Yamaha: Modellnews 2012, äh: 2013

Clemens Gleich in Kategorie(n) , - 27.09.2012

Es ist mal wieder an der Zeit, also bringen wirs lieber hinter uns. Die Yamaha-Modellnews! Tätterätätätääääh!! Es gibt neue Aufkleber. Ende der Modellnews. Beginnen wir mit den Ballaststoffen der Berichterstattung! Zuerst mal O-Töne: “Wir sind gut aufgestellt ™”, behauptete ein Firmensprecher gestern oder letztes Jahr, man weiß das ja bei Yamaha-News nie so genau. “Das kommende Jahr wird geprägt sein von einer enormen Nachfrage nach neuen Aufklebern. Ja. Enorm. So enorm, dass die Kunden die Motorräder gleich mit kaufen werden.”

Auch die Fachhändler zeigten sich durch die Bank erfreut vom Lineup: “Eine bessere Nachricht konnte uns gar nicht erreichen!”, freute sich Erwin Gurstelgarst aus Hinterbeikheim, der seit 1918 Yamahas verkauft. “Ich habe bereits mit Triumph gesprochen und werde demnächst meinen Laden zum Flagship Store umrüsten, den Union Jack hissen! Ich möchte Yamaha danken für die stets schlechte Behandlung. Ohne sie hätte ich das nicht geschafft.”

Vergleichbar positiv fielen die Reaktionen der Fachpresse aus: “Zum Glück hat sich Yamaha wieder mal für den richtigen Schritt entschieden”, lobte Dr. gonz. Clemens Gleich, Vizedudenhöffer der Deutschen Motorpresse, das Vorgehen der Firma. “Nur wenn sie nix Neues bringen, ersparen sie uns Berichterstattern ja den Schmerz, mit ihnen über ihre Motorräder sprechen zu müssen. Viele Motorradjournalisten in diesem Lande sind von Yamaha traumatisiert und müssen uro-neuro-psychologisch betreut werden. Man muss sich das mal im CRT anschauen! Das sind Narben auf der Hirnhaut!”

Wir interviewten zur frohen Kunde noch den obligatorischen Zufallsdeppen von der Straße. Neben mir steht Karl-Heinz Kabulke, ein Biker durch und durch. Herr Kabulke, was halten Sie von den Neuheiten Yamahas? “Yama-was? Ist das diese neue Suzucki?” Damit sind wir durch, glaube ich. Ich möchte den Bericht beenden mit pseudoeinsortierendem Geschwurbel, das die Restmedien für ihre eigenen Berichte verdinandudenhöffern können: “Es wird sich zeigen, was die Zukunft für Yamaha bringt.” “Der frühe Vogel fängt den Wurm!” “Nachts ist es dunkler als draußen.” Fertig! Bis nächstes Jahr!

Eine Yamaha. (Bild: Yamaha)

Bier and Loathing: der hoffnungslose Panamera

Clemens Gleich in Kategorie(n) , , - 27.09.2012

Es gibt Fahrzeuge, an die muss man sich gewöhnen. Die Honda Fireblade ab 2008 (SC 59) ist so ein Beispiel: Nach den schnittigen Raubvogelgesichtern der Vorgänger dauerte es ein bisschen, ihr kurzes Pekinesengesicht erst ertragen und schließlich gar schön finden zu können. Manchmal geht ein Fahrzeug auch auf Bildern überhaupt nicht, obwohl es später in der Realität daneben stehend super ist. Der Porsche Panamera fällt in keine dieser Kategorien. Er zeigt die große Tragik des gesamten Porsche-Designs: “Der 911 ist unsere große Nummer, also muss jetzt alles aussehen wie der!” Der Heckmotor des 911 ist einfach linienbestimmend, und ohne den direkten Bezug zur Vergangenheit könnte man so einen Quatsch heute auch nicht bauen. Es ist schön, dass es ihn gibt, als letzten seiner Art. Nicht schön ist es, dass es den Cayenne gibt. Er sieht aus, als wär ein VW Touareg mit 200 km/h in einen Elefantenarsch gefahren. Der einzige Grund für diese Verschandelung des Straßenbilds ist der zwanghafte Versuch, einen optischen Bezug zum 911 herzustellen.

Und dann der Panamera. Für den fehlen mir die Worte. Maserati und Aston haben gezeigt, wie schön ein viertüriger GT-Wagen sein kann. Die Bauart hilft der Optik. Es muss einige Anstrengung gekostet haben, das in einem Maße zu versauen, dass ich neben einem Panamera kaum mein Frühstück unten behalten kann. Warum, Porsche? Warum baut ihr diesen wunderbaren Wagen in Form einer fünf Meter langen Warze? Wie beim Cayenne will Porsche den Panamera jetzt ein bisserl abmildern in puncto Netzhautpeitschung. Außerdem: “Hübrrit!” Gute Gelegenheit für den Versuch, mir die Warze schönzutrinken, dachte ich.

