Abgelehnt

Clemens Gleich in Kategorie(n) - 01.04.2014

Kürzlich habe ich ein Buch von William Goldman übers Drehbuchschreiben gelesen. Darin sagt er das, was jedem Schaffenden gesagt werden muss: Am Anfang wird alles, was dir einfällt, abgelehnt werden. Später verringert sich die Rate auf das Meiste oder mit etwas Glück einfach nur auf viel. Das ist wirklich das tägliche Geschäft in den Medien, und es ist schade, dass Erstautoren es dennoch nie wissen, wenn sie ihre erste Ablehnung erhalten. Wenn das in den Schulen besser gelehrt würde, dann könnte ich auch weiterhin Laien Textfeedback geben. In der Realität musste ich das aufgeben, weil ein professionelles Textfeedback praktisch immer auch Ablehnung enthält („diese Stelle gefällt mir nicht“). Wer jedoch in der Schule gelernt hat, dass jeder toll ist, jeder einen Preis kriegt, jeder immer gewinnt, den trifft die erste Ablehnung wie der Sündenfall: Es wird ein tragischer Akt epischen Ausmaßes. Mein Problem, wie man sieht, ist das Schwafeln, vor allem über Schwänze. Das wird natürlich abgelehnt, aber dann kotze ich es eben in meinem eigenen Haus auf meinen eigenen Teppich:

Porsche-Fahrer gewinnen in Genetik

Sorry: Stühlerücken im Adressraum

Clemens Gleich in Kategorie(n) , - 01.04.2014

Gestern habe ich meine IP-Adresse gewechselt. Für Nichttechniker: Gestern gab es ein bisserl Stühlerücken hinter den Kulissen. Normalerweise geht sowas mit minimalen (oder bestenfalls keinen) Behinderungen für den Betrieb vonstatten, aber weil ich es diesmal selber nassforsch mit der Axt gemacht habe, war es anders. Es sind einige Mails gebounced (mit Fehlermeldung zurückgekommen), weil ich einen falschen MX-Eintrag gemacht habe. Beim Herüberziehen auf die neue IP sind außerdem drei Kommentare in den digitalen Abgrund gefallen, der sich unter Menschen auftut, die nassforsch mit der Axt an Servern in laufendem Betrieb hantieren. Dafür Entschuldigung an die Schreiber. Im Besonderen möchte ich hier noch dem Bernd antworten, der sich eine BMW S 1000 R gekauft hat: Du hast richtig gehandelt, Bernd. Ich glaube, das Rennschweinchen wird Dich glücklich machen.

Ich hoffe, dass meine Technikkollegen René und Boris das lesen. Das kommt halt raus, wenn ihr mich mit diesem Computerscheiß alleine lasst. Das nächste Mal brennt das Internet.

Lichter am Ende der Speckschwarte

Clemens Gleich in Kategorie(n) - 26.03.2014

Grad muss ich wieder mal an den Kollegenspruch denken: „Es gibt ja eigentlich gar keine schlechten Sachen mehr, wenn man sie nur richtig einordnet rhabarberrhabarber…“ Ich muss wirklich gelegentlich lesen, was er dieser Tage so schreibt, weil es gerade eine sehr interessante Mischung von üblen Überraschungen (Harley Street 750) und freudigen Überraschungen (TomTom Rider) gibt. Es gibt also viel einzuordnen. „Dieser Dreck eignet sich vorzüglich für Deppen mit zu viel Geld“ könnte zum Beispiel eine Einordnung sein, wenn ich das System richtig verstanden habe. Zu den freudigen Überraschungen gehört die Jacke Revit Piazza, die ich für einen Test in Heise Autos bestellen wollte. Revit hatte aber keine zum Testen an ihrem Testkleiderständer hängen, denn das Budget ist knapp und Stadtfahrerjacken sind Rollerscheiß, für den kein Geld auszugeben sei. Deshalb habe ich eine bei Amazon gekauft, was den Vorteil hat, dass ich sie wider die Empfehlung in der Maschine waschen kann, wenn mir danach ist. Die Jacke ist ziemlich toll.

So sieht sie aus.

