Reiseenduros, die auf meinem Essen liegen.

Clemens Gleich in Kategorie(n) - 22.09.2014

Die intelligenteste Wortmeldung zum Thema “vielleicht doch wieder was Gescheites arbeiten” kam von Toby. Er fragte, ob ich dann nicht zunächst einmal was Tolles machen will oder gleich Urlaub oder beides. Dass “Urlaub” nicht unmittelbar am nächsten liegt, ist von der Position eines Angestellten in Deutschland schwer nachvollziehbar, aber ich denke, jeder Selbständige versteht das. Deshalb bin ich vor Monaten vom Gas der Maschine gegangen, die schwarze Zahlen auf mein Konto schreibt. Diese Maschine hängt jedoch am Gas wie ein Heizkraftwerk, sodass erst jetzt spürbar Dinge passieren. Von “mach das mal” bis “ach ja, hab was bezahlt” vergehen schon mal Monate. Ich muss nur daran denken, das Gas wieder zu öffnen, wenn ich wiederkomme. Denn jetzt gehe ich weg.

Zugegeben: Ich gehe arbeiten. Aber es ist eine Arbeit, bei der man in den Ritzen zwischen den Stints ein bisschen die Seele lüften kann: Wir fahren von Genf bis Nizza möglichst nur über lose Steine, immer diese alten Militärstraßen entlang, einer Idee von Stephan und Patrick folgend. Die Geschichte plane ich für MO. Ich möchte belegen, dass eine KTM 690 Enduro R die beste Reiseenduro ist. Als Kontrast fährt ein britischer Einspurbaukran mit (Triumph Tiger Explorer). Ich mache mir ernste Sorgen um den Fahrer. Vielleicht werden wir ihn essen müssen, wenn (nicht falls) der Explorerkran auf sein Bein fällt, denn hochheben können wir sowas nicht und zum Bein absägen fehlt uns der fatalistische Mumm unserer Großväter. Dann kann ich endlich auch mal interessante Bilder von meinem Essen zeigen oder gleich ein Interview mit ihm führen.

Wahrscheinlich bin ich nach der Intermot zurück am Schreibtisch, frisch mit Material von meinem Messegang mit Thomas Senn. Wir latschen da am Publikumssamstag bisserl rum und lästern und versuchen vielleicht, uns eine Suzuki schönzutrinken, was aber wahrscheinlich zu gefährlich ist. Idealerweise kann ich KTM eine ihrer neuen elektrischen Supermotos stehlen. Ich hoffe auf einen in jeder Hinsicht betulich-beschaulichen Herbst und vielleicht ein gemeinsames Bier auf der Intermot. Und auf Urlaub. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

So gaben sich die Alpen bei meinem Besuch letzte Woche. Ich rechne mit Schnee. Freu mich aber trotzdem.

So gaben sich die Alpen bei meinem Besuch letzte Woche. Ich rechne mit Schnee. Freu mich aber trotzdem.

Giftgrün im grauen Alltag

Clemens Gleich - 05.09.2014

Die Tage hat ein Mann aus München einen BMW C Evolution hier ausgeladen, die Ninette aber zu unbekannten Orten weiter mitgenommen, wahrscheinlich in die Leuschnerstraße runter. Der Großroller ist jetzt vier Wochen hier, weil ich für Heise abklopfe, wie sich ein Alltag mit dem Teil anfühlt. Es gibt Text und Bild dazu, oder man kann sich hier berieseln lassen:

Ich fahre meinen steilen Berch hoch damit.

Horex: Insolvenz des Hypes

Clemens Gleich in Kategorie(n) - 01.09.2014

Horex hat in Augsburg den Antrag auf das Insolvenzverfahren gestellt. Hier die Pressemeldung bei Motorrad Online. Hier eine Einordnung von Jochen Vorfelder. Schade. Die gesamte Szene hätte dem Projekt mehr Erfolg gegönnt. Ich reiche diese Probleme als Beleg für meine Dauerthese ein, dass Motorjournos am Markt scheiternde Fahrzeuge wider den Volksglauben nicht zu Verkaufserfolgen hypen können. Aber gut, dass die Hersteller das auch glauben, denn dann gibts weiterhin so viel Freibier und Schnittchen.

Zwischenfazite!

Clemens Gleich in Kategorie(n) , - 25.08.2014

Endlich bin ich dazu gekommen, die Alpine Motosafe, diese Ohrstöpsel, 1000 km auf Tour mitzunehmen. Und, was soll ich sagen? Ich habe sie NICHT verloren. Weil ich vergessen habe, sie zu benutzen. Stehen Sie frisiert für den nächsten Versuch. Am besten, ich nehme die jetzt immer mit, auch gegen Leute, die einen zuschwallen. Halt, nein, das funktioniert ja gar nicht mit denen. Egal. Nicht vergessen zu benutzen: den X-Lite 802 R.

