My Job

Clemens Gleich - 29.07.2014

Im September 2013 stand ich auf einem sehr durchweichten englischen Acker, weil Universal zum DVD-Release von “Fast and Furious 6″ einen Pressebespaßungs-Termin angesetzt hatte, bei dem Journos Panzer fahren konnten. Die “Grip” schickte mich damals hin, in der frommen Hoffnung, man könne auf einem Pressebespaßungstermin arbeiten. Diese fromme Hoffnung führte meinen Fotografen an den Rand des Wahnsinns, weil er die vollkommene Vergeblichkeit solcher Termine noch nicht kannte, aber immerhin konnte ich unerwarteterweise plötzlich Regisseur Justin Lin interviewen. Jetzt gibt es die Grip nicht mehr, aber ich fand soeben auf der Speicherkarte aus der Kamera das Interview-Video mit Herrn Lin.

Er fährt einen Aston Martin Rapide mit Kindersitz

Wir Streuner

Clemens Gleich in Kategorie(n) , - 27.07.2014

Ich glaube, viele Technikfreunde wie ich hätten gern einen elektrischen Antrieb im Motorrad. Das Erlebnis Freeride E war super. Die Energiefrage bleibt jedoch fürs Streunern weiterhin ungelöst. Quer durch Deutschland mit dem Krad brunseln und nach 500 km irgendwo zum Feierabendbier einlaufen, das ist mein Motorradfahren, und das geht mit heutiger oder morgiger Technik halt ned elektrisch. Ich freue mich auf die Serienversion der KTM Freeride E, die Ende des Jahres endlich ausrollen soll (mal wieder), ich hoffe auf eine gescheit gemachte Stadt- oder Hallen-Supermoto, und ich sehe mir zwischenzeitlich mit Verwunderung Nonsense-Maschinen wie die Brammo Empulse R oder die Energica Ego an:

Die braucht halt auch kein Mensch.

“Werden die zur Lobeshymne gezwungen?” “Nein.”

Clemens Gleich in Kategorie(n) , , - 26.07.2014

Eins meiner Beobachtungs-Hobbys: Menschen beim positiv und höflich sein zugucken. Es ist überall gesellschaftliche Konvention, zuerst höflich und nett und kategorisch positiv zu kommunizieren, was sich Profis im gestaltenden Gewerbe abgewöhnen müssen, damit sie ihre Arbeit tun, aber in der Folge keine Kritik an Amateure mehr geben können, weil die dann weinen müssen. Es ist normalen Menschen einfach zu unerwartet, die Antwort “Das ist so mittel.” zu kriegen. Jetzt gibt es ein schönes, ungewolltes Beispiel: Smart USA startet immer mal wieder Aktionen mit Versuchspersonen, so auch beim eben vorgestellten neuen Modell. Im Vorlauf dessen wollten sie zeigen, wie absurd große Stadtautos sind. Sie haben jedoch viel mehr gezeigt, dass Menschen zunächst mal alles höflich toll finden. Riesiger Smart? Oh, ja, super. Deshalb hier das Video, damit mal ein bisserl Erwartungsdruck von Fahrzeugjournos genommen wird. Es erstaunt mich überhaupt nicht, dass wir fast alle fast alles fast perfekt finden. Es erstaunt mich höchstens, dass jemand gelegentlich genügend Antihöflichkeitstraining absolviert hat, um überhaupt mal Kritik zu äußern.

Medieneulen spiegeln

Clemens Gleich in Kategorie(n) , - 25.07.2014

Als ich verwundert durch die geriehlongschte PS geblättert hatte, fragten mich Menschen mit einem Faible für das Böse, ob ich das jetzt öfter mache, vielleicht mit einer Auto Bild oder so. Nein. Ich habe mich jahrzehntelang erfolgreich gegen jedes Geld gewehrt, indem ich NIEMALS das tat, was sich Leute wünschen, sondern immer nur das, was ich mir selber wünsche. Mein Egoismus ist so groß, dass ich im Winter damit heizen kann, was Einstein damals so zusammenfasste E(goismus von Clemens) = mc². Böse sein, diese Dunkle Seite ist eh viel zu stark in mir. Doch auch ohne (gut: ausschließliche) Bosheit gibt es immer wieder interessante Fischzüge vom Fluchhafenkiosk, und die bespreche ich jetzt doch:

Pimmelparasiten, Kindermörder, Bio-Mädchen und Timo Großhans

“Ich bin nach ’45 geboren.”

Clemens Gleich in Kategorie(n) - 22.07.2014

Das Interessanteste an der Fußball-WM war die Zeit danach, weil sie die bemerkenswertesten deutschen Neurosen großflächig zum Ausbruch brachte. Es ist halt auch eine merkwürdige Position: Jeder weiß, dass die führende Nation der EU früher mal zwei Weltkriege verloren hat. Da waren fast alle von uns halt noch nicht am Leben. Deshalb tauchen auf Facebook wütende Bildbeschriftungen auf: “Ich bin nach ’45 geboren und schulde niemandem was!” Menschen vom Typ “AfD-Trotzwähler” behaupten, es würde ihnen “verboten”, sich über die Weltmeisterschaft zu freuen. Wieso diese Ausbrüche? Wieso diese abstrusen, realitätsfernen Behauptungen?