Zeichen und Wunder: TomTom Rider 2014

Clemens Gleich in Kategorie(n) , - 22.03.2014

Gerade komme ich aus dem heute bisserl frischen Schwarzwald zurück mit der aktuellen Generation des TomTom Rider, für den es gerade eine neue Software-Version gibt. Im Prinzip hat sich nicht viel geändert, auffällig ist nur der breitere Bildschirm. Unter der Haube haben sich aber die nervigen Punkte aller vorherigen Rider-Versionen verbessert. Der Anschalter schaltet endlich auch bei niedriger Akkuspannung an. Der Halter hält jetzt länger als 50 km, weil er ENDLICH dickere Achsen für den Schnapper hat, sogar mit Schrauben. Die Duke hat ihn bis jetzt noch nicht zerstört, was mir Hoffnung macht. Insgesamt ist der Sitz des Geräts am Halter auch satter, sodass es weniger Plastikabrieb gibt. Garmin ist da immer noch besser (denn dort scheuert gar nichts), aber es ist eine echte, brauchbare Verbesserung. Die superpraktische Funktion „kurvige Strecke finden“ bleibt erhalten, weiterhin mit Schieberegler für die Gewichtung des A*-Algorithmus, der letztendlich die Größe der gefahrenen Straßen einstellt. Sowas gab es aus mir unverständlichen Gründen seit dem Garmin 2610 nimmer. Einziger Nachteil gegenüber dem Urban Rider ist die deutlich geringere Akkulaufzeit. Ohne Stromversorgung auf verschiedenen Maschinen fahren geht damit realistisch nur noch halbtags (je nach Strecke und Beleuchtung überlebt die Batterie vier Stunden). Das ist für den Großteil der Kunden egal, denn sie fahren auf einer Maschine, auf der sie eine Stromversorgung verlegen. Für Hardcore-Tourenfahrer gut: TomTom vertreibt endlich einen Tourenplaner für den Desktop mit (Tyre Pro). Die fehlende Planungs-Software war für Touris vorher ein echter Nachteil gegenüber Garmin. Insgesamt: Na, geht doch. Werde das Teil noch bisserl testen für MO und Heise, aber ich bin bis jetzt sehr zufrieden. Vielleicht haben außer mir noch Andere zu TomTom „ihr Ficker“ gesagt, denn das ist die erste Rider-Generation, die die krassesten Mängel behebt. Vielen Dank, ihr Ficker! So wollten wir Kunden es haben.

Der aktuelle Rider am Lenker der Duke. Rüttelplattentest im Schwarzwald bestanden.

Der aktuelle Rider am Lenker der Duke. Rüttelplattentest im Schwarzwald bestanden.

Nachbesprechung: PS auf der Couch

Clemens Gleich in Kategorie(n) , - 13.03.2014

Matthias Schröter von der Motorpresse hat mir auf Facebook bezüglich meiner Heftkritik geschrieben, dass ich eine abscheuliche Graupe bin und die PS mich jederzeit und immer gar förchterlich herbrennt. Das stimmt ja alles, nur heißt so ein Anwurf halt auch: „Ich kann keine deiner Aussagen auch nur entkräften, also greife ich stattdessen deine Person an.“ Also in etwa wie: „Du bist fett, deshalb hast du hier gar keine Kritik zu äußern!“ Das fand ich schon bisserl peinlich. Die Antwort war ein: „Nein! DU bist peinlich!“ Wenn es aufs Niveau Fünfjähriger runter geht, hat sich jemand wirklich aufgeregt. Es lohnt sich dann meistens, den Grund zu erkunden, selbst wenn das schwierig ist. Nach einigem Nachhaken erklärte Matthias tatsächlich, woran er sich gestört hat: Man sagt so eine Kritik seiner Ansicht nach nicht öffentlich, sondern nur den betreffenden Kollegen direkt. Das ist eine erstaunliche Aussage für einen Publizisten. Wenn es Kritik an der Fireblade gibt, sagt man die folglich am besten auch nicht öffentlich, sondern nur Honda direkt. Das würde den heimlichen Verdacht einiger Leser bestätigen, ich vermute jedoch eher, dass es Matthias um die Form geht, die er als irgendwie unfair empfunden haben muss. Unfair wollen wir nicht sein, deshalb ordne ich nüchtern die wichtigsten Aussagen des Videos ein, auf dass die Kritik konstruktiver werde. Den Leuten direkt nochmal sagen muss ich nichts davon, das wissen sie alles seit Jahren.

