die andere Alternative ist, möglichst billig Drehzahl zu schinden wie ein Ficker. Das macht auf Dauer genausowenig Spaß wie Gipswände tapezieren. QED. Ne, alles mit Video läuft weiter unter der Reichskriegsmojoflagge, weiter finanziert aus der krümeligen Reichskriegsmojokasse.

Was mit Medien anders machen

Das ist ein Legacy-Punkt. Ich mag ja im Prinzip meinen Job. Also werde ich die Zeit der Wiedereingliederung in die Welt der über IT halbwegs Informierten oder die Voruntersuchungen zur pädagogischen Eignung nutzen, um Artikel zu versuchen, wie ich sie für richtig halte, im Rahmen der eben üblichen Bezahlung. Vielleicht geht das doch öfter als aktuell üblich, zum Beispiel durch engere Zusammenarbeit mit Experten auf ihren Gebieten. „Hallo? Herr Dudenhöffer? Ja, hier spricht Ihr größter Fan!“ Nein, Spaß beiseite, ich habe auf Recherchen viele Fachleute kennengelernt, die ihr Wissen sehr gut vermitteln konnten, und es verkürzt Recherchen enorm, früher mit denen zu sprechen: „Lies dasunddas, es ist der beste Einstieg. Dann dasunddas. Dann sprich mit Bernd soundso.“ Mehr Zeit in „zu Fachleuten durchdringen“ investieren könnte sich am Ende lohnen, auch wenns oft zäh ist, an den Pressefuzzis vorbeizukommen. Planung generell. Die Tage hat Timo angerufen mit dem Vorschlag, etwas längerfristig Geschichten zu planen. Stoßdankgebet! Die meisten Aufträge erreichen mich nämlich maximal zwei Wochen vor Ausführungstermin. Es gibt außerdem auch günstige Geschichten. Wenn sich die Ukraine nicht lohnt: Der deutsche Hartzer ist nicht weit und wird ebenfalls viel zu selten von Nicht-RTL2-Teams besucht. Den Versuch ist es wert. Aber ich installiere mir jetzt trotzdem mein Visual Studio, um bisserl herumzustolpern.

So, und jetzt schreibt mir eure weise Karriereberatung in die Kommentare, bitte. Wenn mein Urlaub von der Medienindustrie total toll wird, spendiere ich kistenweise Bier für den auslösenden Tipp. Eins noch: Die beiden häufigsten Ausfahrten von der Medienautobahn „Pressesprecher“ oder „Sozialmedienberater“ sind eher nix für mich.