Waswaswas?

Clemens Gleich - 26.06.2015

Was ist hier los? Warum passiert nix? Weil wir grad im Endstadium des Redesigns rennen, nach dem alles moderner wird, mit Flow-Layouts für große Workstation-Bildschirme und (wichtig) einem Mobil-Layout. Wir merzen gerade Fehler um Fehler auf der Entwicklerplattform aus, damit weniger davon eure Augen beleidigen. In der Zwischenzeit habe ich aber immerhin ein Video von der Bodensee Klassik zusammengeschnitten.

Es woar so schee

Ausfahrten gegen Geld

Clemens Gleich - 11.05.2015

Jan von Ausfahrt.tv hat sich den Frust von der Seele geschrieben, der viele Automedienschaffende plagt. Hier kann man es lesen, aber es kommt nichts Neues, also reichen eigentlich die ersten Sätze, in denen die Gesamtklage schon mitschwingt. Er sagt wie alle, dass das ja so doof sei mit dem Präsentationskarussell, aber man MUSS da ja dabeisein. Ich bestreite das gänzlich. Wie lang hat es gedauert, bis den Typen von BimmerToday mal jemand eingeladen hat? Hat er da geweint und nix mehr geschrieben über die Themen, die ihn eben so bewegt haben bei BMW? Nope. Oder aus eigener Erfahrung der Punkt mit der Zeit: Ist es denn so schlimm, später über ein Auto zu berichten? Nein, denn später kann man eine gescheite G’schicht machen, statt anderthalb Stunden vom Flughafen zum Hotel fahren. Und dann die Klage mit der Werbung: “Wir BRAUCHEN das Werbegeld zum Leben! Also sollen es uns die Autohersteller geben, weil sie es Anderen (Beispiel Print) auch geben!” Die einzig richtige Antwort darauf ist die von Kathrin Passig: Nur weil du etwas machst, hast du noch kein Anrecht darauf, dass dir jemand Geld dafür gibt. Sonst werde ich morgen hauptberuflicher Ficker.

Eigentlich kann man diese Klagegeschichten, die es in weitestgehend identischer Form auch von Print-Kollegen gibt, auf einen Kernpunkt einkochen: Ihr seid nicht frei. Das ist es, was an der Seele zwackt. Freiheit ist aber kein Gut, das mit Erfolgsaussicht passiv-aggressiv eingefordert werden kann. Freiheiten muss man sich nehmen. Da fängt Jan schon richtig an, indem er sich die Freiheit nimmt, auch mal eine Einladung abzusagen, wenn eine Teilnahme ihm sinnlos erscheint. Das ist ja auch das große No Go der Szene. Lieber geht ein Sportautomagazin zum neuen Pups-Corsa ohne jede Berichterstattungsabsicht, als dass man eine Einladung absagen würde. Was für ein Quark. Als ob dem Hersteller dadurch geholfen wäre, dass der Prakti höflich sozialisierend ein paar Schnittchen frisst. Nein, Jan, zum beklagten Äffchen haben dich nicht die Hersteller oder die Agenturen gemacht. Du hast dich selber zum Äffchen gemacht. Nimm dir die Freiheit, das nicht mehr zu tun.

Die scheiß Akkus immer …

Clemens Gleich in Kategorie(n) , - 05.05.2015

Die Tage war ich die elektrische Supermoto fahren, die KTM mit minimalen Änderungen aus der elektrischen Freeride-Enduro gebaut hat. Habe mich sofort gefragt, wieso nicht alle sowas haben wollen, aber natürlich wurde ich 30 km später von der Physik daran erinnert. Wenn die Scheiße mit den Akkus nicht wäre, würde ich nur noch so Motorrad fahren. Aber selbst mit dieser Scheiße: I em verrah tempted.

Die KTM Freeride E-SM ist super

Gelesen: The Second World War

Clemens Gleich in Kategorie(n) - 01.05.2015

Es ist ein bisschen schade, dass deutsche Schüler im Geschichtsunterricht mit dem Zweiten Weltkrieg überfüttert werden, bis sie mental kotzen müssen, denn diese Periode der Geschichte ist eigentlich genauso spannend, wie sie wichtig bleibt. Sie hat definiert, wie wir heute in Europa leben, und wie wir in Beziehung zu Amerika stehen. Ich hatte das Glück, dass mir niemand zur Schulzeit Goethes Faust aufzwang, deshalb konnte ich es später selber für mich entdecken. Ähnlich war es bei der deutschen Geschichte, die mir sehr unlangweilig von einer Zeitzeugin vermittelt wurde. Wer also den wichtigsten und interessantesten Teil der jüngeren Geschichte lesend erfahren möchte, kann schlimmeres tun, als Winston Churchills Monsterwerk “The Second World War” zu lesen.

Das Besondere dieses Monsterwerks ist, dass Churchill praktisch allein aus seiner eigenen Perspektive spricht, unterlegt mit der jeweiligen Korrespondenz (Churchill kommunizierte bevorzugt schriftlich). Gerade das macht es für deutsche Leser spannend, denn wir erfahren in der Schule ja fast ausschließlich die nachkriegsdeutsche Sicht auf den Krieg. Viele Punkte fehlten in meinem Geschichtsunterricht auch komplett. Woher kam denn das Geld zur Aufrüstung so kurz nach dem Ersten Weltkrieg? Wer bereitete hinter den Kulissen schon vor?