  • Positionierung: Dass die PS jetzt in die Breite geht, ist verständlich. Das Publikum, das Motorrad-Print-Hefte liest, ist im Schnitt noch älter als der Bevölkerungsteil, der sich für das Thema eines Hefts interessiert (in diesem Fall schnelle Motorräder). Man muss dieses Publikum in der Realität abholen, denn nirgendwo sonst wartet es auf einen. Und in dieser Realität haben sich viele einstmalige Superbike-Käufer tatsächlich eine GS gekauft. Diese Verlangsamung betrifft ja nicht nur die PS, sondern man kann sie in jedem Motorradheft am Markt sehen. Der Plan ist also, die Breite abzuholen, aber alles durch eine Sportlinse zu fokussieren. Eben das zeigt sich am konkreten Beispiel als problematisch:
  • Fokus: Selbstverständlich kann ein Redakteur jedes Motorrad auf seine Schneller!-Eignung hin betrachten. Der Test der Ninette von Gert Thöle ist ein gutes Beispiel. Er ist wie gesagt sauber gedengelt, und bestimmt hat der Autor diesen Test extra fürs Erscheinen in der PS aufgezogen. Trotzdem könnte er genauso in der Motorrad stehen. Niemand würde sich wundern. Ein für den Leser sichtbarer Fokus fühlt sich für den Autoren nämlich völlig übertrieben an, ähnlich wie Posieren beim Fotofahren. Einen ganzen Artikel konsequent durch eine bestimmte Linse zu brechen ist schwieriger, als es sich anhört. Mir fallen in der Leuschnerstraße nur zwei Personen ein, die eine solche Fertigkeit belegt haben: Klaus Herder und Jörg Lohse. Es gibt sicher noch mehr, das ist aber fürs Argument egal. Beide arbeiten nicht für die PS, die abscheulichen Graupen, aber wichtiger: Selbst wenn sie das täten, muss ein Sportfokus im Fall der PS das gesamte Heft bündeln. Das ist eine Größenordnung schwieriger. Es ist bestimmt möglich, es ist in der aktuellen Ausgabe jedoch für mich nicht sichtbar passiert, obwohl „sportlich schnell Motorradfahren“ das verspricht. Das wäre alles nicht schlimm, wenn nicht derselbe Verlag ein Heft brächte, das praktisch alles genauso gut oder besser macht: Ninette, MT-07, Monster, Konzeptvergleich, MV Dragster, Psycho-Hintergründe, selbst Fireblade und MotoGP-Hintergründe stehen in dieser oder besserer Qualität im Hauptobjekt der Motorradsparte. Ich wünsch der PS Erfolg mit ihrem Versuch, aber als Verlag würde ich mich fragen, wieso es im Haus ein Heft gibt, das sich zu über 90 Prozent mit dem Hauptobjekt des Themengebiets überschneidet. Eine Abhilfe wäre:
  • Themenplanung: Wenn der Fokus nicht über die Textarbeit entstehen kann, weil dazu die Ressourcen fehlen, kann er einfacher und zuverlässiger über die Themenplanung zustande kommen. Jetzt bin ich wieder die abscheulich gemeine Graupe, aber Themenplanung war wirklich nicht die Stärke der PS in den letzten Jahren. Im Team fehlt ein Heftmacher (solche Leute gibt es ja im Verlag).
  • Altlasten: Der DSK darf eine Doppelseite verschandeln, weil DSK-Mitglieder ein Abo entweder der PS oder der „Sport Auto“ erhalten. Irgendjemand hielt das irgendwann für eine gute Idee. Jeder, den ich kenne, hält es jedoch für insgesamt schädlich für Heft und damit letztendlich Verkauf. Warum das jeden „Relaunch“ überlebt, ist fragwürdig. Genauso der Kleinanzeigenmarkt. So ein Flickenteppich macht eine Menge Arbeit. Rechnet sich das wirklich?