“Studie”, sagt Porsche und stellt das Design der nächsten Panameras vor. (Bild: Porsche)

Aber dann unterließ ich diesen selbstmörderischen Versuch, weil der neue Dschäääägg in Bildern kam: Jaguar F-Type. Der ist zwar wie üblich viiiel zu fett (rund 1600 kg), aber es gefällt mir, was Jaguar sagt: “Das ist ein 1+1-Sitzer.” Die Aussage ist britisches Englisch für den Fakt, dass in diesem Wagen der Sitz auf der anderen Seite ausschließlich dafür gedacht ist, den abendlichen Geschlechtsverkehr des Fahrers zu transportieren — wie das sich eben gehört in einem Roadster. Alle Bedienelemente richten sich gen Lenkradhalter, und ein abweisender Balken verhindert, dass der Geschlechtsverkehr am Radio rumfummelt. I approve.

Open intercourse transporters in three colours: F-Type Jaaaaag. Ab 73.400 Euro. (Bild: Jaguar)

Zahlen und Bilderklickgymnastik bei meinen Stuttgarter Nachbarn hier

TomTom, schlimmer als Hitler

Clemens Gleich in Kategorie(n) , - 24.09.2012

Gestern habe ich das Wetter und den Herrn Trölf genutzt, um mein neues Projekt mit dem Arbeitstitel “Schlimmer als Hitler” zu “produzieren”, wie der Medienmann sagt, also Fotos zu schießen. An der Treffpunkttanke nahm ich den Rider ab, wobei ich feststellen musste, dass die Halterung nichtmal die erste Etappe der Fahrt gehalten hat – TomTom Death Count: 7. Es ist auf dem Bild schwer zu sehen, aber da links in dieses Scharnier gehört ein unterdimensionierter Stahlstift, der dazu da ist, zu zerbrechen, herauszubrechen, fortzufliegen oder sich sonstwie seiner ihm zugedachten Funktion zu entziehen. Schön fürs Bild war, dass die Halterung sich selbst zu Mehl macht, sodass ich interessierten Lesern zeigen kann, woran es liegt, dass das Teil so scheiße ist: an der mangelhaften Kontaktfläche zum Beispiel. Aktive Halterungen mit Stromversorgung verlieren aus diesem Verschleiß nach meinen Erfahrungen nach einiger Zeit den sicheren Kontakt (Test auf Vierzylindern damals). Das geschickte Ersatznavi-Hauptgerät war schon mal bei einem Kunden und stammt aus der Reparatur, wie die zu Mehl vibrierten Schleifstellen belegen. Der Anschalter funktioniert bis zu einer etwas niedrigeren Spannung als bei meinem eingeschickten, dafür funktioniert die Bluetooth-Verbindung nimmer. Bin mir unschlüssig, was langfristig wichtiger ist. Schlüssig bin ich mir jedoch darin, dass ich nächstes Mal bei Garmin kaufe. Die sind … “besser” ist das falsche Wort; sagen wir: “weniger schrecklich”.

Wir sehen eine vorher jungfräuliche passive Halterung des Urban Rider nach 100 km Nutzung. Man beachte die großen Mengen Mehl, die das System aus sich selbst herstellt.

Rant/Test: Macht es endlich gescheit, ihr F…reundlichen Menschen!

Rote Propaganda

Clemens Gleich in Kategorie(n) - 21.09.2012

Genossen! Ich als Mojomaschinenpropagandaminister freue mich ganz besonders, die Vergrößerung unseres geschätzten Ministeriums zu verkünden. Axel Bergander wollte mehr tun für die gute Sache ™, die ja im Prinzip darin besteht, rote Motorräder zu fahren, und zur großen Freude aller tut er das jetzt hier gemeinsam mit uns: Toby hat ja zweifelsfrei belegt, dass er die hohen Anforderungen bezüglich der Fertigkeiten Rasen und Saufen erfüllt, die unsere besondere Mission an ihn als Genossen stellt. Für die rosig rote Zukunft möchte ich mich auch bereits jetzt vorfreuen, dass sich bald ein weiterer Freund uns und der guten Sache anschließen wird, der ebenfalls ein rotes Motorrad hat. Ich möchte außerdem zu diesem Anlass, nachdem ich es einem Leser explizit sagen musste, nochmal betonen, was hier wichtig ist: Es kommt uns auf die Posi­tion dei­nes Her­zens an, nicht auf die Bau­art dei­nes Motor­rads. Man beachte deshalb die Position von Axels Pumpe:

auf einer Ducati 900 SuperSport nämlich

Die Werblogosphäre

Clemens Gleich in Kategorie(n) , , - 18.09.2012

Vor ein paar Tagen habe ich darüber gelästert erläutert, warum sich mit Berichten in Auto-Weblogs nichts gegenüber der klassischen Motorjournallie ändert, außer dass es weniger Kritik geben wird. Jetzt gibt es ein wunderbar belegendes Fallbeispiel von Autofan Jens Stratmann. Er betreibt außer seiner persönlichen Website noch die schön gemachte Metaseite freude-am-erfahren.de, auf der er gerade eine Presseschau zum (schön gemachten) Mercedes CLS “Shooting Brake” liefert. Dort listet er Lobeshymnen von Bloggern auf, gefolgt von den Lobeshymnen der Motorjournos. Ego-massierend Interessant finde ich hierbei, wie exemplarisch jede meiner Thesen bestätigt wird. Die recht positiven Berichte von Focus, Handelsblatt, Auto Bild und Co. werden getoppt von Prosa, die so auch (mit besserer Orthographie) in den Daimler-Kundenmagazinen stehen könnte, deshalb steht sie in Daimlers Online-Kundenmagazin. Zum Lob musste Daimler auch niemanden speziell auffordern, es reicht, das sage ich ja immer wieder, jemandem so ein Auto hinzustellen. Das muss gar nicht perfekt sein, es reicht vollkommen, wenn es gut genug, aber teuer ist.

Das Schreiber-Selbstverständnis bleibt dabei “Ich mache Meinung”, wie die Erklärung zeigt: “Hier werden Sie keine Pressemitteilungen finden, hier werden nur Unique-Content-Themen aufgegriffen, die aus der Freude beim Erfahren entstanden sind.” Ich kenne genug Leute, die denken, sie seien über dergleichen erhaben. Sie liegen falsch. Ich habe mittlerweile genug Fälle gesehen, um behaupten zu können: Die Erhabenen liefern dasselbe Lob ab wie alle, wenn man ihnen das Zeug gibt. Es gibt da auch keine Ausnahmen. Nein, ich bin keine Ausnahme. Es ist ein menschlicher Mechanismus, einem Wohltäter wohlgesonnen zu sein. Wer sich als immun gegen freundliche Menschlichkeit ansieht, begibt sich in die wunderbare Welt des Selbstbetrugs. Von daher sollte man die Aktivitäten von Daimler & Co. von innen wohl eher so sehen: “Jemand schreibt uns kostenlos Kundenmagazine. Wie geil ist das denn? Da können wir auf Orthographie doch gepflegt scheißen.”

Der Grund, warum mich dieses Thema beschäftigt, liegt im aktuell üblichen Verhältnis von Herstellern zu Medien. Heute macht der Hersteller die meisten Fotos, die aufwendigsten Videoproduktionen, die coolsten Reportagen — alles Dinge, mit denen sich früher Verlage von der Konkurrenz abgesetzt haben. Ich habe zum Beispiel deshalb ein Video der BMW HP4 gemacht, weil ich eine fertige Videoproduktion auf BMWs Server gefunden habe, die ich nur noch schnibbeln und volllabern musste. Fast alle Fahrbilder von allen Fahrpräsentationen? Hersteller. Artikelideen? Immer mehr: Hersteller. Skoda lässt den Yeti touren. Land Rover muss ihre Experience Tours nicht bewerben, weil immer genug Medienleute mitfahren. Daimler fliegt den SLS auf die Panamericana, damit jeder den Straßennamen über seinen Test schreiben kann. Ich finde viele der Sachen, die die Hersteller produzieren, ziemlich gut. Umso trauriger sieht das (Wenige) aus, was die eigentlichen Medienfirmen noch selber stemmen. Klar kommen sie sich da nutzlos vor. Sie sind es ja. Das macht mich betroffen.

Die Situation liegt hauptsächlich daran, dass die Verlage keine Kohle haben oder die aus Zukunftsangst nicht ausgeben wollen. Es bliebe ihnen als Alleinstellung der kritische Kommentar. Der kostet zwar kein Geld, aber ein Mindestmaß an Mut, also wird er selten bleiben. Ihr als Leser solltet euch bewusst sein, dass die meisten Berichte mittlerweile direkt oder indirekt von den Herstellern finanziert und daher teilgestaltet werden, und Gegenstimmen wenig Raum kriegen. Ich würde zum Beispiel gern schreiben, dass die Husqvarna TR 650 als neue Verpackung für den ausgesucht schrecklichen BMW-F-Einzylinder-Stationärmotor wie goldener Sprühlack auf einem frischen Stück Scheiße ist. Aber ich trau mich nicht. “Es gibt ja eigentlich gar keine schlechten Fahrzeuge mehr”, sage ich da als Motorjourno lieber. Und als Blogger möchte ich noch hinzufügen: “Diese Husky, ne, die ist das Beste, was mir je passiiiert ist, sie ist so gut!; wie ich sie lieeeb! Vergesst den Rest der Welt, das Bike, das ist der Schie-hieet!” Meine Meinung: Genau so isses.