Und dann eben der Moment, in dem Frankreich fällt. Die Beziehung Großbritanniens zu Frankreich belastet das bis heute. Die Briten standen plötzlich allein da, und zogen ihr Ding dennoch weiter durch. Das war ein definierender Moment für diese Nation, und ich glaube auch, dass Churchill recht hatte: In seinem Herzen bewunderte Hitler die Briten. Deshalb hoffte er ja auch bis zuletzt, den Krieg mit ihnen vermeiden zu können. Er schätzte sie jedoch falsch ein. Dass sie nach ihrer ewigen Appeasement-Politik so entschlossen agieren würden, konnte sich Deutschlands Diktator offenbar nicht mehr vorstellen.

Vielleicht kann ich ja doch den einen oder anderen im Geschichtsunterricht Überfütterten zum Lesen bewegen. Es lohnt sich. Stellt euch ein Epos vor, viel größer und unendlich viel krasser als Tolkiens Kriege um Mittelerde, und dann auch noch wirklich passiert, mit überlebenden Opas, die dabei waren, die man noch fragen kann, wenn man sich beeilt! Schwer vorstellbar, welche Geschichte spannender sein soll als diese:

The Second World War, 6 Bände

Metatest: Suzuki GSX-S 1000

Clemens Gleich in Kategorie(n) , - 08.04.2015

Jochen Vorfelder hat die Suzuki GSX-S 1000 getestet, die ich vorab als bisi langweilig einschätzte. Ich möchte einige Punkte in Jochens Text kommentieren. Erstens Preis: 12.190 Euro für ein Naked Bike, das sich auch nach Jochens Einschätzung über den Preis verkaufen muss. Das “Pure” der Suzi relativiert sich, wenn man weiß, dass die Kawasaki Z 1000 im selben Preisbereich die Traktionskontrolle auch noch weglässt. Es ist also nur Marketinggewäsch für Suzukis eigentliches Problem: dass sie technisch den Anschluss so weit verloren haben, dass sie ihn offenbar nicht einmal mehr suchen. Jochen listet folgende Dinge auf, um Verzicht zugungsten eines Purismus’ zu dokumentieren: “Kurvenfahrlicht, TFT-Display, Quickshifter, Kurven-ABS, semi-aktives Fahrwerk, verschiedene Fahrmodi und Tempomat” Da kann jeder mal selbst gucken, wie es bei den meisten selbst der modernsten Naked Bikes mit den meisten dieser Optionen ausschaut. Suzuki wirft hier Nebelkerzen.

Dann beschwert sich Jochen über sehr schlechtes Lastwechselverhalten, nur um das gleich wieder als Purismus zu loben. Dabei kommt auch das nur aus Suzukis Rückständigkeit. Zu Zeiten der Gleichdruckvergaser in den meisten Straßenmaschinen gingen die Motoren systembedingt weicher ans Gas. Einspritzanlagen für die Straße versuchten, das zu simulieren, was aber schnell durch Abgasvorschriften erschwert wurde (Euro 3). Heute sind gute E-Gas-Griffe das Maß der Dinge. Sie tun im Prinzip aus denselben Gründen nichts anderes als die Gleichdruckschieber damals: Kanten durch eine Verzögerung absoften. Wie bei den meisten Techniken funktionierte das zunächst eher mittel, aber heute gibt es Systeme, deren Funktion so gut ist, dass ihnen ebendiese Güte gelegentlich angekreidet wird. Aprilia RSV4. KTM 1290 Super Duke. Hondas V4-Modelle. Suzuki dagegen baut in die GSX-S ihr Doppeldrosselklappensystem, das sie schon seit Ewigkeiten bauen. Vor langer Zeit war das eine Neuheit: eine zweite, elektronisch gesteuerte Drosselklappe pro Kanal, die für bessere Lastwechselmanieren sorgt, erkauft mit doppelten Drosselklappenverlusten. Beim heutigen Stand der Technik fragt man sich nur: Warum, Suzuki?

Suzukis Technik aus den Neunzigern erfüllt vor heutigen Anforderungen nicht einmal mehr ihren eigenen Soll, am klarsten bei den nicht nur von Jochen bemängelten Lastwechseln erkennbar. Diese Lastwechsel sind nicht die gute, alte, goldene Zeit des Motorradfahrens, als der Mut noch ungebrochen war, das Risiko noch hoch, Männer noch richtige Männer waren, Frauen noch richtige Frauen und kleine pelzige Wesen von Alpha Centauri noch richtige kleine pelzige Wesen von Alpha Centauri, sondern diese Lastwechsel bringen die schlimmsten Tiefpunkte der Gasannahme zurück, als die Entwickler um die Jahrtausendwende verzweifelt mit suboptimaler Technik gesetzlichen Anforderungen hinterherpaddelten.

Warum ich das überhaupt schreibe: Einige haben mich gefragt, warum ich das Teil nicht so recht fahren will, es für irrelevant halte. Wegen dieser Rückständigkeit in der Ausführung ebenso wie im Konzept. Die neue Suzi fährt bestimmt gut, zumindest von Fahrwerk und Ergonomie her. Aber sie bringt ein Konzept aus den Neunzigern (das vom Superbike abgeleitete Naked Bike) mit Technik aus derselben Ära. Es gibt gerade so viele spannende Neuigkeiten in der Szene und am Markt, dass sich so ein Thema dort anstellen muss, wo es nach Interesse sortiert hingehört: ganz hinten. Die GSX-S kann ich fahren, wenn sie mal zufällig neben was Interessantem steht, das vorzeitig weggeräumt wird.

Okay, vielleicht hat das Aussehen mehr Einfluss auf die Entscheidung gehabt, als mir bewusst war. (Bild: Suzuki)

Okay, vielleicht hat das Aussehen mehr Einfluss auf die Entscheidung gehabt, als mir bewusst war. (Bild: Suzuki)