Mein neuer Lieblingsreisehelm

Neue Kawasaki Z 1000 fährt wie die alte

Clemens Gleich in Kategorie(n) , - 20.08.2014

Schottenring, tiefster Winter 2014 (also August). Wir sitzen auf einer Hütte im November(August)Nebel, die Birkenscheite prasseln im Kamin, der heiße Tee passt zu den warmherzigen Gesprächen. Frank (Name von der Redaktion mangels Ideen nicht geändert) gibt zu: “Die beste Kawa aktuell ist ja die Z 1000 SX. Die ist super.” Da muss ich an Irland denken. Überhaupt: Die Z 1000 war schon toll, auch unverkleidet. “Reinhold” hätte ich meine genannt, vielleicht auch “Hartmut”, auf jeden Fall irgendein Name, mit dem man damals im Pott nach Kohlen graben konnte. Dieses Heulen aus der Airbox im Resonanzbereich, dieses kleine Konzert nur für mich, den Fahrer!

Die neue Z 1000 hat mich bisher nicht sonderlich interessiert, und zwar einfach, weil ich sie angesichts von BMW S 1000 R und KTM 1290 Super Duke ein bisserl überholt fand. Wer würde denn sein Geld lieber in die Z 1000 stecken statt in die BMW, die ja auch nicht schlecht klingt, aber leichter, stärker und schneller ist und außerdem dieses weiß-blaue Propellerlogo trägt, das alle haben wollen? Aber dann sagte der Mann gegenüber (nennen wir ihn “Carsten”, weil er so hieß), dass die neue Z noch viel lauter heult als die alte. Deshalb bin ich am übernächsten Morgen mit dem Schmatzfon kurz knipsend zwischendrin zwei Runden mit der aktuellen Z auf dem alten Schottenring gefahren.

Alles beim Alten

Das ist immer etwas schwer ohne den direkten Vergleich, aber so aus weiter Entfernung betrachtet hat sich außer der Verkleidungstapete nicht viel geändert. Die Ergonomie ist immer noch super, wenn es auch so geblieben ist, dass die Fersen auf den Endtöpfen aufliegen, wenn die Fußballen auf der Raste stehen. Die Abstimmung ist auf andere Art entartet, aber immer noch nicht super. Mann, Kawa, schau dir die BMW an! Da muss 2014 bissl mehr kommen. Es gibt keinen Schlangenlederimitatsitz mehr, was ich sehr schade finde. Der Motor bleibt toll. Das Heulen kommt mir aber nicht bemerkenswert lauter vor. Vielleicht hat mein Gehör signifikant nachgelassen in diesen vier Jahren, das mag sein.

Die Gestaltung nennt Kawa “Sugomi”, was ich mit “Scheußlichkeit” übersetzen würde. Sind halt ehrlich. Die Traktionskontrolle von der SX gibt es aus für Europäer vollkommen unerfindlichen Gründen in der nackt scheußlichen Z nicht. Wenn man Kawa Japan fragt: “Warum?”, dann sagen sie: “Sugomi.” Wir wollen scheußlich sein. Vielleicht auch: Wir wollen scheußlich schlecht verkaufen. Wir wissen, dass alle nach Schlagwörtern einkaufen, wir haben das Schlagwort “Traktionskontrolle” fertig als Software, aber Geld finden wir scheußlich. Sugomi. Hai, hai. Domo.

Die restlichen Änderungen sind mir egal. Neuer Tacho. Hm. LED-Lampen. Schön. Stimmiges Tentakel-Design. Gut. Aber ich muss jetzt den Satz schreiben, der aus Heften gern rausgestrichen wird, weil er keine Neumotorräder verkaufen hilft: Im Kern ist das Motorrad sich so treu geblieben, dass ich empfehlen würde, die alte Z günstig zu schießen und das gesparte Geld in Sprit zu investieren, in einen Schlangenlederimitatsitz oder vielleicht in ein Federbein, das einem weniger krass ins Kreuz tritt, wenn es was ausfedern soll.

Kawasaki Z 1000 Modelljahr 2014

Ist: so wie die alte Z 1000.
Kos­tet: 12.395 Euro
Leis­tet: 143 PS (104 kW) bei 10.000 U/min.
Stemmt: 111 Nm bei 7.300 U/min aus 1.043 ccm.
Wiegt: 222 kg vollgetankt.
Tankt: 17 Liter Super.
Hat: keine Traktionskontrolle, wegen “Sugomi”.