Ich glaube, es liegt an einem großen Missverständnis. Ein großer Teil der arbeitenden Generationen in Deutschland denkt, dass man sich für den Krieg schämen müsse. Das ist natürlich ein bisschen schwierig, wenn man da nicht teilgenommen hat. Verständlich, dass ein Gefühl der Unfairness aufkommt. Aber es ist wie gesagt ein Missverständnis. Du sollst dich nicht schämen. Aber du sollst dich schon mit der Realität abfinden: Du profitierst bis heute von den Entscheidungen der Siegermächte zur Nachkriegszeit. Dein Geburtstag ist egal.

Was sagen solche Leute denn zu Dingen wie der Semperoper in Dresden? An deren Bau haben sie ja auch keinen Anteil gehabt. Da hör ich aber niemanden sagen: “Ooh, ich bin nach 1869 geboren, das geht mich nix an!” Oder die Autobahnen. Oder alles, was die Leute in den Fünfzigern nach dem Krieg aufgeräumt haben. Unsere Vorfahren haben diese Welt maßgeblich gestaltet, und wenn man die Welt verstehen möchte, kann man sich nicht mit “alles vor meiner Geburt geht mich nix an” herausreden.

Die USA stärkte Deutschland

Ganz konkret geht es Deutschland heute so gut, weil die Siegermächte zwangsläufig aus den Erfahrungen des Ersten Weltkriegs lernen mussten. Vor allem Amerika hatte einfach Angst vor den Sowjet-Staaten. Also erlaubte man Deutschland (anders als nach dem 1. Weltkrieg), aus dem Staub aufzustehen und wieder wohlhabend zu werden. Die Siegermächte hätten Deutschland auch zerschlagen können; Vorschläge dazu gab es ja zuhauf, und eine reale Umsetzung: die DDR. Zusätzlich unterstützten die USA den europäischen Wiederaufbau mit den Hilfen aus dem Marshall-Plan.

Die Stellung Deutschlands in Europa und der Welt heute resultiert aus diesen Entscheidungen damals. Unsere mangelhafte Emanzipation gegenüber den USA. Der Führungsanspruch in Europa, der nur indirekt ausgelebt wird. Sogar die Eigenheit von Nazis, dass sie bis heute aus den unerwartetsten Wandtafeln kriechen, kommt aus dieser Zeit. Eine Nation nach dem Krieg wieder aufzubauen braucht knallharte Leute. Diese Knallharten waren jedoch im System der Nazis meistens auch schon Schaltstellen. Aus reinem Pragmatismus blieben sie regelmäßig am Steuer — in Behörden, Firmen, Instituten. Die prominentesten Nazis wurden in Nürnberg vor ein Gericht gestellt oder flüchteten nach Südamerika, wo sie hofften, das mit dem Krieg und den Juden bis zur Verjährung aussitzen zu können. Aber die im Alltag wichtigen Nazis mussten weiter arbeiten. Fast dasselbe galt auch für Nazikapital, für Ersatzwertträger zur entwerteten Reichsmark (z. B. Gold) gleichermaßen wie für Produktionsanlagen.

Wadenbeißer finden Nazigeldwaschmaschinen

Die Nazigeldwaschmaschinen Südamerikas sind durch die Wadenbeißerrecherchen von Leuten wie Gaby Weber gut belegt und das Wirtschaftswunder behält auch nur so lange seine mystische Verklärung, wie man sich von den Bildern der Zerstörung emotional einnehmen lässt. Nüchtern betrachtet war die überwiegende Mehrheit der Produktionsanlagen noch funktionsfähig, also konnten diese Anlagen Wert schöpfen, mit dem wiederum die Infrastruktur wieder aufgebaut wurde. Die meisten großen, alten, deutschen Firmen heute sind mit sehr viel Kapital aus dem Krieg gekommen — Kapital, das zu Kriegszeiten regelmäßig mit menschenverachtenden Mitteln erwirtschaftet wurde. Wenn sich also heute eine Firma BMW, eine VW AG oder ein Daimler anstellt, wenn sie über Abfindungen herumgreinen, dass sie ja alle “nach ’45 geboren” sind, dann ist das eine billige Ausrede. Habt ihr “nach ’45” eure Kriegskohle brav abgegeben und neu angefangen? Nein. Also Fresse.

Die Schwerindustrie, die chemische Industrie und die Autoindustrie fallen mir ein. Sie alle sind mit großen Vorteilen durch den Krieg und die Zeit danach gegangen. Diese Vorteile fallen bis heute der gesamten BRD zu. Da kann ich es sogar verstehen, wenn sich der Eine oder Andere dafür schämt, auf so einer Kapitalgrundlage zu operieren. Gut verständlich auch, dass es gerade Deutschen unangenehm ist, wenn Israel deutsche (teilweise geschenkte) U-Boote mit nuklearer Zweitschlagkapazität nachrüstet. Das sollte immer wieder öffentlich diskutiert werden. Unverständlich bleibt mir jedoch, wenn der moderne deutsche Profiteur der Nachkriegsentscheidungen Zahlungen an Israel rundheraus ablehnt. Selbst wenn du rein wirtschaftlich ohne jede Menschlichkeit denkst: Dieses Geld steht Israel zu. Wir haben sie zu Investitionen an Arbeit, Leben und Geld gezwungen. Da kann doch bitte auch der letzte AfD-Trotzwähler ihnen eine poplige Dividende gönnen — auch wenns nach 1945 ist.