  • Anzeigenlage: Ich habe abseits der kleinen Anzeigen im Markt-Teil keine einzige normal bezahlte Anzeige gesehen, nur Gegengeschäfte und Eigenanzeigen (korrigiert mich gerne). Wenn das die gegenwärtige Lage am Schnittpunkt Medienkrise-Motorradmarktkrise-Werbekrise ist, wäre das Experiment „Leserfinanzierung“ nicht nur sinnvoll, sondern notwendig gewesen, also beim Copy-Preis bei einer schwarzen Null herauszukommen. Das hätte der PS eine einzigartige Unabhängigkeit gegeben. Ist aber bei 3,80 Euro wohl nicht der Fall. Mehr Geld rechtfertigt sich über:
  • Qualität: Die gefühlte Qualität für den Leser ist bei der PS nicht sonderlich hoch. Das liegt an Bindung und Papier, aber auch an der Farbenpsychologie: Gelb und blau sind Kasperl sei‘ Frau und außerdem alle Kreuzworträtsel-, Sudoku- und TV-Tratschhefte, die sie liest. Das ist nur ein Randpunkt, aber im Gesamten kann man eine PS mit demselben Aufwand schicker aufmachen. Wie immer wieder gelobt: Die Bilder sind eh gut, aus denen kann man mehr Qualitätsanmutung fürs Heft holen. Das neue Layout ist ein richtiger Schritt. Qualität hat auch was mit nach außen gezeigtem Verständnis zu tun. Deshalb das Beispiel mit der Korrektur. Ich weiß mit Sicherheit, dass es in der Leuschnerstraße Leute gibt, die diese Korrektur in fünf Minuten wasserdicht geschrieben hätten, wenn man sie denn gefragt hätte. Ja, die vorderen Seiten passieren als letztes unter dem größten Druck. Das treibt die Fehlerrate. Aber Andere kriegen es auch hin, mit mehr Korrekturen zu wesentlich komplexeren Themen (in der c’t ist in fast jeder Ausgabe eine Korrektur oder wichtige Ergänzung drin). Eine Korrektur noch einmal in derselben Weise zu verhauen wie den Ursprungsfehler, das sieht immer aus wie überhaupt nicht verstanden. Es lohnt sich deshalb, diese Zeit irgendwoher zu nehmen.
  • Öffentlichkeit: Das ist der spezielle Matthias-Schröter-Punkt. Das Heft ist öffentlich. Wenn Leute darüber sprechen, ist das immer gut, denn das spart schon wieder Streuwerbung. Ich kriege auch jeden Tag Kritik, auch für Sachen, die aufwendig waren; gerade für Sachen, an denen Herzblut klebt. Da muss jeder Publizist eben durch, da hilft Herumnölen auch nicht. Ich bleibe dabei: Es sieht scheiße aus, wenn ein Mitarbeiter des größten Verlags in der Branche öffentlich sagt, dass Öffentlichkeit nicht gut ist. Siehe auch Generaloberchefredakteur Michael Pfeiffers „Ich wünsche keine öffentliche Diskussion …“ damals. Sowas untergräbt jede publizistische Glaubwürdigkeit, vor allem, wenn man selber davon lebt, über Andere zu richten (in diesem Fall: Motorradhersteller).

Die berechtigte Frage ist: „Warum hast du noch mal eine Rezension einer PS gemacht, wenn das doch schon letztes Mal nur Geplärre gegeben hat?“ Weil ich ein Leser bin, deshalb. Die PS ist das einzige Motorradheft, das ich mir am Kiosk kaufe. Die anderen Hefte interessieren mich entweder nicht (Europe’s Biggest, Reisescheise, Tschobbr & Co.) oder ich arbeite selber gelentlich mit daran, erhalte also Belegexemplare und bin befangen, wie der Jurist sagt. Das ist nicht glaubwürdig. Vielleicht kommen wir ja irgendwann an einen Punkt, an dem selbst ein Herr Schröter eine Leserkritik von mir ebenso ruhigen Blutes zur Kenntnis nehmen kann wie eine Leserkritik, die in einem Motorradforum stattfindet. Bisserl auf Leser hören. Auch wenn’s schwerfällt.